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Menschliche Überreste – historische Belege und forensische Befunde

Im KZ Buchenwald ließ die SS tätowierte Haut von Häftlingsleichen abtrennen, präparieren und zu Gegenständen wie Lampenschirmen und Taschenmesser-Etuis verarbeiten. Das belegen Schriftstücke der SS, Aussagen ehemaliger Häftlinge, Fotografien aus dem befreiten Lager, Unterlagen amerikanischer Ermittler und des Buchenwald-Hauptprozesses sowie forensische Untersuchungen überlieferter Objekte.

Drei im befreiten Lager sichergestellte Stücke tätowierter Haut wurden bereits im Mai 1945 als menschliche Haut identifiziert und 1947 im Buchenwald-Hauptprozess als Beweismittel vorgelegt. Neue Gutachten bestätigen außerdem: Der kleine Lampenschirm in der Sammlung der Gedenkstätte, ein Fragment des Lampenschirms aus dem Dienstzimmer des Lagerkommandanten und ein Taschenmesser-Etui bestehen aus menschlicher Haut.

Die Untersuchungen benennen auch ihre Grenzen. Beim präparierten Herzen ließ sich nicht mehr bestimmen, ob es menschlichen oder tierischen Ursprungs ist. Ein erst 1985 übernommenes Objekt, das als „Schrumpfkopf“ galt, erwies sich als Falsifikat. Es ist nicht mit den beiden Objekten identisch, die am 16. April 1945 im befreiten KZ Buchenwald als „Schrumpfköpfe“ fotografiert wurden.

Aus Respekt vor den Toten zeigen wir in unseren Ausstellungen keine menschlichen Überreste. Wir bewahren sie jedoch in unserer Sammlung auf, weil sie Beweise der nationalsozialistischen Verbrechen sind. Dieses Dossier dokumentiert die Herkunft, Überlieferung, Untersuchungsergebnisse und offenen Fragen zu den einzelnen Objekten.

Dienstzimmer des Lagerkommandanten. Zu erkennen ist der Lampenschirm, der auch am 16. April 1945 auf dem Tisch mit den Präparaten gezeigt wurde.

Haut tätowierter Häftlinge als „Geschenkartikel“ der SS 1941/42

Veranlasst durch den SS-Lagerarzt Dr. Hans Müller begann 1941 die Ablösung und Verarbeitung tätowierter Haut von Häftlingsleichnamen zu Alltagsgegenständen wie Taschenmesser-Etuis und Lampenschirmen.

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Auf dem Bild ist ein Tisch mit menschlichen Präparaten zu sehen. Ganz rechts steht ein Lampenschirm aus Menschenhaut. Links davon liegen Stucke gegerbter tätowierter Menschenhaut auf dem vorderen Bereich des Tisch. Im hinteren teil des Tisches sind Organe in Preparatsgläsern ausgestellt. deutlich zu erkennen sind ein Herz und eine Lunge. Zwischen den Organpräparaten sind auch zwei Schrumpfköpfe zu sehen.

Tisch mit menschlichen Präparaten 16. April 1945

Am 16. April 1945, nur wenige Tage nach der Befreiung des KZ Buchenwald, mussten auf Anordnung des amerikanischen Stadtkommandanten 1.000 Weimarer Einwohner:innen das Lager auf dem Ettersberg besichtigen. Sie wurden dort mit den Zuständen im befreiten...

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Zusehen ist ein kleiner Lampenschirm aus Menschenhaut der an einer Austellungswand präsentiert wird.

Kleiner Lampenschirm Original in der Sammlung seit 1953

Der kleine Schirm einer Nachttischlampe, der offensichtlich aus einem der Häuser der SS-Villensiedlung des Konzentrationslagers Buchenwald stammt, wurde unmittelbar nach der Befreiung im April 1945 vom ehemaligen deutschen politischen Häftling Karl...

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Zu sehen ist eine Austellungswand an der links Organpräperate und ein kleiner Lampenschirm aus Menschenhaut ausgestellt werden. Über ihnen ist eine Infotafel angebracht auf der zwei Schrumpfköpfe abgebildet sind. Links vorne sind Stücke von tätowierter Menschenhaut ausgestellt.

Hautstücke mit Tätowierungen Originale in der Sammlung seit 1953

Die Hautstücke aus der Pathologie des Konzentrationslagers Buchenwald waren nach der Befreiung von einem namentlich nicht bekannten Häftling, eventuell Karl Straub, mitgenommen worden und gelangten über das Generalsekretariat der VVN zunächst in die...

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Zu sehen ist ein Taschenmesser-Etui aus menschlicher Haut. Es hat durch den Gerbprozess eine gelbliche Farbe. Es ist an beiden Enden abgerundet. Auf der rechten Seite ist ein umgeklappter und spitz zulaufender Verschluss erkennbar, der auf das Etui gefaltet wurde.

Taschenmesser-Etui In der Sammlung seit 2023

Ein britischer Parlamentarier erhielt während seiner Besichtigung der Pathologie im April 1945 von dessen stellvertretendem Häftlingskapo, Dr. Kurt Sitte (1910-1993), zwei Artefakte aus der Pathologie. Dabei handelte es sich um ein aus menschlicher Haut...

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Das Bild zeigt einen Großen Lampenschirm der aus an dern Seitenaus vier- und oben aus dreieckigen Hautstücken zusammengenäht wurde.

Stück eines Lampenschirms In der Sammlung seit 2023

Am 21. April 1945 besuchte eine britische Parlamentsdelegation das Konzentrationslager Buchenwald, um sich persönlich ein Bild von den Zuständen im befreiten Lager zu machen. Zwei der Abgeordneten nahmen Objekte aus der Pathologie mit nach Hause, um...

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Zu sehen ist ein Organpräparat eines durchschossenen Herzens das an einer Austellungswand präsentiert wird.

Durchschossenes Herz In der Sammlung seit 1955

Das präparierte Herz gehört ebenfalls zu den nach der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald in dessen Pathologischer Abteilung vorgefundenen Präparaten. Laut dem Bericht eines ehemaligen deutschen Häftlings, der Ende 1945 seine Hafterinnerungen...

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Aufbewahrung, Provenienz und forensische Untersuchungen

Alle menschlichen Überreste in den Beständen der Gedenkstätte Buchenwald werden heute im 2013 errichteten Tiefenmagazin aufbewahrt. Die menschlichen Überreste befinden sich dort in einem eigenen Klimabereich, dessen Bedingungen fortlaufend überwacht werden.

In den vergangenen Jahren hat die Gedenkstätte die Provenienz, also die Herkunft und Überlieferungsgeschichte, der menschlichen Überreste in ihrer Sammlung so weit wie möglich rekonstruiert. Die Sammlungsbestände umfassen insgesamt zwölf Objekte mit Bezug zu menschlichen Überresten. Weitere menschliche Überreste aus dem KZ Buchenwald werden im Deutschen Historischen Museum in Berlin und im National Museum of Health and Medicine in Silver Spring, Maryland, aufbewahrt.

Geschichtsrevisionistische Kreise stellen die Verbrechen der SS im KZ Buchenwald und die Echtheit der überlieferten menschlichen Überreste immer wieder infrage. Auch aus diesem Grund gab die Gedenkstätte Buchenwald 2022 neue forensische Gutachten in Auftrag.

Mit den wissenschaftlichen Untersuchungen beauftragte die Gedenkstätte den Kriminalbiologen Dr. Mark Benecke. Er ist seit 2001 öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für die Sicherung, Untersuchung und Auswertung biologischer Spuren. Mehrere Laboratorien waren beteiligt. Zum Einsatz kamen unter anderem mikroskopische und genetische Verfahren.

Die Gutachten bestätigten unter anderem, dass der kleine Lampenschirm und das erhaltene Stück eines weiteren Lampenschirms aus menschlicher Haut bestehen. Der 1985 übernommene angebliche „Schrumpfkopf“ erwies sich dagegen als Falsifikat aus Tiermaterial. (Dieses Objekt ist nicht mit den beiden bereits 1945 im befreiten Lager dokumentierten Schrumpfköpfen zu verwechseln, von denen sich einer heute in der Sammlung des Deutschen Historischen Museums in Berlin befindet.) Das Dossier stellt die einzelnen Objekte vor und fasst ihre Überlieferungsgeschichte, die Untersuchungsmethoden und die wesentlichen Befunde zusammen.


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