Block 46 – seit 1942 war hier die Fleckfieberversuchsstation des Hygiene-Instituts der Waffen-SS untergebracht. Unter den Häftlingen war dieser Block gefürchtet. Im Herbst 1944 wurde dieser Ort des Schreckens jedoch zum Schauplatz einer Rettungsaktion.
Im August 1944 hatte die Gestapo 37 Agenten des britischen Geheimdienstes in das KZ Buchenwald deportiert. In Frankreich waren sie verhaftet worden; in Buchenwald sollten sie ermordet werden. Diese Absicht sprach sich im Lager herum. Langjährige Funktionshäftlinge um den katholischen Publizisten Eugen Kogon entwickelten einen Plan, um zumindest drei der Männer zu retten.
Als angeblich typhuskrank sollten sie in den Block 46 gebracht werden und dort die Namen von drei zuvor verstorbenen Häftlingen erhalten. Einer der so Geretteten war Stéphane Hessel, damals 27 Jahre alt. Er erinnerte sich später:
„Wir sind im ersten Stock von Block 46 untergebracht. Im Erdgeschoß liegen etwa 15 schwerkranke junge Franzosen. Nach dem Ausbruch einer Typhusepidemie in einem Zwangsarbeiterlager in der Nähe von Köln sind sie [dem SS-Arzt] Ding in Buchenwald übergeben worden. Es wird beschlossen, dass wir die Identität der ersten drei annehmen, die sterben werden. Ihre Leichname sollen mit unseren Namen und Kennnummern ins Krematorium geschickt werden. Wenn der Wachturm uns zum Tod durch den Strang zitiert, werden wir ‚an Typhus gestorben‘ sein. […] Meine Aufgabe war es, so viele Informationen wie nur irgend möglich über die jungen Kameraden, in deren Identität wir schlüpfen sollten, einzuholen. Ihre Berufe, die Eintragungen auf ihren Karteikarten zu kennen, um nur ja keine dummen Fehler zu machen. Es oblag mir also, mit ihnen zu sprechen, schlimmer noch zu hoffen, dass ihr Tod so bald wie möglich eintreten würde. Eine seltsame Art, einander kennenzulernen!“[1]
Die Rettung der drei Agenten gelang. Mit ihren neuen Identitäten setzten Häftlinge in der Arbeitsstatistik sie auf Listen für Transporte in Außenlager, wo alle drei überlebten.
Rettungswiderstand wie dieser war nur durch die gruppenübergreifende Zusammenarbeit von Funktionshäftlingen möglich. Den Tod der übrigen 34 Agenten konnten sie jedoch nicht verhindern. Denn Hilfe und Rettung war unter den Bedingungen des Konzentrationslagers immer nur begrenzt und nicht für alle möglich.
[1] Stéphane Hessel, Tanz mit dem Jahrhundert, Zürich 1998, S. 105 ff.