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Gestaltung: Frieder Kraft, werkraum.media

Karte Speziallager

Speziallager in der sowjetischen Besatzungszone 1945-1950.

Sowjetische Speziallager in der SBZ/DDR 1945-1950

Bereits während des Zweiten Weltkrieges hatten sich die USA, Großbritannien und die Sowjetunion darauf verständigt, Deutschland zu demilitarisieren und zu entnazifizieren. Amtsträger und Parteigänger des Nationalsozialismus sollten interniert werden. Die Durchführung dieser Maßnahmen war jedoch in den vier Besatzungszonen sehr unterschiedlich.

Das sowjetische Volkskommissariat für Inneres (NKWD) richtete bereits mit dem Vorrücken der Roten Armee in das Deutsche Reich sogenannte Speziallager ein, um zwangsweise Arbeitskräfte für den Wiederaufbau der zerstörten Sowjetunion zu rekrutieren. Nach Kriegsende änderte sich die Aufgabe der Lager. Nun sollten ehemalige Funktionsträger und andere Personen, die als eine Gefahr für die Besatzung angesehen wurden, inhaftiert und festgehalten werden: in zehn Speziallagern und drei Gefängnissen innerhalb der sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Grob umrissene Richtlinien legten fest, wer zu verhaften sei. Es gab zwei grundlegende Haftkategorien: „Internierte“ – verhaftet 1945/46 unter dem Vorwurf der Zugehörigkeit zu einer NS-Organisation oder „Werwolftätigkeit” – und „SMT-Verurteilte“, ab 1946 durch ein sowjetisches Militärtribunal (SMT) wegen Opposition zur sowjetischen Besatzung verurteilt. Anders als in den Internierungslagern der Westalliierten fanden in den sowjetischen Speziallagern keine rechtlichen Verfahren zur Überprüfung der Haftvorwürfe statt. Zudem waren die Lager hermetisch abgeriegelt. Ein Drittel aller Häftlinge kam in Folge von Unterernährung, Krankheiten und Vernachlässigung um, die Angehörigen wurden nicht benachrichtigt. In der 1949 gegründeten DDR war die Geschichte der Speziallager ein Tabu.

Die Keramikfunde stammen aus drei Speziallagern:

Speziallager 1 Mühlberg

Das Speziallager Nr. 1 wurde im September 1945 auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag IV B eingerichtet. Bis 1948 waren im Speziallager Nr. 1 Mühlberg insgesamt 21.800 Männer und Frauen inhaftiert. Jeder Dritte starb an Unterernährung und Krankheiten. Im Jahr 1948 entließ die Abteilung Speziallager des NKWD 7.300 Insassen, 3.600 verbrachte sie nach Buchenwald. Mit ihnen gelangten die Keramikgefäße dorthin.

Speziallager 2 Buchenwald

Das in Teilen des Geländes des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald eingerichtete Speziallager Nr. 2 bestand von 1945 bis 1950. Die Mehrzahl der insgesamt 28.500 Häftlinge wurde aus anderen aufgelösten Speziallagern nach Buchenwald gebracht. SMT-Verurteilte waren nicht darunter. Jeder vierte Lagerinsasse starb.

Speziallager 8/10 Torgau

Die Abteilung Speziallager des NKWD nutzte das ehemalige Wehrmachtsgefängnis Fort Zinna von 1945 bis 1947 als Speziallager Nr. 10. Ab Mai 1946 verlegte sie das Speziallager -umbenannt in Nr. 8 - in eine nahegelegene Kaserne. Zur Jahreswende 1946/47 ließ der NKWD Tausende Insassen nach Bautzen, Mühlberg und Buchenwald bringen. Keramikfunde in Buchenwald mit der Aufschrift "Torgau 1946" stammen vermutlich aus diesen Transporten. Die Mehrzahl der 28.800 Häftlinge in Torgau waren SMT-verurteilte sowjetische Bürger, die in die Sowjetunion verbracht wurden. Die Haftzeit überlebten 800 Insassen nicht.

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