Helmut Goldschmidt

1918 (Magdeburg) - 2005 (Köln)

Architekt

"Ich habe gar nicht gewusst, daß ich Jude bin oder ein anderer Nicht-Jude. Wer hat sich dafür interessiert? Aber auf einmal war das so … Den Komplex, den man dadurch bekam, den bin ich bis zum heutigen Tag nicht losgeworden."



Helmut Goldschmidt wird am 16. Oktober 1918 als Sohn des Kölner Rechtsanwalts Moritz Goldschmidt in Magdeburg geboren. Das Gymnasium muß er 1933 als Jude vorzeitig verlassen, bei dem Berliner Architekten und Kunsthistoriker Dr. Zucker und dem Bautechniker Dr. Hauer läßt er sich zum Architekten ausbilden. Wegen des Berufsverbots für Juden arbeitet er illegal in einem Architekturbüro, in seiner Freizeit macht er Musik, vor allem Jazz.

Am 1. Dezember 1942 wird Helmut Goldschmidt von der Kölner Gestapo verhaftet und im Frühjahr 1943 nach Auschwitz deportiert. Seinen Vater können Freunde in letzter Minute verstecken. Nach drei Monaten Quarantänelager kommt Helmut Goldschmidt auf Intervention seiner nichtjüdischen Mutter im Juli 1943 als "politischer Häftling und Mischling 1. Grades" in das KZ Buchenwald. Er wird als Zeichner im Baubüro der SS eingesetzt und schreibt Arrangements für die Jazz-Combo der Häftlinge im Hauptlager.

Nach der Befreiung arbeitet Helmut Goldschmidt als freischaffender Architekt in Mayen (Eifel). 1949 erhält er den Auftrag für den Wiederaufbau der Kölner Synagoge in der Ottostraße, es folgen Aufträge für einen Krankenhausbau in Köln und jüdische Gemeindezentren. Ab 1950 eigene Firma, Heirat und Gründung einer Familie. Von 1957-1959 rekonstruiert Helmut Goldschmidt die Große Synagoge in der Kölner Roonstraße, später Wiederaufbau oder Neubau von weiteren Synagogen und jüdischen Gemeindezentren. Daneben Entwürfe und Bauleitungen für Siedlungen, Sozialwohnungen sowie einzelne Geschäfts- und Bürohäuser in Köln. 1998 erhält er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für sein architektonisches Schaffen und seine Initiativen im jüdisch-christlichen Dialog.

Helmut Goldschmidt stirbt am 6. August 2005 in Köln.