Am westlichen Rand des Häftlingslagers richtete die SS im Oktober 1941 ein eigenes, mit Stacheldraht umzäuntes Kriegsgefangenenlager ein. Die geplante Zwangsarbeit der sowjetischen Kriegsgefangenen fand jedoch zunächst nicht statt: Die SS isolierte die Gefangenen und setzte ihre Rationen herab. Innerhalb weniger Monate starb jeder Dritte von ihnen an Krankheiten und Hunger.
Ab 1942 mussten die Kriegsgefangenen im Steinbruch oder beim Bau der Buchenwaldbahn arbeiten. Die SS vermietete ihre Arbeitskraft auch an Firmen der Umgebung.
Eine zweite Gruppe von sowjetischen Kriegsgefangenen wies die Gestapo als „politische Gefangene“ ins Lager ein. Sie waren aus Kriegsgefangenenlagern geflohen oder der Sabotage verdächtig. Ihr Zentrum war die Steinbaracke Block 30.
Sowjetische Kriegsgefangene im Konzentrationslager Buchenwald
22. Juni 1941: Vom ersten Tag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion verstößt die Wehrmacht bei der Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener vorsätzlich gegen die Genfer Konvention.
18. Oktober 1941: Die Wehrmacht verlegt 2.000 Kriegsgefangene aus dem Stalag 310 Wietzendorf bei Hamburg in das KZ Buchenwald.
April 1942: Innerhalb eines halben Jahres sind im Kriegsgefangenenlager Buchenwald 600 Kriegsgefangene gestorben.
Mai 1942: 1.000 Kriegsgefangene werden in das KZ Sachsenhausen gebracht.
Sommer 1942-1945: Die Belegung des Kriegsgefangenenlagers liegt bis 1945 bei rund 800 Häftlingen. Die Gestapo liefert etwa 3.500 Kriegsgefangene als „politische Häftlinge“ ein.
10. April 1945: Die Insassen des Kriegsgefangenenlagers verlassen mit einem Todesmarsch Buchenwald.
Traktorführer
Gefangennahme Juli 1941 bei Gomel (Belarus), Stalag IV B Mühlberg, VII A Moosburg, März 1942 KZ Buchenwald, Mai 1942 KZ Sachsenhausen
©obd-memorial.ru
Landarbeiter
Gefangennahme Juli 1941 bei Minsk (Belarus), Stalag VII A Moosburg, März 1942 KZ Buchenwald, Mai 1942 KZ Sachsenhausen
Gestorben 16. September 1942
©obd-memorial.ru
Schlosser
Gefangennahme Juli 1941 bei Minsk (Belarus), Stalag IV B Mühlberg, VII A Moosburg, März 1942 KZ Buchenwald
Gestorben 16. August 1942
©obd-memorial.ru
Landarbeiter, verheiratet, ein Kind
Gefangennahme Juli 1941 bei Minsk (Belarus), Stalag IV B Mühlberg, VII A Moosburg, März 1942 KZ Buchenwald, Mai 1942 KZ Sachsenhausen
Gestorben 17. Oktober 1942
©obd-memorial.ru
„Am zweiten Tag wurden die Gefangenen in die Desinfektion geführt. (...) Sie führten die Russen in einer großen Gruppe, unter Bewachung. Und plötzlich stürzten sich von allen Seiten Leute auf sie. Sie sprachen laut und schnell. Die Gefangenen verstanden die Worte nicht, aber sie verstanden das Wichtigste - das Verhältnis der übrigen Häftlinge zu den Russen: selbst hungrig und ausgemergelt steckten ihnen die Häftlinge etwas zu, sie drückten ihnen ihre karge Ration unter die Achselhöhlen - 300 g Ersatzbrot.“
Der sowjetische Kriegsgefangene
Herbert Sandberg (1908 – 1991), Grafiker, in Buchenwald 1938 – 1945, Aquatinta-Radierung 1958
©Gedenkstätte Buchenwald
„Zum Frühstück gab es einen halben Liter dünne Suppe mit Holzspänen und einer Prise Roggen. Mittags 300 g Ersatzbrot, das aus Holzspänen, Kartoffeln, 30 g Roggenmehl und 20 g Margarine bestand. Abends, nach einem 14-stündigen Arbeitstag, erhielten die Gefangenen 800 g Suppe aus Steckrüben. Die Ration war so bemessen, dass ein Mensch einen langsamen Tod starb.“
Bewaffnete Häftlinge
Roman Jefimenko (1916 – 1996), Kunstmaler, in Buchenwald 1943 – 1945, Federzeichnung 1945
©Gedenkstätte Buchenwald
„Sonntags hatten wir einen sogenannten verkürzten Arbeitstag. Wir nutzten dies, um unsere Kampfkraft zu inspizieren. (…) Solche Soldaten kannte natürlich keine Armee der Welt: eingefallene Wangen, tief liegende Augen und dünne Arme, die aus den breiten Ärmeln der gestreiften Jacken heraushingen.“
Baki Nazirow über den Zustand der sowjetischen Kriegsgefangenen