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Einweihung von 111 Gedenksteinen für deportierte jüdische Jugendliche

am 31. Juli 2022 am Gedenkweg Buchenwaldbahn

Zu diesem besonderen Ereignis möchten wir Sie sehr herzlich einladen.
Bereits um 10 Uhr beginnt am Weimarer Hauptbahnhof der Gedenkgang, der von Musiker:innen des Yiddish Summer begleitet wird.
Dieser wird um 14 Uhr an der Haltestelle Gedenkweg Buchenwaldbahn (Buslinie 6) eintreffen, von wo wir uns gemeinsam auf der ehemaligen Trasse der Buchenwaldbahn zu den Gedenksteinen begeben werden.

Ansprachen
Heiko Clajus / Christian Molitor
Initiative „Gedenkweg Buchenwaldbahn“

Prof. Dr. Jens-Christian Wagner
Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Bodo Ramelow
Ministerpräsident des Freistaates Thüringen

Ran Ronen
Zentralrat der Juden in Deutschland

Dr. Susanne Kill
Leiterin Konzerngeschichte / Historische Sammlung bei der Deutschen Bahn AG

Verlesen der Namen der deportierten jüdischen Jugendlichen durch Teilnehmer:innen des Summer Camps der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste

Kaddisch
Alexander Nachama
Jüdische Landesgemeinde Thüringen

Eine Veranstaltung der Initiative „Gedenkweg Buchenwaldbahn“ und der Gedenkstätte Buchenwald in Kooperation mit dem Yiddish Summer Weimar. Mit der Einweihung feiert die Initiative zugleich ihr 15-jähriges Bestehen.

Historischer Hintergrund
Von Mai bis Juli 1944 ließ das Reichssicherheitshauptamt 400.000 ungarische Juden nach Auschwitz deportieren und die meisten im Gas ermorden. Nur der Arbeitskräftemangel führte dazu, dass ab Mai 1944 Zehntausende von ungarischen Juden in Auschwitz der direkten Vernichtung entzogen und in KZ-Lager nach Deutschland gebracht wurden. Von Hunger und Krankheit geschwächt, war die Zuteilung zur Arbeit, die ständige Qual bis zum Tod bedeutete, gleichzeitig die einzige Chance weiterzuleben.

Aus Buchenwald schickte die SS, solange die Gaskammern in Auschwitz noch funktionierten, über 2.000 kranke und schwache jüdische Männer, Frauen und Kinder zur Vernichtung zurück. Ein solcher Transport verließ den Bahnhof Buchenwald am 3. Oktober 1944. Unter den 1.188 Juden dieses Zuges waren auch 111 Minderjährige. An sie erinnern Gedenksteine, die in freiwilliger Arbeit gestaltet wurden und Teil eines Denkmals am Gedenkweg-Buchenwaldbahn sind.

Initiative Gedenkweg Buchenwaldbahn
Die in dem „Zug der Erinnerung“ fahrende Ausstellung „11.000 Kinder. Mit der Reichsbahn in den Tod“ von Serge und Beate Klarsfeld machte 2008 auch Station in Weimar. Sie war im Vorfeld die Initialzündung dafür auf der ehemaligen Bahntrasse von Weimar nach Buchenwald einen Gedenkweg anzulegen. Es ist ein Projekt, das praktische Arbeiten mit Bildungsarbeit verknüpft.

Zusätzlich zur Pflege des Weges gestalteten Hunderte von Helfer:innen individuelle Gedenksteine. Sie erinnern an die 2.000 Kinder und Jugendlichen, die auf der Bahnlinie 1944 zur Ermordung nach Auschwitz gebracht wurden oder in den letzten Kriegswirren in die zahlreichen Außenlager deportiert wurden und dort umkamen. Die Gedenksteine sind ein in Deutschland einmaliges prozessuales und partizipatives Denkmalsprojekt. Es soll fortgesetzt werden, bis für jedes deportierte Kind und jeden deportierten Jugendlichen ein Gedenkstein niedergelegt wurde.

Mittlerweile wird die ehrenamtlich tätige Initiative von unterschiedlichen Vereinen, Institutionen und Einzelpersonen unterstützt und begleitet. Hier einige Beispiele: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Roter Baum e. V. aus Dresden, Gerberstraße 1 e. V. aus Weimar, Deutsche Bahn, Hans-Böckler-Stiftung, Stadt Weimar, Gedenkstätte Buchenwald, Förderverein Buchenwald e. V., Sparkasse Mittelthüringen, Weimarer Wohnstätte, Lernort Weimar e. V., Diakonie Holzdorf, Stadtwerke Weimar.

Das Projekt wurde im Jahr 2014 mit dem Thüringer Demokratiepreis ausgezeichnet und Heiko Clajus erhielt die silberne Ehrennadel der Stadt Weimar für sein Engagement.

Der Gedenkweg kann heute das ganze Jahr über begangen werden. Er bietet die einzige Möglichkeit, sich dem ehemaligen Lager auf dem Ettersberg zu Fuß zu nähern. www.gedenksteine-buchenwaldbahn.de

Summer Camp der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
In diesem Jahr nehmen 14 junge Menschen im Alter von 18-30 Jahren am Sommerlager von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) in der Gedenkstätte Buchenwald teil. Sie kommen aus allen Ecken Deutschlands, aus den USA und aus Russland.

Zwei Wochen lang setzen sie sich intensiv mit der Geschichte des Ortes auseinander und unterstützen die Initiative Gedenkweg Buchenwaldbahn. Sie halten den Gedenkweg instand, gravieren die Namen deportierter Kinder und Jugendlicher in Gedenksteine und pflegen bereits gravierte Steine.