Der aus Polen stammende Medizinstudent Zdzisław Maszadro brachte seine Erinnerungen an die Ermordung eines Mithäftlings noch im befreiten Lager Buchenwald zu Papier, bevor er nach Frankreich abreiste. Seine Schilderungen fanden später Eingang in die erste Berichtssammlung über das KZ Buchenwald, den sogenannten Buchenwald-Report. Der Medizinprofessor Robert Waitz, der im April 1945 zu den ersten offiziell nach Frankreich repatriierten Buchenwald-Überlebenden gehörte, berichtete gleich nach seiner Rückkehr Journalisten über seine Erfahrungen in den Konzentrationslagern.
Der Sprachwissenschaftler Georges Strake und der Zahnarzt Paul Buhr berichteten nach ihrer Rückkehr gegenüber französischen Ermittlungsbehörden über die Verbrechen im KZ Buchenwald. Hierbei ging es in erster Linie um die Sammlung von Beweisen und die Identifizierung der Täter:
„Unter den SS-Männern kann ich folgende Namen nennen: Der SS-Lagerkommandant PISTER, dann die zwei (manchmal drei) Lagerführer. Einer von ihnen hieß GUSTL [Anm.: gemeint ist Schutzhaftlagerführer Gust] und war der brutalste SS-Offizier. Er misshandelte und schlug die Häftlinge grundlos, wann immer er ihnen begegnete. Im Winter verlängerte er die Appelle – die stundenlangen Appelle –, damit wir von der Kälte erfasst wurden. […] Ich weise auch auf den Leiter der Politischen Abteilung, SERNO, hin. Er war SS-Unteroffizier und leitete das politische Büro. Er war ein Tyrann, den alle Häftlinge des Kommandos ‚Politische Abteilung‘ fürchteten.“
Aus: Befragung von Georges Straka unter der Leitung von Lieutenant-Colonel Radin, 19. Juni 1945, Archives Nationales, F9 5577. (Übersetzung aus dem Französischen)
Inwieweit die französische Justiz von diesen Aussagen Gebrauch machte bzw. ob die Akten zur Vorbereitung von Gerichtsverfahren genutzt wurden, bedarf weiterer Forschung. Abgesehen davon trat mit Robert Waitz mindestens ein Angehöriger der Université de Strasbourg in den Nachkriegsjahren wiederholt in Strafprozessen gegen NS-Täter als Zeuge auf.
Manche der Professoren blickten zudem mit ihrem spezifisch wissenschaftlichen Blick auf die Zeit im Konzentrationslager zurück. Hierbei ging es weniger darum, persönliche Erlebnisse zu schildern. Vielmehr handelte es um wissenschaftliche Analysen. Die Publikationsforen waren die damals üblichen Kanäle der Wissenschaftskommunikation. Robert Waitz etwa veröffentlichte als Haupt- oder Co-Autor mindestens vier Artikel in medizinischen Fachzeitschriften, in denen er sich mit den physiologischen Wirkungen der Deportation und den Menschenversuchen in Buchenwald auseinandersetzte. Dafür nutzte er Daten, die er im Lager erhoben und nach der Befreiung mit nach Frankreich gebracht hatte. Dies schilderte die Zeitung „Le Franc-Tireur“ am 20. April 1945:
„Sein Stolz? Er zieht schlanke Papiere aus seinem Kaki-Hemd. ,Hier, ich konnte all das überall bewahren: wissenschaftliche, medizinische Beobachtungen über alles, was ich gesehen und durchgemacht habe.ʼ Und man sieht Diagramme, Kurven und Zahlen ...“
Aus: Artikel „Rescapé de Buchenwald : Le professeur Robert Waitz retrouve ses amis de Franc-Tireur“, in der Zeitung „Le Franc-Tireur“, 20. April 1945, Bibliothèque nationale de France. (Übersetzung aus dem Französischen)
Auch die beiden Sprachwissenschaftler Georges Straka und Boris Unbegaun blickten mit dem geschulten Blick ihrer Fachdisziplin auf ihre Erfahrungen in Buchenwald zurück und legten Fachaufsätze zur Sprache in den Konzentrationslagern vor. Vereinzelt waren es auch ehemalige Studierende, die entsprechend veröffentlichten. So legte 1949 der ehemalige Pharmaziestudent Jacques Malgras in der Zeitschrift „Hazweiess“ des Pharmazeuten-Vereins in Elsass-Lothringen seine Analyse über die Verhältnisse im Krankenrevier des Außenlagers in Harzungen vor.
In den 1950er-Jahren ließ die Zahl veröffentlichter Berichte von Universitätsangehörigen über ihre KZ-Haft deutlich nach. Die Gründe dafür waren vielfältig und reichten vom Wunsch, durch Vergessen weiterzuleben, bis zum Gefühl, von der Gesellschaft nicht gehört zu werden. Dies änderte sich erst wieder ab dem Ende der 1970er-Jahre. Während unmittelbar nach dem Krieg vor allem Professoren Zeugnis über das Erlebte abgelegt hatten, war dies nun kaum mehr der Fall. Nicht zuletzt aus Altersgründen waren es jetzt in erster Linie ehemalige Studenten, die in Interviews, Zeitzeugengesprächen und Büchern berichteten. Zu ihnen zählte François Amoudruz, der damals Jüngste aus der Gruppe der Straßburger. Als einer der letzten Überlebenden setzte er sich bis zu seinem Tod im Juli 2020 unermüdlich für die Erinnerung an die Verfolgung der Angehörigen der Université de Strasbourg ein.