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Robert Danneberg

Einer der Väter des Roten Wien (4:12 Min.)

Transkription

Sprecher:in Wien, im März 1938. Der Abendzug nach Brünn steht am Wiener Nordbahnhof. Robert Danneberg steigt mit seinen beiden Kindern und zwei Handkoffern in den überfüllten Zug. Er muss Wien verlassen und wagt die Flucht über die Tschechoslowakei. Viele Andere konnten sich kurz zuvor auf diese Weise retten. In dieser Nacht aber schicken die tschechischen Grenzsoldaten den Zug zurück. Wieder in Wien, wird Danneberg als einer der führenden Sozialdemokraten Österreichs sofort verhaftet. Die Kinder dürfen nach Hause. Danach folgen noch drei Fahrten in Dannebergs Leben, in drei Konzentrationslager, im letzten stirbt er 1942.

Die Ereignisse in Wien in diesen Frühlingstagen 1938 sind so ungewöhnlich wie das Wetter. Sommerlich brennt die Sonne, seit Wochen hat es kaum geregnet. Österreich hat seine Unabhängigkeit verloren und vollzieht den so genannten „Anschluss“ an das Deutsche Reich. Danneberg gehört zu denen, die sich verzweifelt um die Unabhängigkeit Österreichs bemühen. Erst als dies scheitert, wagt er die missglückende Flucht.

Schon früh zeigt sich sein politisches Interesse. Mit 18 Jahren beginnt er einen Briefwechsel mit dem mehr als 30 Jahre älteren Philosophen und Politiker Karl Kautsky. Sie diskutieren über Fragen der Sozialphilosophie und politischen Systeme. Prägend wird Danneberg für das sozialdemokratisch geführte „Rote Wien“. Fast alle grundlegenden Dokumente und Errungenschaften dieser Zeit tragen seine Handschrift: So wird Wien eigenständiges Bundesland und erhält 1920 eine demokratische Stadtverfassung. Alles hat  noch heute Bestand. Auch soziale Wohnbauprogramme werden in Wien realisiert, sowie Fortbildungsprogramme für Arbeiter. Der Mithäftling Ernst Federn erinnert sich an Gespräche mit Danneberg in Buchenwald:

Ernst Federn „Ich kann nicht umhin, einen Satz von ihm zu zitieren, der mir in diesen 30 Jahren [nach meiner Befreiung] unauslöschlich im Gedächtnis geblieben ist. Es steht jedem frei, dieses anzuzweifeln. Danneberg sagte: `Weißt du, Ernstl, es war halt so, dass Otto Bauer [der ebenfalls Sozialdemokrat war] die revolutionären Reden gehalten hat, und ich habe verhandeln müssen“.

Sprecher:in Danneberg wird am 1. April 1938 im sogenannten „Prominententransport“ nach Dachau verschleppt, sechs Monate später nach Buchenwald. Zuerst muss er im Latrinenkommando arbeiten. Mit bloßen Händen und Marmeladengläsern füllt er Fäkalien einer Latrine in Kanäle um. Ein halbes Jahr später gelingt es Mithäftlingen, ihm leichtere Arbeit zu verschaffen: Drei Jahre wird er Strumpfstopfer.

Während seiner Haft in Buchenwald kämpft seine Ehefrau Gertrud mit Unterstützung einiger Parteifreunde unermüdlich für seine Freilassung. Was anderen Angehörigen gelingt, verhindert bei Danneberg SS Reichsführer Himmler. Danneberg verlässt zwar Buchenwald,  kommt aber nicht frei. Im New Yorker Journal der österreichischen Sozialdemokraten wird später über Danneberg zu lesen sein:

Austrian Labor Information „Und der Moment, auf den wir gehofft hatten, der Moment, in dem [er] das Lager [Buchenwald] verlassen [wird], war in Wirklichkeit ein schrecklicher Moment, weil [ihm] noch Furchtbareres bevorstand.“

Sprecher:in Robert Danneberg wird in Buchenwald als Jude geführt. Als am 17. Oktober 1942 ein so genannter „Transport“ Menschen aus Buchenwald in Richtung Auschwitz weg führt, ist er dabei. Buchenwald soll „judenfrei“ gemacht werden. Es ist finstere Nacht als der Zug in Auschwitz ankommt. Eine unheimliche Ruhe umschließt die Gefangenen als sie aussteigen. Die anschließende Selektion in Auschwitz überlebt er noch, er wird als arbeitsfähig eingestuft. Doch etwa acht Wochen später, Mitte Dezember 1942, stirbt Robert Danneberg.


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