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Johannes Steyer

Ein Bibelforscher verweigert den Wehrpass (4:00 Min.)

Steyer Aquarell: Johannes Steyer verweigert die Annahme des Wehrpasses
1939 im KZ Buchenwald: Johannes Steyer verweigert die Annahme des Wehrpasses, um 1970. © Jehovas Zeugen, Archiv Zentraleuropa

Transkription

Sprecher:in Ein Lichtblick, ein Sonnenstrahl, ein Mondschein: auf den Bildern von Johannes Steyer ist stets ein leuchtendes Symbol der Hoffnung zu finden – egal wie ausweglos die Situation erscheint. 10 Jahre lang wird Steyer als so genannter „Bibelforscher“ in Konzentrationslagern festgehalten. In den 1970er Jahren malt Steyer 27 Aquarelle, in denen er seine Erinnerungen an diese Haftzeit festhält.

Johannes Steyer wird 1908 geboren. Er stammt aus ärmlichen Verhältnissen und arbeitet als Nadelrichter für Strickmaschinen. 1931 kommt er mit den Zeugen Jehovas in Kontakt und tritt ihnen bei. Schon kurz nach der „Machtübernahme“ verbieten die Nationalsozialisten diese Gemeinschaft. Dennoch versucht Steyer weiterhin, Menschen für die Zeugen Jehovas zu missionieren.

Seine Aquarelle erzählen von der Zeit ab 1935: wegen seiner Missionstätigkeit wird Steyer angezeigt, verhaftet und verhört. Zunächst muss er in das KZ Sachsenburg. Von dort wird er im Sommer 1937 nach Buchenwald gebracht, das sich gerade im Aufbau befindet. Auf seinen Bildern stellt er die anstrengende Arbeit dar:

Johannes Steyer „Das Bild zeigt den Aufbau des KZ Buchenwald. Wir mussten alle dazugehörigen Arbeiten leisten: vom Waldroden über Fundamentesetzen bis hin zum Aufbau der Baracken. Alles musste in mühseliger Handarbeit getan werden. “

Sprecher:in Die SS vermag es meistens nicht, den Glauben der Zeugen Jehovas zu brechen. Deshalb müssen sie in schweren Arbeitskommandos arbeiten und werden besonders oft bestraft und isoliert:

Johannes Steyer „Selbst sonntags mussten die Zeugen Jehovas geschlossen bis mittags arbeiten – ohne Mittagessen. Die Portionen wurden unter den (anderen) Häftlingen verteilt.“

Sprecher:in Auf mehreren Aquarellen hält Johannes Steyer den brutalen Lageralltag fest: Misshandlungen durch SS-Männer und Kapos, leidvolle Arbeit im Steinbruch, stundenlange Appelle. Ein Bild zeigt die Bestrafung eines Häftlings mit 25 Stockhieben – doch auch hier leuchtet die Sonne: die Hoffnung scheint allerdings noch weit entfernt hinter dem Lagertor.

Johannes Steyer hat ein klares Feindbild: Hitler, den er auf zwei Bildern malt. Steyer ist der Überzeugung, die katholische Kirche stecke hinter der Verfolgungspolitik der Nationalsozialisten. So wie viele Zeugen Jehovas verweigert er den „Hitlergruß“ und den Wehrdienst. Durch eine Verpflichtung zum Militär hätte er seine KZ-Haft beenden können. Da Johannes Steyer sich auch nach Kriegsbeginn verweigert, wird er zum Tode verurteilt. Er entkommt jedoch der Vollstreckung, weil man ihn, wohl versehentlich, zu einem Arbeitseinsatz schickt.

1940 wird Johannes Steyer in das KZ Sachsenhausen gebracht, später muss er als Mitglied einer „SS-Baubrigade“ Aufräumarbeiten nach Bombenangriffen leisten. Mehrfach wird er in andere Lager verschleppt. Seine letzten Bilder zeigen Szenen aus der Zeit nach der Befreiung: Steyer dankt Gott und fühlt sich erlöst; die befreiten Häftlinge laufen dem strahlenden Licht entgegen.

Johannes Steyer „Es schien so, als ob die jetzt erwachende Natur unsere Freude teilen würde. Blumen blühten, alles erwachte zu neuem Leben.“

Sprecher:in 60 Jahre nach Beginn seiner Haft im Lager Buchenwald werden seine Aquarelle in der Gedenkstätte Buchenwald zum ersten Mal ausgestellt. Bei der Ausstellungseröffnung präsentiert er seine Bilder der Öffentlichkeit.  Ein Jahr später, am 1. März 1998, stirbt Johannes Steyer.


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