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Logo der Ausstellung

Gestaltung: Peter Wentzler, Hinz & Kunst, Braunschweig

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"Ich"

Selbstporträt von Franz Ehrlich (1934)

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"Ohne Titel"

Eines der Blätter aus der Haft, zwischen 1934 und 1937 im Gefängnis in Zwickau oder Waldheim entstanden. Stiftung Bauhaus Dessau

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Foto: Peter Hansen

"Jedem das Seine"

Von Franz Ehrlich entworfene Buchstabengestaltung für die Inschrift im Lagertor des KZ Buchenwald (1938).

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Foto: Peter Hansen

Eröffnung

Besucher in der Ausstellung während der Eröffnungsveranstaltung am 2. August 2009 im Neuen Museum in Weimar.

Franz Ehrlich. Ein Bauhäusler in Widerstand und Konzentrationslager

Eine Sonderausstellung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora in Zusammenarbeit mit der Klassik Stiftung Weimar und der Stiftung Bauhaus Dessau im Rahmen des Bauhausjahres 2009 von 2. August bis 11. Oktober 2009 im Neuen Museum in Weimar.

Franz Ehrlich (1907-1984), Meisterschüler am Bauhaus Dessau, Designer und Architekt, gehört zu den Bauhäuslern, deren Werk gerade in jüngster Zeit neu entdeckt wird. Die Ausstellung öffnet einen schmalen, aber wichtigen Ausschnitt daraus. Sie thematisiert Ehrlichs Zeit im antifaschistischen Widerstand, im Zuchthaus und im Konzentrationslager Buchenwald, wo er bis 1939 gefangen gehalten wird. Die Ausstellung gliedert sich wie folgt:

„Blätter aus der Haft“

Zum Zeitpunkt des nationalsozialistischen Machtantritts 1933 arbeitet Franz Ehrlich in Leipzig für den Otto Beyer Verlag und die Zeitschrift „die neue linie“. Trotz der Gefahr, wie Tausende Mitglieder seiner Partei verhaftet zu werden, schließt er sich einer kommunistischen Widerstandsgruppe an. Mit der Verhaftung durch die Gestapo 1934 endet seine kurze berufliche Karriere. Die Freundin kann ihm Malutensilien in die Untersuchungshaft bringen und als Mittel der Selbstbehauptung entstehen zahlreiche Blätter, von denen mehr als fünfzig über die Jahre der Haft gerettet werden können. 

„Jedem das Seine“ 1938

Franz Ehrlich zeigt auch im Konzentrationslager Haltung. 1938 befiehlt ihm der SS-Bauleiter, einen typografischen Entwurf für den Spruch "Jedem das Seine" anzufertigen. Im Lagertor nach innen lesbar angebracht, soll er das Recht der SS auf brutale Aussonderung und Ermordung der Anderen demonstrieren. Ehrlich entwirft die Buchstaben in Anlehnung an Meister des Bauhauses und an seinen Lehrer Joost Schmidt. Die Typografie wird so zur subtilen Intervention gegen den Geist der Inschrift. 

Hommage an einen Unzeitgemäßen

-273,15 °C = 0 Kelvin ist eine Medieninstallation von Nina Fischer und Maroan el Sani über das Rundfunkhaus Berlin, Nalepastraße, Franz Ehrlichs Meisterwerk. In der Ausstellung wirkt die Medieninstallation wie eine Hommage an den Künstler.

Biografie

1907–1926

Franz Joseph Ehrlich wird am 28. Dezember 1907 in Leipzig-Reudnitz als zweites Kind eines Mechanikers und einer Hausfrau geboren. Er hat sechs Geschwister und besucht die Volksschule. Lehre als Maschinenbauschlosser, Sonntags- und Abendgewerbeschule der Polytechnischen Gesellschaft in Leipzig.

1927–1930

Student und Mitarbeiter am Bauhaus Dessau. Vorkurs bei Josef Albers und László Moholy-Nagy. Unterricht bei Paul Klee, Wassily Kandinsky, Joost Schmidt, Oskar Schlemmer, Wilhelm Ostwald und Fritz Köhn. Studentischer Vertreter im Meisterrat. 1930 Bauhaus-Diplom der Plastischen Werkstatt. 1930 Mitglied der KPD.

1931/32

Mitarbeit in den Ateliers von Walter Gropius, Mies van der Rohe und Hans Pölzig. 1932 mit Heinz Loew und Fritz Winter im Gestalteratelier „Studio Z“, Berlin.

1933

Werbegrafiker im Verlag Otto Beyer Leipzig. Im Widerstand Mitherausgeber der illegalen Zeitschrift „Junge Garde“.

1934–1937

Verhaftung. 1935 Verurteilung zu drei Jahren Zuchthaus wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“. Haft in den Zuchthäusern Waldheim und Zwickau.

1937–1939

Im Konzentrationslager Buchenwald. Häftlingskommando Baubüro. Entwurfsarbeiten und Bauzeichnungen für die SS. Aktiv im Lagerwiderstand.

1939–1943

Entlassung aus Buchenwald 1939. Als „wehrunwürdig“ Ausschluss vom Wehrdienst. Arbeitsverpflichtung im SS-Baubüro Buchenwald und im SS-Hauptamt Haushalt und Bauten, Berlin.

1943–1945

Wehrmacht-Strafbataillon IV/999 ab April 1943 in Griechenland und auf dem Balkan. Jugoslawische Kriegsgefangenschaft.

1946–1948

Referent für Wiederaufbau beim Rat der Stadt Dresden. Entwurf des ersten Aufbauplans. Bebauungsplan für den Stadtteil Heller. Wiederaufbau des Schauspielhauses. Mitglied der SED.

1948–1952

Freischaffender Architekt mit einer Gestaltergruppe in Dresden. Ab 1950 Technischer Direktor VVB Industrie-Entwurf Berlin (Projektierung und Bauleitung von Industriebauten des ersten Fünfjahrplanes der DDR). Kündigt im Zuge der „Formalismusdebatte“.

1953–1961

Bauleitung und Entwurfstätigkeiten für Schul- und Universitätsbauten, Rundfunk- und Fernsehstudios, Krankenhäuser, Konzert- und Museumsbauten. Ab 1957 Möbeldesign für die VEB Deutsche Werkstätten Hellerau (Anbaumöbelserie 602).

1962–1974

Ausstellungsdesign für internationale Messen in Jugoslawien, Ceylon, Indonesien und Finnland. Auftragsarchitekt des Ministeriums für Außenwirtschaft der DDR (Entwurf und Bau von Handelsvertretungen u.a. in Moskau, Prag, Budapest, Brüssel, Paris und Neu Delhi.)

1975–1984

Ab 1979 krankheitsbedingt eingeschränkte Tätigkeit in Berlin. Ende 1980 erste Ausstellung: „Franz Ehrlich – die frühen Jahre“ in der Galerie am Sachsenplatz Leipzig.
Franz Ehrlich stirbt am 28. November 1984 in Bernburg/Saale.