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Die Universität im Widerstand

Die nach Kriegsbeginn von Straßburg nach Clermont-Ferrand verlagerte Université de Strasbourg war ein Zentrum des französischen Widerstandes gegen die Nationalsozialisten und die deutsche Besatzung. Für mindestens die Hälfte der 82 Universitätsangehörigen, die in das KZ Buchenwald deportiert wurden, lässt sich ein Engagement im Widerstand nachweisen. Es wurzelte vor allem in der Ablehnung der Annexion des Elsass durch das nationalsozialistische Deutschland und in der Weigerung, nach Straßburg zurückzukehren, um an der von den Deutschen 1941 gegründeten Reichsuniversität Straßburg mitzuwirken.

Ihr Engagement im Widerstand war vielfältig und umfasste sowohl individuelle Aktivitäten als auch Tätigkeiten in organisierten Widerstandsgruppen. Außerhalb strukturierter Netzwerke agierte beispielsweise der Theologieprofessor Charles Hauter. Er bot Studierenden, die aus dem Elsass und Lothringen nach Clermont-Ferrand geflohen waren, materielle und moralische Unterstützung an.

Im organisierten Widerstand

Viele Studierende der verlagerten Université de Strasbourg waren in der Groupe Mobile d’Alsace (GMA) aktiv. Laut Bernard Metz, dem Organisator der Widerstandsgruppe in Südfrankreich, waren etwa 50 Studierende Teil der GMA, darunter die später nach Buchenwald deportierten Studenten Marcel Fritsch, Paul Hagenmuller, Marcel Haeffele und Laurent Feldmann. Neben der Verbreitung illegaler Zeitung war die zentrale Aufgabe der GMA die militärische Ausbildung ihrer Mitglieder, um sie auf den Kampf um die Befreiung des Elsass vorzubereiten. Der damals 21-jährige Student Marcel Fritsch war Sektionsleiter in der GMA in Clermont-Ferrand. Über seine Tätigkeit berichtete Bernard Metz später:

„In Clermont begann Herr Fritsch seine Tätigkeit mit der Rekrutierung von etwa zehn Freiwilligen. Die Namen von fünf von ihnen sind mir noch bekannt: Herr Hagenmuller, Knosp, Metzger, Miclo und Ritter, deren Ausbildung im Umgang mit Waffen er später übernahm. Zu diesem Zweck hatte er eine Thompson-Maschinenpistole beschafft, die er in seinem Haus (dem Studentenwohnheim „Gallia“, 14, rue de Rabanesse in Clermont-Ferrand, das Ziel der ersten deutschen Polizeiaktion an einer Einrichtung der Université de Strasbourg im Juni 1943 war, bei der Herr Fritsch verhaftet wurde) aufbewahrte und zu den verschiedenen Orten, insbesondere dem Gewölbe des Dominikanerklosters und dem Keller der Nationalbibliothek, in denen die Unterrichtssitzungen stattfanden, transportierte.“

Aus: Bescheinigung von Bernard Metz über die Widerstandstätigkeit von Marcel Fritsch, 19. März 1964, Service Historique de la Défense, GR 16 P 235785. (Übersetzung aus dem Französischen)

Die „Armée secrète“, die Ende 1942 aus den paramilitärischen Formationen der Widerstandsgruppen „Combat“, „Libération Sud“ und „Franc-Tireur“ hervorging, sollte ebenfalls an den Befreiungskämpfen im besetzten Frankreich teilnehmen. An der Universität war sie durch den 1919 geborenen Medizinstudenten Robert Gandar vertreten, der Leiter für die Region Auvergne. Er rekrutierte mehrere seiner Mitbewohner aus dem Studentenwohnheim „Gallia“, darunter Joseph Glath und Jean-Pierre Ebel für die „Armée secrète“.

Weitere Studierende und Lehrende hatten führende Funktionen im lokalen und regionalen Widerstand inne. Der Geschichtsstudent Jean-Paul Cauchi etwa erhielt Ende 1941 den Auftrag, unter den Studierenden eine Gruppe der bürgerlich-konservativen Widerstandsorganisation „Combat“ aufzubauen. Dabei nutzte Cauchi seine Verbindungen zu elsässischen und lothringischen Studierenden, die seit dem Sommer 1941 an archäologischen Grabungen in Gergovie nahe Clermont-Ferrand teilnahmen.

Der Medizinprofessor Robert Waitz und der Universitätsbibliothekar Serge Fischer waren ihrerseits in Zusammenschlüssen von Widerstandsorganisationen tätig, die ab 1943 an der Vereinigung der zahlreichen Widerstandsbewegungen erzielten: Waitz war in den bürgerlich-konservativen „Mouvements unis de la Résistance“ tätig, Fischer in der kommunistischen „Front National“.

Porträt von Robert Gandar, nach 1945
Porträt von Robert Gandar, nach 1945 ©Service Historique de la Défense, GR 16 P 241494

Darüber hinaus pflegten Universitätsangehörige, die nicht aus Frankreich stammten, Kontakte zu Widerstandsgruppen ihrer Herkunftsländer. So war der Student Boleslaw Majkrzak als Verbindungsmann für das Netzwerk „Monica“ im polnischen Widerstand in Südfrankreich tätig. Der Sprachwissenschaftler Georges Straka war neben seinen Geheimdienstaktivitäten für den französischen Widerstand auch Mitbegründer des ersten illegalen tschechoslowakischen Komitees in Frankreich Ende 1942.

Für ihre Tätigkeit im Widerstand erhielten mehrere Angehörige der Université de Strasbourg nach dem Krieg Auszeichnungen. Auch die Universität selbst wurde gewürdigt: Der französische Staat verlieh ihr 1947 die Médaille de la Résistance und kennzeichnete sie somit offiziell als Universität im Widerstand.

Médaille de la Résistance, die die Université de Strasbourg als einzige französische Universität im Jahr 1947 erhielt.
Médaille de la Résistance, die die Université de Strasbourg als einzige französische Universität im Jahr 1947 erhielt. ©Université de Strasbourg

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