Leopold Flam

1912 (Antwerpen) - 1995 (Vilvoorde, Belgien)

Professor der Philosophie

"Ich muß eine ganze Reihe von Ideen über Bord werfen, Ideen, die mir vertraut waren und die ich liebte. Alles muß einer neuen Untersuchung unterzogen werden."



Leopold Flam wird am 16. März 1912 als Sohn osteuropäischer jüdischer Emigranten in Antwerpen geboren. Er wächst bei einer Tante auf, seine Lehre als Bäcker scheitert, ab Mitte der dreißiger Jahre studiert der sprachbegabte Leopold Flam Geschichte, Politik und Physik an der Reichsuniversität von Gent. 1934 wird er Mitglied der Kommunistischen Partei Belgiens, später engagiert er sich bei den Sozialisten um Camille Huysmans. Bereits in frühen Jahren beginnt er Tagebuch zu schreiben.

Am 15. März 1944 wird Leopold Flam verhaftet und am 7. Mai als "politischer Belgier" ins KZ Buchenwald eingeliefert, von dort wird er zwei Wochen später ins Außenlager Hadmersleben überstellt. Am 10. April befreien ihn Einheiten der Roten Armee von einem Evakuierungsmarsch.

Von 1945-1955 arbeitet Leopold Flam als Geschichtslehrer am Königlichen Athenäum in Brüssel. Gleichzeitig treibt er philosophische Studien, u.a. zur Moral der Aufklärung. 1952 promoviert er in Geschichte. In dichter Folge entstehen in den fünfziger Jahren Bücher über die Philosophien von Platon, Descartes, Kant und Nietzsche. Als Inspekteur für das Lehrfach Geschichte gewinnt er ab 1957 maßgeblichen Einfluß auf die Bildungspolitik Belgiens. Seine Studien setzen sich immer wieder mit der Vereinzelung des Menschen auseinander und suchen eine Synthese zwischen der Philosophie Nietzsches, dem Marxismus und dem Existentialismus. 1960 zum Professor für Philosophie ernannt, gründet er mehrere Zeitschriften sowie ein Zentrum für die Erforschung der Aufklärung, das bis heute lange Zeit vernachlässigte Philosophie- und Denktraditionen untersucht, darunter verschiedene Freidenker- und wenig bekannte Ketzerbewegungen. Er schreibt neben philosophischen Büchern und hunderten von Artikeln auch belletristische Werke und philosophische Tagebücher.

Leopold Flam stirbt am 29. September 1995 in Vilvoorde bei Brüssel.