Foto: Katharina Brand. Gedenkstätte Buchenwald

Appellplatz

Auf dem Appellplatz, dem zentralen Platz des Lagers, mussten Tag für Tag bis zu 20.000 Häftlinge im Morgengrauen zum Zählappell aufmarschieren. Am Abend, nach zehn oder mehr Stunden Zwangsarbeit, wiederholte sich diese Prozedur. Zwischen den Resten der alten Asphaltdecke findet man vereinzelt weiße Travertinsteine, Aufmarschmarkierungen für die Häftlinge. In ihrer hier und da noch erkennbaren Ordnung zeugen sie vom eigentlichen Zweck des Appells: marschieren, antreten, blockweise formieren, Mützen herunterreißen, endlos stehen oder stundenlang singen. Das hatte System und gehörte zum Programm menschlicher Entwürdigung.

Manche Appelle dauerten bis zu 72 Stunden und hatten keinerlei Sinn, außer die Häftlinge zu terrorisieren. Sich dem Drill zu verweigern, war tödlich. Vor ihren Augen hatten die Häftlinge die Fensterluken des Bunkers, aus denen die Schreie der Gefolterten drangen. Auf dem Appellplatz wurden auch halbnackte Menschen vor aller Augen ausgepeitscht, Mitgefangene am Galgen erhängt. Heute befindet sich auf dem ehemaligen Appellplatz das Denkmal für alle Opfer des KZ Buchenwald.