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Franz Schuster

Arbeitersohn und Kommunist aus Österreich (3:19 Min.)

Transkription

Sprecher:in Es ist der 7. September 1939. Eine Woche nach dem Überfall der Wehrmacht auf Polen kommt Franz Schuster aus Wien im Konzentrationslager Buchenwald an. Dort registriert man ihn als „politischen Häftling“ und vermerkt zusätzlich das Wort „wehrunwürdig“ auf seiner Häftlingsnummernkarte. Somit gehört Schuster zu mehr als 700 Männern, die die Gestapo bei Kriegsbeginn verhaftet und nach Buchenwald verschleppt. Sie alle stehen seit Monaten auf geheimen Verhaftungslisten mit Personen, welche die Nationalsozialisten im Kriegsfall als „Gefahr für die innere Sicherheit“ erachten.

Franz Schuster stammt aus einer Arbeiterfamilie. Schon während der Ausbildung zum Techniker engagiert er sich politisch in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs. Er findet Arbeit als Stadtbauinspektor im Wiener Elektrizitätswerk und ist dort im Betriebsrat tätig. Als Kommandant des sozialdemokratischen Schutzbundes nimmt er an der bewaffneten Auseinandersetzung zwischen den Sozialdemokraten und der autoritären Regierung im Februar 1934 teil. Als die Kämpfe enden, wird Schuster aus „politischen Gründen“ aus seiner Anstellung entlassen. Daraufhin engagiert er sich in der Gruppe „Rote Front“, ist Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Österreichs und Leiter der „Roten Hilfe“. Ende des Jahres 1934 wird er von der Polizei verhaftet und in das „Anhaltelager Wöllersdorf“ gebracht. In diesem Straflager inhaftiert die österreichische Regierung politische Gegner. Zu ihnen zählen vor allem Sozialdemokraten und Kommunisten, aber auch Nationalsozialisten. Franz Schuster wird dort, mit einigen Unterbrechungen, vier Jahre lang festgehalten. Das Lager wird infolge des so genannten „Anschlusses“ Österreichs an das „Deutsche Reich“ durch die Nazis zunächst geschlossen, die meisten der Inhaftierten werden entlassen. Franz Schuster darf sogar wieder im Wiener Elektrizitätswerk arbeiten.

Da auch im „angeschlossenen“ Österreich die Wehrpflicht für Männer zwischen 18 und 45 Jahren gilt, wird Franz Schuster für den Militärdienst gemustert. Wegen seiner mehrjährigen Haft in Wöllersdorf gilt er als politisch vorbestraft und ist damit, genau wie zu Zuchthaus-Strafen verurteilte Kriminelle, entsprechend des Wehrgesetzes „von der Erfüllung der Wehrpflicht“ ausgeschlossen. In den Augen der Nationalsozialisten gilt er als „wehrunwürdig“ und erhält einen Wehrausschließungsschein.

Zwei Monate vor Beginn des Zweiten Weltkrieges ordnet das Reichskriminalpolizeiamt die Erfassung aller „wehrunwürdigen“ Personen an und verfügt, dass diese „im Falle einer Mobilmachung“, also bei Kriegsausbruch, in „Vorbeugehaft“ zu nehmen sind. Aufgrund dieses Erlasses wird Franz Schuster von der Gestapo Wien am 1. September 1939 verhaftet und eine Woche später ins KZ Buchenwald eingewiesen.

In Buchenwald findet er schnell Kontakt zu anderen kommunistischen Häftlingen; Schuster vertritt bald die österreichischen Häftlinge im Internationalen Lagerkomitee. Nach vier Jahren Haft in Buchenwald, im September 1943, stirbt Franz Schuster unter nicht geklärten Umständen im Häftlingskrankenbau des Lagers.


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