Dritte Tagung der Historiker-Kommission zur Neukonzeption der Gedenkstätten mit Vertretern von Opferverbänden und gesellschaftlichen Organisationen. Der Vorsitzende, Prof. Dr. Eberhard Jäckel (Dritter von links), eröffnet die Sitzung, Februar 1992. Foto: SGBuMD.

Die Neukonzeption der Gedenkstätte seit 1990

Die 1958 eingeweihte Nationale Mahn- und Gedenkstätte (NMG) Buchenwald war als Nationaldenkmal der DDR geplant worden, der Widerstandskampf der kommunistischen Häftlinge wurde überbetont. Dabei wurde weitgehend ausgeblendet, dass die SS im KZ Buchenwald noch zahlreiche andere Häftlingsgruppen festgehalten hatte: rassistisch Verfolgte (Juden sowie Sinti und Roma), "Gemeinschaftsfremde" (sogenannte Arbeitsscheue, Asoziale, Gewohnheitsverbrecher und Homosexuelle), Zeugen Jehovas sowie Frauen, die in Außenlagern des KZ Buchenwald Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie leisten mussten. Hinzu kam die weitgehende Tabuisierung der Existenz und Geschichte des sowjetischen Speziallagers Buchenwald.

Vor diesem Hintergrund war es nach dem Untergang der DDR erforderlich, die Gedenkstätte Buchenwald umfassend neu zu konzipieren. Bereits im November 1989 entwickelten Mitarbeiter der NMG Buchenwald ein neues Arbeitskonzept. Im September 1991 wurden dann die Leitlinien der Neukonzeption von einer vom thüringischen Wissenschaftsminister berufenen Historiker-Kommission formuliert:

"Es soll sowohl an das NS-Konzentrationslager als auch an das sowjetische Speziallager Nr. 2 erinnert werden.
Der Schwerpunkt soll auf dem Konzentrationslager liegen.
Die Erinnerung an das Speziallager Nr. 2 soll nachgeordnet werden.
Die Erinnerungsstätten sollen räumlich deutlich voneinander getrennt sein.[...]
Die von der Parteilichkeit der DDR-Geschichtsschreibung geprägte Dauerausstellung muss auf der Grundlage des Forschungsstandes neu konzipiert und neu gestaltet werden. [...]
Für die weitere Gestaltung einer Gedenkstätte zum Speziallager Nr. 2, für eine Ausstellung bzw. Dokumentation sind weitere Aufklärungen und langfristige Forschungsarbeit nötig.[...]
Die Kommission empfiehlt, die politische Vorgeschichte und Geschichte der NMG Buchenwald 1950–1990, ihre Gestaltung durch die DDR, ihre Verwendung zum Zweck der Staatspropaganda und ihre politische Instrumentalisierung in einem weiteren Kontext durch eine Dokumentation sichtbar zu machen."


In einer späteren Sitzung empfahl die Kommission, dass für "die Ausstellung, die an das Speziallager erinnert, ein neues Gebäude errichtet werden soll. Der Bau soll flach gehalten werden. Er soll in dem Areal unterhalb des Gebäudes der Effektenkammer und der Desinfektion seinen Platz finden, wo das Lager an das Gräberfeld grenzt." Empfohlen wurde die Änderung des Namens Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald in Gedenkstätte Buchenwald.

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