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National Socialism

In den „Témoignages strasbourgeois” schätzt der Chemieprofessor Albert Kirrmann die Zahl der Angehörigen der Universitätsangehörigen, die in das KZ Buchenwald und seine Außenlagern deportiert wurden, auf etwa 80. Tatsächlich ließen sich mindestens 82 Personen identifizieren, die sich selber als Angehörige der Universität bezeichneten, als solche verfolgt wurden oder während der Haft von der Universität unterstützt wurden.

Bis auf Elisabeth Will, eine Deutschlehrerin, Alumna der Universität und eine der Autor:innen der Témoignages, handelte es sich ausschließlich um Männer. Etwa drei Viertel von ihnen waren Studierende und zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung noch entsprechend jung. Die meisten waren während oder nach dem Ersten Weltkrieg zur Welt gekommen. Der Jurastudent François Amoudruz, Jahrgang 1926, war der Jüngste unter ihnen. Das übrige Viertel setzte sich aus wissenschaftlichen oder administrativen Kräften und Alumni der Universität zusammen. Diese Männer waren älter und zumeist zwischen 1890 und 1910 geboren. Der älteste war der 1888 geborene Theologieprofessor Charles Hauter.

Professoren, Assistenten und Studenten der Naturwissenschaften und der Medizin bzw. der Pharmazie bildeten mit jeweils 20 Personen die beiden größten Gruppen, gefolgt von 19 Vertretern der Rechtswissenschaften. Demgegenüber war die Zahl der Geisteswissenschaftler und Theologen relativ klein.

On 31 July 1932, the NSDAP became the strongest party in the Thuringian state parliament elections with 42.5 percent of the vote. Under its Gauleiter Fritz Sauckel, a new state government was soon formed - still in association with the national-conservative stooges of the Thuringian Landbund - which was the second in the German Reich to be led by the National Socialists. Their election victory, and even more so the takeover of power in the entire Reich, was accompanied by plans to reorganise Weimar into a Gau capital in the National Socialist sense. One of the reasons for this was the inadequate spatial conditions for the mass marches of Nazi supporters and the resulting hindrance to their presence. A separate rally site was needed, as well as new government and party buildings that would symbolise the Nazis' appropriation of Weimar in a prestigious manner. The choice for the future Gauforum fell on the former Karl-August-Platz, which from 1937 was called Adolf Hitler's Square.

Sophienstraße now served as a National Socialist marching axis, lavishly decorated with National Socialist symbolism: Anyone arriving at the railway station in Weimar was directly confronted with the National Socialists' claim to leadership. The entire entrance to the city was given a militaristic reinterpretation: the Jubilee Square at the station was renamed Bernhard-von-Weimar-Platz in honour of the Thirty Years' War commander, who was stylised as a hero. The route then followed Sophienstraße and passed the monuments to the Franco-Prussian War and Grand Duke Carl Alexander, which now faced each other on Watzdorfplatz. The latter had been removed as a result of the National Socialist remodelling of Karlsplatz (today's Goetheplatz) and moved to the eastern side of Watzdorfplatz.

Despite the ideological functionalisation of the city centre, Watzdorfplatz and the war memorial lost their significance: only on Sedan Day, which commemorated the surrender of the French army in 1870, were a few wreaths still laid in remembrance. In 1937, the deputy Gauleiter Sieckmeier even banned public gatherings on the site. From then on, Watzdorfplatz and its war memorial stood in the shadow of Adolf Hitler's square and the Nazi Gauforum in the centre of Weimar.

Der Medizinstudent Laurent Feldmann in Häftlingskleidung nach seiner Rückkehr nach Frankreich, 1945. Er war im Juni 1943 im Studentenwohnheim „Gallia“ verhaftet worden.
Der Medizinstudent Laurent Feldmann in Häftlingskleidung nach seiner Rückkehr nach Frankreich, 1945. Er war im Juni 1943 im Studentenwohnheim „Gallia“ verhaftet worden. ©Familie Feldmann

Im November 1943 folgte die zweite Verhaftungswelle. Es war die größte Aktion der deutschen Besatzer gegen eine französische Universität während des Zweiten Weltkriegs. Nach einer Denunziation führten deutsche Sicherheitsdienste mit französischer Unterstützung am 25. November 1943 eine Razzia durch. Im Hof des Universitätshauptgebäudes an der Avenue Carnot wurden mehr als 1.200 Studierende und Angehörige der Université zusammengetrieben. Der damalige Professor Ernest Hoepffner erinnerte sich später:

„Sie kommen von allen Seiten: Professoren, Angestellte, Studenten und Studentinnen, mit erhobenen Händen und flankiert von Soldaten und Polizisten. Unter militärischer Eskorte stürmen sie die schmale Treppe hinunter, die in den Innenhof führt. […] Nach einer Stunde Wartezeit findet eine erste Auslosung statt. Man wird die ‚Guten‘ von den ‚Bösen‘ trennen. Einer nach dem anderen steigen wir die Treppe hinauf, die zur großen Halle führt, und legen unsere Ausweise zur Überprüfung vor.“ 

Aus: Ernest Hoepffner, La rafle du 25 novembre 1943, in: Presses universitaires de Strasbourg (Hg.): De lʼuniversité aux Camps de Concentration. Témoignages strasbourgeois, 4. Auflage, Straßburg 1996, S. 10. (Übersetzung aus dem Französischen).

Etwa die Hälfte der überprüften Personen – überwiegend Männer und Frauen aus dem Elsass und Lothringen, Jüdinnen und Juden sowie ausländische Universitätsangehörige – wurde in eine ehemalige Kaserne für weitere Überprüfungen gebracht. Der Großteil der Verhafteten (darunter Ernest Hoepffner) wurde wieder entlassen. Für insgesamt 130 Personen stand am Ende jedoch die Deportation in ein Konzentrationslager. Nachweislich 35 von ihnen kamen mit Gefangenentransporten ab Januar 1944 in das KZ Buchenwald.

Knapp ein Viertel der nach Buchenwald deportierten Universitätsangehörigen wurden 1943/44 außerhalb der beiden, speziell gegen die Universität gerichteten Razzien festgenommen. Bei Vergeltungsmaßnahmen nach einem Attentat auf deutsche Soldaten in Clermont nahm die Gestapo im März 1944 mehrere Universitätsangehörige fest, darunter der Rechtswissenschaftler Claude Thomas. Bei Angehörigen von Widerstandsgruppen, wie dem Anführer der Universitätsgruppe von „Combat“, Jean-Paul Cauchi, sind zudem individuelle Verhaftungen belegt.

Für den Großteil der nach Buchenwald Verschleppten war das Lager auf dem Ettersberg nur eine Durchgangsstation. Die SS schickte sie nach einiger Zeit zur Zwangsarbeit in die Außenlager, etwa nach Dora, oder in andere Konzentrationslager, wie Flossenbürg oder Mauthausen. Für Marc Klein, Robert Waitz und Robert Weil hingegen war Buchenwald die letzte Station auf ihrem Weg durch die Konzentrationslager: Weil sie aus jüdischen Familien stammten, waren sie aus Frankreich nach Auschwitz deportiert worden. Erst Anfang 1945 kamen sie mit Räumungstransporten in das KZ Buchenwald, wo sie die Befreiung erlebten.


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