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Station 5: ehemaliges sowjet. Kriegsgefangenenlager

Teil der Herrschaftspraxis der SS war es, im Konzentrationslager Verhältnisse zu schaffen, in denen jeder gegen jeden kämpfte. Unter diesen Bedingungen konnte Widerstand auch bedeuten, Mitmenschlichkeit zu bewahren und Solidarität mit anderen zu praktizieren. Ein Beispiel hierfür ist die Hilfe für sowjetische Kriegsgefangene, die sich hier im Bereich des ehemaligen Kriegsgefangenlagers am 18. Oktober 1941 ereignete.

An diesem Tag verlegte die Wehrmacht 2.000 sowjetische Kriegsgefangene aus dem Stalag 310 in Wietzendorf bei Hamburg in das KZ Buchenwald. Hier an dieser Stelle standen die mit Stacheldraht umzäunten Baracken, in welche die SS die Kriegsgefangenen trieb. Die eintreffenden Männer waren ausgehungert und zerlumpt. Die SS begegnete ihnen mit brutaler Gewalt. Jeden Kontakt zu ihnen hatte die SS-Lagerleitung unter Strafe verboten.

Und dennoch wagten es politische Häftlinge, den eintreffenden sowjetischen Kriegsgefangenen mit spontaner Hilfe zur Seite zu stehen.

Aleksej Lysenko gehörte zu den Männern, die an diesem Tag in Buchenwald eintrafen. Jahre später erinnerte er sich an die ersten Stunden in Buchenwald:

„Es war fast dunkel, da erschienen plötzlich bei uns an der Abgrenzung Leute in seltsamer gestreifter Kleidung. Sie trugen Schüsseln und Thermosbehälter mit Suppe. Und was für Suppe! Richtig heiß, gesalzen […] Hundert Tage hatte ich so etwas nicht gesehen! Und zu allem Glück schwamm noch in der Schüssel ein riesiges […] Stück Fleisch. Wer seine Suppe aufgegessen hatte – wir aßen sie nicht, sondern schlürften sie aus den Schüsseln gierig hinunter – der erhielt einen Nachschlag. Wohin waren wir geraten? […] Alles pure Wirklichkeit: Suppe, Fleisch, Nachschlag, fremde Menschen in gestreifter Kleidung.“[1]

Die SS reagierte auf die spontane Solidaritätsaktion mit exemplarischen Strafen und unterband fortan jede weitere Hilfe. Von den 2.000 hier eingepferchten Männern starb in den folgenden Monaten fast jeder Dritte an Hunger und an Krankheiten.

Viele der überlebenden Kriegsgefangenen nahmen später zentrale Positionen im Lagerwiderstand ein. Auch für den Schutz der Jugendlichen im benachbarten Kinderblock 8 spielten die Männer des sowjetischen Kriegsgefangenenlagers eine große Rolle.

 

[1] Erinnerungsbericht Alexej Lysenkos, in: Buchenwaldheft 8 (1978), S. 5


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