Grundsätze der Bildungsarbeit an der Gedenkstätte Buchenwald

Sehen

Ausgangspunkt für historisches Lernen ist der authentische Ort, sind die Lagerüberreste. Als Sachbeweise verbinden sie Gegenwart und Vergangenheit. Zeitzeugenberichte, Originaldokumente, Sammlungsgegenstände und weitere anschauliche Materialien ergänzen sie. Als unmittelbare Zeugnisse regen sie die historische Vorstellungskraft an und werfen Fragen auf: Forschendes Lernen statt erhobener Zeigefinger. Historische Vorstellungskraft ist eine Grundlage für Empathie und historisches Begreifen.

Begreifen

Jugendliche, die eine Gedenkstätte besuchen, können die Vergangenheit nicht mehr direkt erinnern. Deshalb: Erinnerung und Gedenken brauchen Wissen. Dieses Wissen ist kein Selbstzweck. Es zielt darauf, am konkreten historischen Beispiel zu lernen, was man im Sinne unteilbarer Humanitas und unteilbarer Menschenrechte nicht tut. Es verdeutlicht, unter welchen politischen, rechtlichen, sozialen und kulturellen Bedingungen Menschen zu Tätern werden. Es bewahrt die Erfahrung der Verfolgten und Widerstandskämpfer. Das Wissen ist handlungsorientiert.

Reflektieren

Die kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit soll die Aufmerksamkeit für Gefährdungen demokratischer, menschenrechtlicher Kultur in Gegenwart und Zukunft schärfen. Erfahrungen und Gegenwartsbeobachtungen von Jugendlichen sind deshalb ein weiterer Ausgangspunkt für Lernprozesse. Gedenkstättenpädagogik verordnet keine Geschichtsbilder, sondern sie sensibilisiert und befördert reflektiertes Geschichtsbewusstsein und selbstständige historisch-ethische Urteilskraft.

Kommunizieren

Gedenkstättenpädagogik fördert Dialogfähigkeit und ist selbst dialogisch angelegt. Gegen den nationalsozialistischen Zivilisationsbruch steht die Grundsolidarität mit dem Menschen als Mensch. Interkulturelle bzw. transnationale Begegnung und Auseinandersetzung gehören deshalb zu den Kernelementen der gedenkstättenpädagogischen Arbeit.