Das Überleben im Konzentrationslager hing von sehr unterschiedlichen Faktoren ab. Bestimmte Eigenschaften und Umstände konnten die Überlebenschancen jedoch erhöhen. Hierzu zählte unter anderem die sprachliche Kompetenz. Die Mehrheit der Universitätsangehörigen stammte aus dem Elsass und Lothringen und verfügte über deutsche Sprachkenntnisse. Für die Älteren, die zwischen 1871 und 1918 geboren waren, als die beiden Grenzregionen zum Deutschen Reich gehörten, war Deutsch die Mutter- oder Amtssprache gewesen. Die Jüngeren waren vielfach durch das Bildungssystem mit der deutschen Sprache in Kontakt gekommen. Sprachwissenschaftler, wie Dimitri Strémooukhoff, Boris Unbegaun und Georges Straka, waren darüber hinaus mehrsprachig.
Im Lageralltag konnten die Sprachkenntnisse überlebenswichtig werden. Wer die auf Deutsch gegebenen Befehle nicht verstand, lief Gefahr, wegen Ungehorsams misshandelt zu werden. Mehrsprachigkeit bot zudem die Aussicht auf eine Beschäftigung in der Verwaltung oder eine Stelle als Dolmetscher. Hierdurch konnte man der körperlichen Schwerstarbeit entgehen. Der Geschichtsstudent Jean-Paul Cauchi etwa fungierte als Schreiber und Dolmetscher im Außenlager Staßfurt. Die Professoren Georges Straka und Charles Hauter wurden als Dolmetscher bei der politischen Abteilung in Buchenwald eingesetzt. Édouard und François Michaut, beide Überlebende des Außenlagers Staßfurt, berichteten später über Cauchi:
„Jean-Paul Cauchy [sic], ein Elsässer aus Mulhouse, ist uns als großer Junge in Erinnerung geblieben, als der größte des ganzen Kommandos. Bei seiner Ankunft in Staßfurt verschafft ihm seine perfekte Deutschkenntnis die Dolmetscherstelle in der Krankenstation. Dort leistet er unschätzbare Dienste.“
Aus: Édouard und François Michaut, Esclavage pour une résurrection, Bagneux 1945, S. 209. (Übersetzung aus dem Französischen)
Überlebenswichtig konnten zudem die beruflichen Fähigkeiten sein. Rund die Hälfte der 20 Mediziner aus der Gruppe der Straßburger kam beispielsweise in den Krankenrevieren zum Einsatz, so etwa Georges Greiner und Guy Thomas in Buchenwald, Robert Gandar im Außenlager Rottleberode oder Paul-André Lobstein im Außenlager Dora. Der Mediziner Robert Waitz wurde aufgrund seiner fachlichen Expertise nach seiner Ankunft in Buchenwald Anfang 1945 im Hygiene-Institut der Waffen-SS eingesetzt. Schon länger arbeiteten dort die beiden Naturwissenschaftler Hermann Hering und Albert Kirrmann.
Viele Beispiele zeugen zudem von gegenseitiger Hilfe und Solidarität unter den Universitätsangehörigen. Zwischen einigen von ihnen bestanden bereits vor der Verhaftung freundschaftliche Bande, die im Lager Bestand hatten. Trafen Männer etwa mit demselben Transport in Buchenwald ein, versuchten sie, als Gruppe zusammenzubleiben. Elf der 25 Studenten, die im Oktober 1943 in Buchenwald als sogenannte Neuzugänge registriert wurden, erhielten beispielsweise fortlaufende Häftlingsnummern. Diese Form des Gruppenzusammenhaltes konnte den Überlebenswillen stärken. Gleiches gilt für unscheinbar wirkende freundschaftliche Gesten. Laut eigenen Angaben erlebte der Theologe Robert Eppel nach seiner Ankunft in Buchenwald im August 1944 die Solidarität seines schon länger in Buchenwald inhaftierten Kollegen Georges Straka, der mit ihm ein sein Essen teilte.
Lebensrettende Hilfe organisierten einige Kollegen für den Mediziner Marc Klein, der im Februar 1945 mit einem Räumungstransport aus dem KZ Groß-Rosen in Buchenwald eintraf. Sie retteten ihn aus dem Elend des Kleinen Lagers und brachten ihn in der Pathologie, eine relativ geschützten Arbeitskommando unter, wie er später berichtete:
„Eine halbe Stunde später waren die in Buchenwald sehr zahlreich vertretenen Straßburger und Clermonter Kameraden informiert und wussten über meine Anwesenheit im Lager Bescheid, und fast gleichzeitig tauchten sie alle bei mir im Block 58 auf. Es war für mich einer der tröstlichsten und bewegendsten Momente, die ich in den Konzentrationslagern überhaupt erlebt habe. Ich erfuhr von ihnen, man werde das Nötige tun, um mich in einem guten Kommando und nach Möglichkeit sogar in einem Labor unterzubringen.“
Aus: Marc Klein, Block 61, in: Anett Dremel, Michael Löffelsender, Jens-Christian Wagner (Hg.): Témoignages strasbourgeois. Berichte französischer Überlebender der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora, Göttingen 2024, S. 152 f.
Um den Chemiker Robert Weil, der ebenfalls Anfang 1945 mit einem Räumungstransport in das Kleine Lager von Buchenwald verschleppt worden war, kümmerten sich seine Fakultätskollegen Hermann Hering und Albert Kirrmann, die schon länger in Buchenwald waren. Sie versorgten ihn im Rahmen des Möglichen mit Essen und Medikamenten.
Auch die Universitätsverwaltung bemühte sich, ihre inhaftierten Mitglieder zu unterstützen. So sind vor allem für Studenten Geldüberweisungen durch Albert Rabasse, den Sekretär der Universität belegt. Mit dem Geld konnten sich die Männer im Konzentrationslager beispielsweise zusätzliche, wenn auch minderwertige Lebensmittel in der Häftlingskantine kaufen.
Zwar verbesserten sprachliche und fachliche Kenntnisse sowie gruppenspezifische Solidarität die Überlebenschancen. Sie schützten jedoch nicht vollständig vor Gewalt, Hunger oder Krankheit. Jean-Paul Cauchi etwa erschossen SS-Wachen bei der Räumung des Außenlagers Staßfurt. Zudem war Hilfe für alle unter den Bedingungen eines Konzentrationslagers ohnehin nicht möglich. Insgesamt überlebten 19 der 82 in das KZ Buchenwald verschleppten Angehörigen der Université de Strasbourg die Deportation nicht.