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Alois Kasperkowitz

„Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen.“ (3:27 Min.)

Zeugen Jehovas nach der Befreiung. Alois Kasperkowitz (1. Reihe Mitte), 25.04.1945 ©Gedenkstätte Buchenwald

Transkription

Sprecher:in 1 „Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen“. Wo immer Alois Kasperkowitz mit Menschen zusammenkommt, zitiert er die Bibel. Denn er ist Zeuge Jehovas und lebt dafür, deren Lehren zu verbreiten. In enger Bindung an ihre Gemeinschaft verweigern sie sich Krieg und Wehrdienst. Damit werden sie zu Verfolgten.

Alois Kasperkowitz arbeitet als Zeitungsausträger und Gelegenheitsarbeiter. Er kennt die Briefkästen im XII. Wiener Bezirk wo er mit seiner Lebensgefährtin und seiner fünfjährigen Tochter lebt. Ständig ist er für die Zeugen Jehovas unterwegs, verteilt ihre Schriften und druckt selbst Flugzettel. Mitte Juli 1941 steckt er sogar eine Broschüre in den privaten Briefkasten des Leiters der Wiener Gestapo. Damit gerät er in die Mühlen der Verfolgung. Im Herbst 1941 wird er verhaftet.

Vor Gericht wirft man ihm vor, Antikriegspropaganda zu machen. Im dritten Kriegsjahr ist das ein besonders schwerer Vorwurf, der von den Nationalsozialisten in der Regel mit dem Tode bestraft wird. Jeder weiß das. Es hat ähnliche Fälle gegeben. Und trotzdem verkündet Alois Kasperkowitz mit Inbrunst auch im Gerichtssaal seine Lehren. Das überrascht selbst die Richter des Sondergerichts: Sein Eifer sei so überschwänglich, dass wohl kaum einer seinen Worten geglaubt hätte. Das rettet ihn vor dem Henker. Im Frühjahr 1942 verurteilt ihn das Sondergericht in Wien zu 10 Jahren Zuchthaus. In der Urteilsbegründung heißt es:

Sprecher:in 2 „Der Angeklagte hält auch unbedingt an seinen Auffassungen fest und erklärt, es sei ihm nicht erlaubt, […] Wehrdienst zu leisten; denn er habe einen Bund mit Gott geschlossen. […] Er hätte am liebsten in jedes Haus eine Schrift gelegt, wenn dies möglich gewesen wäre. […] Weiterhin erklärte der Angeklagte auch ausdrücklich, daß er [sich] weiter für die Wahrheit betätigen müsse, wenn er wieder in Freiheit gesetzt würde.“

Sprecher:in 1 Kasperkowitz wird in Haftanstalten eingewiesen die durch besondere Härte berüchtigt sind. Zuletzt in das sächsische Zuchthaus Waldheim. Ende 1942 beginnt die Justiz damit, Häftlinge mit langjährigen Zuchthausstrafen in Konzentrationslager abzuschieben. Ihre Ermordung ist erklärtes Ziel. Im Herbst 1943 holt die Kriminalpolizei Leipzig Alois Kasperkowitz im Zuchthaus Waldheim ab und bringt ihn ins KZ Buchenwald. Sie will sichergehen, dass er dort stirbt. Deshalb kommt er in die Häftlingskategorie „Sicherungsverwahrter/ Berufsverbrecher“ und nicht in die Baracke der Zeugen Jehovas.

Alois Kasperkowitz ist zu diesem Zeitpunkt schwer krank. Er ist auf beiden Ohren fast taub, sieht extrem schlecht und ist körperlich geschwächt. Im Konzentrationslager bedeutete das meist ein schnelles Ende. Doch vieles deutet darauf hin, dass seine schon lange Jahre inhaftierten Glaubensbrüder ihm helfen zu überleben. Er erhält eine Behindertenbinde und kommt in das Lagerkommando, das Straßen und Wege reinigt. Dort bleibt er bis zu Befreiung des Lagers. Das Ende April 1945 aufgenommene Foto zeigt ihn im Kreis anderer Zeugen Jehovas. Mit ihnen kehrt er im Sommer 1945 nach Österreich zurück. Er wird 79 Jahre alt.


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