Öffnungszeiten Praktische Infos Was ist Wo? Apps Öffentliche Rundgänge Weitere Sprachangebote Barrieren vor Ort FAQ

Frank Pickersgill

„Nach Kanada zurückzukehren wäre nur ein allerletzter Ausweg.“ (4:44 Min.)

Transkription

Sprecher:in 1934 kommt der junge Kanadier erstmals nach Europa. Von Deutschland ist er begeistert; einer Freundin in Winnipeg schreibt er:

Pickersgill „Deutschland ist fabelhaft. […] Die Menschen scheinen alle für die Zukunft sehr hoffnungsvoll und die meisten mit dem Regime hoch zufrieden zu sein. Ich denke wirklich, dass es eine gute Sache ist, obwohl ich vermute, dass so etwas zu sagen, ein wenig ketzerisch ist.“

Sprecher:in Frank Pickersgill stammt buchstäblich mitten aus Kanada. Er wächst auf einer Farm auf. In Winnipeg und Toronto studiert er Sprachen, auch Deutsch und vor allem Französisch. Er gilt als überaus intelligent, unternehmungslustig, aber auch etwas ziellos.

1938 geht er erneut nach Europa, um ein Jahr in Paris zu verbringen und herauszufinden, was er mit seinem Leben anfangen soll. Unter dem Eindruck der politischen Entwicklung lässt er das Studium sausen und versucht als Journalist über die Runden zu kommen. Anders als noch vier Jahre zuvor verliebt er sich in Frankreich:

Pickersgill „Ich bin den Franzosen und dem Land vollkommen verfallen und ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, um hier zu bleiben, mindestens so lang ich kann.“

Sprecher:in Deutschland besucht er zwar, ist nun aber abgestoßen vom „Dritten Reich“. Im Sommer 1939 reist Pickersgill nach Polen; als die Wehrmacht einmarschiert, entkommt er dem Krieg nur knapp. Er bleibt in Frankreich, selbst als die Deutschen den Norden des Landes besetzen:

Pickersgill „Wenn ich doch in den Krieg gerate, wäre ich lieber bei den Franzosen als bei sonst jemandem […]. Nach Kanada zurückzukehren wäre nur ein allerletzter Ausweg.“

Sprecher:in Im August 1940 wird er als feindlicher Ausländer verhaftet. 18 Monate verbringt er in Gefängnissen und Internierungslagern, bevor die Flucht ins unbesetzte Südfrankreich gelingt. Seine Familie versucht, ihn zur Rückkehr nach Kanada zu bewegen, doch die Haft hat Spuren hinterlassen:

Pickersgill „Ich habe ein paar Dinge gesehen und getan, die meine Einstellung ziemlich radikal verändert haben. Nachdem ich gesehen habe, wie ein französischer Soldat in Quimper von deutschen Polizisten zu Tode geknüppelt wurde, nachdem ich in einer Kiesgrube bei Montreuil Bellay fast verhungert wäre und mir eine Blutvergiftung geholt habe, als ich gezwungen wurde, Stacheldrahtverhaue ohne Handschuhe zu errichten, und nachdem ich mich durch ein Gitterfenster aus St. Denis herausgesägt und vier Monate damit zugebracht habe, in Lyon illegale Propaganda für die Amerikaner zu machen und von einem Tag auf den nächsten nicht ganz sicher war, wann ich möglicherweise … verhaftet werden würde – nun, ich fürchte, es würde mir ziemlich schwer fallen, für die Dauer des Krieges als Bürohengst in Ottawa herumzusitzen, und zu versuchen, mir selbst einzureden, es sei ‚nützliche Arbeit‘.“

Sprecher:in Eine solche Arbeit findet Pickersgill in London, wohin er Ende 1942 gelangt: der militärische Geheimdienst sucht erfahrene Leute für das Special Operations Executive, kurz: SOE. Zu den Aufgaben dieser Spionage-Einheit gehört es, Widerstandsnetzwerke im besetzten Frankreich aufzubauen, Mitglieder der Résistance zu rekrutieren und die deutschen Besatzer zu bekämpfen. Begeistert absolviert Pickersgill die Agentenausbildung, lernt Fallschirmspringen, Personen zu beschatten, Lokomotivefahren oder lautlos zu töten.

Pickersgill „Ich hätte nicht zurück nach Kanada gehen können […] ich fürchte, ich fühle mich viel zu kampflustig, um 4.000 Meilen entfernt von den Nazis glücklich zu sein.“

Sprecher:in Mitte Juni 1943 ist es soweit: Frank Pickersgill springt mit dem Fallschirm hinter den feindlichen Linien ab. Südwestlich von Paris soll er helfen, ein Widerstandsnetzwerk auszubauen, um den deutschen Nachschub zu sabotieren. Doch die Deutschen sind gerade dabei, das geheime Netzwerk aufzurollen: hunderte von Festnahmen, ein schwerer Schlag für das SOE und die Résistance.

Bald fällt auch Pickersgill bei einer Straßenkontrolle dem deutschen Sicherheitsdienst in die Hände: Er wird im berüchtigten Gefängnis von Fresnes bei Paris inhaftiert und gefoltert. Kurz vor der Befreiung von Paris wird Pickersgill zusammen mit drei Dutzend anderen SOE-Agenten nach Buchenwald gebracht. Wie fast alle seiner Kollegen ermordet die SS auch den Kanadier im Keller des Krematoriums.


var _paq = window._paq = window._paq || []; /* tracker methods like "setCustomDimension" should be called before "trackPageView" */ _paq.push(['trackPageView']); _paq.push(['enableLinkTracking']); (function() { var u="https://matomo.buchenwald.de/"; _paq.push(['setTrackerUrl', u+'matomo.php']); _paq.push(['setSiteId', '1']); var d=document, g=d.createElement('script'), s=d.getElementsByTagName('script')[0]; g.async=true; g.src=u+'matomo.js'; s.parentNode.insertBefore(g,s); })();