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Karl Plättner

Revolutionär und Räuberhauptmann (4:19 Min.)

©Bundesarchiv Berlin

Transkription

Sprecher:in 1 Räuberhauptmann, Terrorist oder revolutionärer Kämpfer? Karl Plättner war wohl von allem etwas. Nachdem 1921 der sogenannte „mitteldeutsche Aufstand“ scheitert, rauben Plättner und seine Männer Bankfilialen und Werkskassen aus. Ihr Motto: Die „Expropriation der Expropriateure“, die Enteignung der Enteigner. Wie Robin Hood wollen sie den Reichen nehmen und den Armen geben.

Sprecher:in 2 Karl Plättner wird 1893 als Arbeiterkind in Opperode im Mansfelder Land geboren. Im Eisenhüttenwerk Thale erlernt er den Beruf des Formers. 1908 hat er das erste Mal mit der Justiz zu tun: Plättner wird wegen öffentlicher Beleidigung verurteilt. Nach der Lehre geht er auf Wanderschaft und lässt sich anschließend in Hamburg nieder. 1914 muss er in den Krieg. Plättner kehrt als Invalide heim, seinen Beruf kann er nicht mehr ausüben.

Sprecher:in 1 Schon früh engagiert sich Karl Plättner politisch. Zunächst im Jugendverband der SPD, später in einer parteiunabhängigen Jugendorganisation. Als die verboten wird, geht er in die Illegalität. Plättner zieht durch Deutschland, versucht ein antimilitaristisches Bündnis der Jugend zu schließen. Er arbeitet „Leitsätze“ aus, propagiert den Massenstreik als Kampfmittel. Später schließt er sich der KAPD an, der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands.

Sprecher:in 2 Im Frühjahr 1921 lässt die Regierung revolutionäre Unruhen im Raum Halle-Merseburg brutal niederschlagen. Am Ende dieses „mitteldeutschen Aufstandes“ überfallen Karl Plättner und seine Mitstreiter eine Fabrik. Sie erbeuten Bargeld und Platin. Doch die Beute wird nicht an die Armen verteilt, die Bande versorgt die eigenen Familien. Rasch folgen weitere Raubzüge. Obwohl sie Gewalt nur androhen, ist ihre Beute beträchtlich. Doch nach und nach geht die Bande der Polizei ins Netz. Im Februar 1922 wird Plättner verhaftet.

Sprecher:in 1 Plättner sieht sich als revolutionären Kämpfer, nicht als Räuberhauptmann. Der Hochverrats-Prozess vor dem Reichsgericht in Leipzig erfüllt ihn mit Stolz. Am 30. November 1923 werden die Urteile verkündet. Karl Plättner wird zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, seine Genossen müssen ebenfalls hinter Gitter. Plättner kommt in die Strafanstalt Brandenburg, strenge Einzelhaft. Die Haft zermürbt ihn. Gnade kennt die Justiz für linke politische Gefangene nicht. Immerhin: Plättner schwört dem Konzept des organisierten Bandenkampfes ab. Am 17. Juli 1928 kommt er endlich frei. Im Jahr darauf gibt er ein Buch heraus: „Eros im Zuchthaus“, eine Studie über die Sexualnot im Gefängnis. Ende 1930 folgt „Der mitteldeutsche Bandenführer“, Erinnerungen an die Haftzeit.

Sprecher:in 2 Als Autor kann Plättner nicht existieren. Im Frühjahr 1935 lässt er sich in Leipzig als Brennholzhändler nieder. Die neuen braunen Machthaber beäugen ihn misstrauisch. Bereits im Juli 1933 kommt er für fünf Tage in „Verwahrungshaft“. 1937 folgen Monate im Schutzhaftlager Sachsenburg und in Buchenwald, im November wird er freigelassen. Doch Plättner bleibt unter ständiger Beobachtung durch die Gestapo, die ihn des illegalen Widerstands verdächtigt.

Sprecher:in 1 Im Herbst 1939 wird er erneut verhaftet und nach Buchenwald gebracht. Im Januar 1944 kommt er ins Lager Lublin/Majdanek. Weitere Stationen sind Auschwitz, das Nebenlager Melk des KZ Mauthausen und schließlich im April ein Todesmarsch mit dem Ziel Ebensee. Am 6. Mai 1945 ist Karl Plättner endlich frei. Sofort macht er sich auf den Weg nach Leipzig. Dort kommt er nie an: Am 4. Juni 1945 stirbt Karl Plättner in Freising an den Folgen der Lagerhaft.


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