Im Sommer 1943 organisierten deutsche Kommunisten in Buchenwald erstmals eine heimliche Beratung mit gleichgesinnten Häftlingen aus anderen Ländern. Hieraus entstand das Internationale Lagerkomitee – eine kommunistische Untergrundorganisation, die es in vergleichbarer Form in keinem anderen Konzentrationslager gab.
Um ein befürchtetes Massaker der SS kurz vor der Befreiung des Lagers abzuwehren, baute die Geheimorganisation militärische Gruppen auf. Ihnen gehörten Häftlinge aus elf verschiedenen Ländern an.
Der Italiener Renato Bertolini, seit Januar 1944 im KZ Buchenwald inhaftiert, war einer von ihnen. Er schrieb später:
„Im Februar 1944, einen Monat nach der Ankunft unserer Gruppe, die aus Kommunisten und zum großen Teil aus ehemaligen Spanienkämpfern zusammengesetzt war, wurden wir von den deutschen führenden Persönlichkeiten zu einer Sitzung eingeladen, auf welcher sie uns von dem Bestehen einer geheimen Militärorganisation im Lager Mitteilung machten und uns zur Mitarbeit aufforderten, was sofort zugesagt wurde. […] Die geheime Militärorganisation des Lagers hatte zwei Pläne vorbereitet, die bis ins Einzelne ausgearbeitet waren, so dass jeder Gruppe präzise Aufgaben zugeteilt waren […].“[1]
Am 11. April 1945 mobilisierte das Internationale Lagerkomitee die Widerstandsgruppen. Die über Jahre im Verborgenen beschafften Waffen wurden verteilt. Nachdem die Panzer der dritten U.S. Army die SS-Truppen in die Flucht geschlagen hatten, übernahmen die militärischen Gruppen des Lagerwiderstandes die Kontrolle über das Lager und setzten Dutzende SS-Männer fest.
Die Waschräume im Kleinen Lager waren einer der geheimen Treffpunkte der militärischen Geheimorganisation. Hier schmiedeten deutsche kommunistische Häftlinge die Pläne für die Übernahme des Lagers. Seit den 1950er-Jahren erinnert an dieser Stelle deshalb ein Gedenkstein an die sogenannte IMO – die Internationale Militärorganisation im KZ Buchenwald.
[1] Erinnerungsbericht Renato Bertolinis, um 1950 (Archiv der Gedenkstätte Buchenwald)