Beiträge zur Geschichte des KZ Buchenwald

Volkhard Knigge
"Unschuldige Öfen"

Einleitung des Begleitbandes zur Wanderausstellung "Techniker der 'Endlösung'. Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz". Im Auftrag der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora herausgegeben von Volkhard Knigge in Zusammenarbeit mit Annegret Schüle und Rikola-Gunnar Lüttgenau sowie unter Mitarbeit von Johanna Wensch und Friedemann Rincke, Weimar 2005, S. 5-11.

Ein windiger Tag in Auschwitz zwischen Herbst 1943 und Herbst 1944. Die junge Lehrerin Marianne Busch kommt von der Schule und findet zu Hause ihre Wirtin beim Saubermachen ihres Zimmers vor. "Sie haben doch eben erst hier Staub gewischt, und nun sehen Sie sich das einmal an!", begrüßt sie die Wirtin ein klein wenig konsterniert. "Wie Zigarrenasche" – erinnert sich Marianne Busch – "lag es in schönen weißgrauen Flocken ganz sonderbarer Struktur auf dem schwarzen Holz meines Schreibtisches. 'Was mag das wohl sein?'" Die Wirtin lehnt sich prüfend aus dem Fenster: "Von den I.G. Werken kann es nicht hergeweht sein, denn der Wind weht heute vom KZ her. Sie verbrennen dort wieder welche im Krematorium. Also ist das Menschenasche. Wir haben das schon manchmal gehabt."
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Wolfgang Röll
Homosexuelle Häftlinge im Konzentrationslager Buchenwald 1937-1945 – neue Aspekte der Forschung

Zum gegenwärtigen Forschungsstand

Die Verfolgung der Opfergruppe Homosexuelle im Nationalsozialismus wurde noch bis in die achtziger Jahre hinein in der Öffentlichkeit und in der Geschichtswissenschaft nicht oder kaum wahrgenommen. Ihr Schicksal im "Dritten Reich" wurde aus dem öffentlichen Bewusstsein und der wissenschaftlichen Forschung in beiden deutschen Nachkriegsgesellschaften weitestgehend verdrängt. Inzwischen sind jedoch nicht unbeträchtliche Fortschritte erreicht worden. Dazu hat aber weniger die akademische Wissenschaft beigetragen als vielmehr die Aktivitäten von Arbeitskreisen, -gruppen und Einzelpersonen aus der Schwulenbewegung. Im letzten Jahrzehnt gibt es nunmehr zunehmend Versuche, einen umfassenderen Ansatz, der das Thema der nach 1945 unterbliebenen Wiedergutmachung mit einschließt, zu finden.
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Sandra Starke
"Papi macht Witzchen". SS-Soldaten als Knipser

Im Konzentrationslager war es verboten, zu fotografieren. Es galt als militärisches Objekt und überall waren deutlich sichtbar Verbotsschilder aufgestellt. Von dem 1937 errichteten Lager durfte es keine Fotos geben, vor allem keine von Fremden. Die ersten, die im Lager fotografierten, waren Beamte der Weimarer Kriminalpolizei, die im offizielen Auftrag den Aufbau des Lagers dokumentierten. Karl Koch, der Lagerkommandant, wiederholte häufig und eindringlich das Verbot für die SS1. Besonders der Kommandanturbereich und die Häftlinge sollten nicht fotografiert werden.

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Harry Stein
"Nackt unter Wölfen" - literarische Fiktion und Realität einer KZ-Gesellschaft

Der Roman "Nackt unter Wölfen" des Buchenwaldhäftlings Bruno Apitz gehörte in der DDR zu den aufwendig inszenierten, populären Erzählungen über die Welt der Konzentrationslager. Seine Anziehungskraft hielt auch nach dem Ende der DDR an. Sie beruhte auf einer Konstellation, die dem wirklichen Geschehen in den Lagern fern, sinnstiftenden Auswegen daraus allerdings nahe steht: eine Gruppe von Männern, selbst permanent bedroht, rettet aus unbedingter moralischer Überzeugung, die gegen Zweifler und Funktionäre die Oberhand gewinnt, ein verlorenes Waisenkind; die unbedingte Überzeugung ist eine kommunistische und wird durch diese Tat für die Zukunft legitimiert. Sie geht bis zur Selbstaufopferung des Einzelnen, um die Gruppe und das Kind zu retten. Befreit von der wirklichen Geschichte mit ihren schwer erzählbaren, nicht aufzulösenden Gegensätzen und Erfahrungen, wird aus der widersprüchlichen nationalsozialistischen Lagerwelt ein klarer normativer Ertrag für die Gegenwart gewonnen. Der Roman zählte zu den Leitmythen des staatlichen Antifaschismus der DDR und gab dem symbolischen Ort Buchenwald, der 1958 mit einem Nationaldenkmal besetzt wurde, die Legende.

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