Gedenkorte

Bis Anfang der 1960er Jahre wurden auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald zahlreiche Gedenkorte geschaffen. Weitere kamen nach dem Ende der DDR hinzu. Sie erinnern an Opfergruppen, die zuvor nicht im Blickpunkt gestanden hatten.

image

Foto: Peter Hansen

Ernst-Thälmann-Gedenktafel (1953)

In der Nacht vom 17. auf den 18. August 1944 erschoss die SS im Krematorium den ehemaligen Reichstagsabgeordneten und Vorsitzenden der KPD Ernst Thälmann. An ihn erinnert eine Gedenktafel an der Wand des Krematoriums.

image

Foto: Peter Hansen

Gedenkstein jüdisches Sonderlager 1938 (1954)

Ein Gedenkstein erinnert an das jüdische Sonderlager, das sich 1938/39 auf dem westlichen Teil des Appellplatzes befand. Nach dem antijüdischen Pogrom im November 1938 deportierte die SS 10.000 jüdische Männer aus Ost-, Mittel- und Westdeutschland in das KZ Buchenwald. Dort wurden sie in fünf Holzbaracken gefangengehalten und misshandelt, 250 von ihnen starben. 1988 wurde die hebräische Inschrift in den Gedenkstein eingebracht.

image

Foto: Peter Hansen

Gedenkstein Sonderlager 1939/40 (1954)

Ende September 1939 errichtete die SS am Appellplatz ein Sonderlager. Über 3000 Polen und Juden wurden dort in Zelten zusammengedrängt. Hunderte Wiener Juden fielen im Winter der Kälte und der Zwangsarbeit zum Opfer oder wurden von der SS durch Injektionen ermordet. Bis Februar 1940 kam fast die Hälfte der Häftlinge im Sonderlager ums Leben.

image

Foto: Peter Hansen

Gedenkstein für ermordete Angehörige der britischen und kanadischen Streitkräfte (1954)

Wegen Verbindungen zu der im besetzten Frankreich agierenden Special Operations Executive (SOE), einer Spezialeinheit des britischen Geheimdienstes, wurde im August 1944 eine Gruppe von Häftlingen in Block 17 des KZ Buchenwald eingeliefert. Im September/Oktober 1944 ermordete die SS die meisten von ihnen. Drei Männer konnten mit Hilfe des Lagerwiderstandes durch Namenstausch mit verstorbenen Häftlingen gerettet werden.

image

Foto: Peter Hansen

Gedenkstein für sowjetische Kriegsgefangene (1954)

Am 18. Oktober 1941 lieferte die SS 2000 sowjetische Kriegsgefangene ein. Sie kamen in sechs Baracken am westlichen Rand des Häftlingslagers, die separat mit Stacheldraht umzäunt und als "Kriegsgefangenenlager" beschildert wurden. Durch harte Zwangsarbeit, Krankheit und Hunger starben viele der Insassen.

image

Foto: Katharina Brand

Gedenkstein "Pferdestall. Mordstätte für 8483 sowjetische Soldaten" (1954)

In dem 55 Meter langen, massiv gebauten Pferdestall neben der Reithalle des Lagerkommandanten ermordete die SS von Herbst 1941 bis 1943/44 über 8000 sowjetische Kriegsgefangene durch Genickschuss. Die Erschießungsanlage bestand aus einer Reihe von Räumen, in denen den Opfern eine medizinische Aufnahmeuntersuchung vorgetäuscht wurde. Der Abtransport der Leichname zum Krematorium erfolgte in verzinkten Behältern von der Ostseite des Gebäudes aus.

image

Foto: Katharina Brand

Gedenkstein am ehemaligen Häftlingskrankenbau (Ende der 1950er Jahre)

Im Sommer 1938 begann im Bereich des sogenannten Reviers die Errichtung von zwei Baracken. Anfang 1945 bestand der Häftlingskrankenbau aus sechs teilweise massiven, unterkellerten Baracken. Dieser Ausbau, der aufgrund von Seuchen und Überfüllung beschleunigt wurde, ging vor allem auf die hartnäckigen Bemühungen der Häftlingssanitäter zurück. Für Häftlinge, die unter ihrem Schutz standen, konnte die Aufnahme in den Häftlingskrankenbau Rettung bedeuten. Andere, die schwer krank waren und unfähig zu arbeiten, töteten die SS-Ärzte mit Injektionen.

image

Foto: Katharina Brand

Rudolf-Breitscheid-Gedenkstätte (1960)

Rudolf Breitscheid, Vorsitzender und außenpolitischer Sprecher der SPD-Reichstagsfraktion in der Weimarer Republik, war in der Isolierbaracke für prominente Häftlinge interniert. Er kam am 24. August 1944 bei dem alliierten Luftangriff auf Rüstungsbetriebe und SS-Einrichtungen des Lagers ums Leben.

image

Foto: Naomi Tereza Salmon

Denkmal für Henri Manhès (1961)

An der Abzweigung von der Ettersburger Straße in Richtung "Blutstraße" befindet sich ein Denkmal für den französischen Widerstandskämpfer Frédéric Henri Manhès (1889-1959). Es wurde 1961 von der Stadt Weimar errichtet, die Manhès drei Jahre zuvor die Ehrenbürgerwürde verliehen hatte.

image

Foto: Peter Hansen

Gedenkstein "Politische Häftlinge aus Bulgarien" (1970)

Bulgarische Studenten aus Bratislava sowie von der Technischen Hochschule Dresden wurden in Buchenwald festgehalten. Sie hatten sich der Rekrutierung in die Deutsche Wehrmacht verweigert.

image

Foto: Claus Bach

Jüdisches Mahnmal (1993)

Mit Steinen aus dem Buchenwalder Steinbruch auf der Grundfläche des ehemaligen jüdischen Blocks 22 erbaut, wurde das Mahnmal am 9. November 1993 geweiht. Die Inschrift (Psalm 78,6) in Englisch, Hebräisch und Deutsch lautet: "Auf dass erkenne das künftige Geschlecht, die Kinder, die geboren werden, dass sie aufstehen und erzählen ihren Kindern." Der Entwurf stammt von der Künstlerin Tine Steen und dem Architekten Klaus Schlosser. Von den 75.000 jüdischen Männern und Frauen im KZ Buchenwald und seinen Außenlagern sind 11.800 ums Leben gekommen und ermordet worden.

image

Foto: Katharina Brand

Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma (1995)

Schwarze Basaltstelen auf einem kleinen Hügel bilden das Denkmal am ehemaligen Block 14, in dem 1939/40 Burgenländer Roma festgehalten wurden. Auf den Stelen sind die Namen anderer Konzentrations- und Vernichtungslager zu lesen. Die Inschrift in Englisch, Deutsch und Romanes lautet: "Zum Gedenken an die Sinti und Roma, die Opfer des NS-Völkermords wurden". Der Entwurf stammt von Daniel Plaas. Etwa 3500 Sinti und Roma (Männer und Frauen) hielt die SS im KZ Buchenwald fest. Nach bisherigem Kenntnisstand sind mindestens 400 von ihnen dort umgekommen.

image

Foto: Naomi Tereza Salmon

Denkmal für alle Häftlinge des KZ Buchenwald (1995)

Zum 50. Jahrestag der Befreiung wurde auf dem ehemaligen Appellplatz ein Gedenkzeichen für alle Opfer des KZ Buchenwald eingeweiht. Eine in den Boden eingelassene Metallplatte ist graviert mit dem Akronym "K. L. B." sowie den Namen von mehr als 50 Nationen und Opfergruppen in alphabetischer Reihenfolge. Der Mittelteil wird auf 37 Grad, auf menschliche Körpertemperatur, erwärmt. Das Denkmal wurde von den Künstlern Horst Hoheisel und Andreas Knitz entworfen und realisiert. Das Gedenkzeichen markiert den Ort, an dem überlebende Häftlinge kurz nach der Befreiung einen hölzernen Obelisken, das erste Denkmal für die Opfer des Lagers, errichtet hatten. In einer Gedenkfeier am 19. April 1945 erinnerten sie an ihre toten Kameraden und leisteten den "Schwur von Buchenwald".

image

Foto: Katharina Brand

Erinnerungsstätte Dietrich Bonhoeffer, Friedrich von Rabenau und Ludwig Gehre (1999)

In einem Kellerarrest in den SS-Kasernen verbrachte der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer gemeinsam mit dem ehemaligen General Friedrich von Rabenau und Hauptmann Ludwig Gehre Anfang 1945 die letzten Wochen seines Lebens. Sie waren wegen ihrer Teilnahme an der Verschwörung gegen Hitler, die zum Attentat am 20. Juli 1944 führte, verhaftet und nach Buchenwald gebracht worden. Am 9. April 1945 wurden sie im KZ Flossenbürg ermordet, ihre Leichen verbrannt und die Spuren verwischt. Die Erinnerungsstätte wurde 1999 eingeweiht. Seit 1990 hatten Teilnehmer verschiedener Workcamps das zugewachsene Gelände freigelegt. Am 25. Mai 2014 schändeten Unbekannte die Erinnerungsstätte. Die Täter zerstörten insbesondere eine Stufe des historischen Treppenzugangs und beschädigten die aus Edelstahl gefertigte Gedenktafel irreparabel. Die umgehende Wiederherstellung des Erinnerungsortes unterstützten die Internationale Bonhoeffer-Gesellschaft, Deutschsprachige Sektion, und die Evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Weimar durch Spenden maßgeblich. Die Gelder ermöglichten darüber hinaus konservatorische Maßnahmen zugunsten einer noch besseren dauerhaften Sicherung des Erinnerungsortes.

image

Foto: Peter Hansen

Gedenkräume im ehemaligen Arrestzellenbau

Im linken Flügel des Torgebäudes, dem sogenannten Bunker, ermordeten SS-Aufseher hunderte Menschen. An einige von ihnen, darunter der evangelische Pfarrer Paul Schneider und die österreichischen Geistlichen Otto Neururer und Mathias Spanlang, wird namentlich erinnert.

image

Foto: Katharina Brand

Gedenkstein für Opfer der nationalsozialistischen Militärjustiz (2001)

Am 15. Mai 2001, dem Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerer, wurde am ehemaligen Block 45 ein Gedenkstein für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure der Wehrmacht eingeweiht. Mehrere Hundert von ihnen waren in den KZ Buchenwald und Mittelbau-Dora gefangengehalten worden.

image

Foto: Katharina Brand

Denkmal "Kleines Lager" (2002)

Dieses Denkmal entstand als gemeinsames Projekt der "United States Commission for the Preservation of America's Heritage Abroad" und der Gedenkstätte Buchenwald. Realisiert wurde es mit Spenden aus den USA sowie Geldern der Bundesrepublik Deutschland und des Freistaats Thüringen. Die Ortsnamen im Denkmal beziehen sich auf die Deportationsorte, Gefängnisse und Konzentrationslager, aus denen Transporte direkt ins "Kleine Lager" kamen. Ein Überlebender des KZ Buchenwald, der New Yorker Architekt Stephen B. Jacobs, hat das Denkmal entworfen. Er war als Kind mit seinem Vater und seinem Bruder seit Ende 1944 selbst im "Kleinen Lager" festgehalten worden.

image

Foto: Peter Hansen

Gedenkstein für Zeugen Jehovas (2002)

Am Block 45 erinnert ein Gedenkstein an Jehovas Zeugen. Seit 1933 waren sie von den Nationalsozialisten wegen ihres konsequenten Pazifismus verfolgt, seit Mitte der 1930er Jahre in deutschen Konzentrationslagern inhaftiert worden, darunter auch in Buchenwald.

image

Foto: Katharina Brand

Gedenkstein für die Frauen des KZ Buchenwald (2003)

An die über 27.000 Frauen und Mädchen, die in Außenlagern des KZ Buchenwald für die deutsche Rüstungsindustrie arbeiten mussten, erinnert ein Gedenkstein am ehemaligen Block 5. Hier war das Häftlingskommando Arbeitsstatistik untergebracht, das im Hauptlager auch für die Verwaltung der Außenlager zuständig war. Der Text des Gedenksteins wurde von der polnischen Buchenwald-Überlebenden Danuta Brzosko-Medryk verfasst, die 1944 in ein Außenlager nach Leipzig deportiert worden war.

image

Foto: Katharina Brand

Gedenkstein für homosexuelle Männer (2006)

Das NS-Regime ließ Tausende homosexuelle Männer in die Konzentrationslager einweisen. Allein in Buchenwald waren zwischen 1937 und 1945 etwa 650 deutsche Homosexuelle inhaftiert. Die meisten von ihnen wurden mit dem Rosa Winkel gekennzeichnet, einige mussten andere Winkel tragen. Jeder dritte von ihnen kam ums Leben. Ein Gedenkstein am ehemaligen Block 45 erinnert an sie.

image

Foto: Katharina Brand

Gedenkstein für Angehörige der Alliierten Luftwaffe (2014)

Im August 1944 erfolgte die Einlieferung von mindestens 169 über Frankreich abgeschossenen alliierten Fliegern im KZ Buchenwald. Es handelte sich um 82 US-Amerikaner, 49 Briten, 26 Kanadier, 9 Australier, 2 Neuseeländer und einen Jamaikaner. Zwei von ihnen starben im Lager. Die übrigen kamen im Oktober/November 1944 in das Kriegsgefangenenlager Stalag Luft III in Sagan (heute Żagań in Polen). Am 13. April 2014 weihten Überlebende einen Gedenkstein für diese Häftlingsgruppe am ehemaligen Block 45 ein.

image

Foto: Anja Holtschneider

Gedenkstein für die spanischen Republikaner (2015)

In das KZ Buchenwald wurden auch etwa 500 Spanier verschleppt. Zumeist handelte es sich um Angehörige der Republikanischen Armee oder Bürgerkriegsflüchtlinge. Die ersten bezeichnete die SS im Frühjahr 1941 als „Rotspanier“. Mit den Transporten aus Frankreich seit Anfang 1944 stieg die Zahl der in Buchenwald befindlichen Spanier an. Mindestens 39 von ihnen, darunter zwei spanische Juden kamen, im KZ Buchenwald ums Leben. Aus Anlass des 70. Jahrestages der Befreiung am 11. April 2015 weihten Angehörige den Gedenkstein am ehemaligen Block 45 ein.