Gruppenfoto befreiter niederländischer Häftlinge vor einer Holzbaracke kurz vor ihrer Abreise in die Heimat. Foto: Willem Hoogwerf, nach dem 11. April 1945

Niederländer im Konzentrationslager Buchenwald

Insgesamt waren über 3.000 niederländische Häftlinge im Zeitraum von 1940 bis 1945 in Buchenwald inhaftiert. Über 700 von ihnen ließen hier ihr Leben, weitere Hunderte in anderen Konzentrationslagern, in die sie weiter verschleppt worden waren.

Die größte Gruppe bildeten Widerstandskämpfer, die von der SS zur Zwangsarbeit in der deutschen Rüstungsindustrie eingesetzt wurden. Darüber hinaus wurden auch jüdische Niederländer nach Buchenwald deportiert, von hier aus häufig weiter in andere Lager.

Die Deportationen erfolgten zumeist aus den Polizeihaftlagern Amersfoort, Schoorl und Westerbork, die der Dienststelle des Befehlshabers der Sicherheitspolizei unterstanden. Diese wurde nach der Besetzung der Niederlande 1940 in Den Haag eingerichtet. In der Zentrale und ihren fünf Außenstellen arbeiteten rund 700 Mitarbeiter. Die Dienststelle organisierte die Verfolgung von Widerstandsgruppen, Kommunisten und Juden.

Eine besondere Gruppe in Buchenwald sind die über 300 niederländischen Geiseln, die als Druckmittel gegen die Internierung von Deutschen in Niederländisch-Indien auf den Ettersberg verschleppt wurden. Getrennt von den anderen wurden sie in einer gesonderten Unterkunft (Block 41) untergebracht, unter ihnen auch Willem Drees der damalige Fraktionsvorsitzende der sozialdemokratischen Arbeiterpartei und spätere Ministerpräsident der Niederlande. Zu den Geiseln gehörten auch zahlreiche Angestellte des niederländischen Königshauses (Privatsekretäre, Kammerherr, Stallmeister).

Am Ende des Krieges bilden niederländische Häftlinge ein eigenes Hilfskomitee, das versucht, anderen niederländische Häftlinge zu unterstützen; Niederländer organisieren sich auch im Lagerwiderstand, unter ihnen der Grafiker Henri Pieck, der heimlich Skizzen über die Schrecken des Lagers anfertigt.

Chronologie

1940
Juli/Oktober: 356 Niederländer (überwiegend namhafte Politiker, Beamte, Lehrer, Staatsbedienstete, Journalisten, Künstler) werden als Geiseln nach Buchenwald gebracht. Ausgangspunkt: Vergeltung für die Internierung deutscher Staatsbürger in Niederländisch-Indien.

1941
Februar: 389 jüdische Männer aus Amsterdam und Rotterdam werden nach Buchenwald und von hier nach Mauthausen deportiert. Es handelt sich um eine Vergeltungsmaßnahme gegen den Widerstand.
April: 157 Niederländer, überwiegend Mitglieder der Widerstandsgruppe der Geuzen, werden nach Buchenwald deportiert.

1942
Transporte mit niederländischen Widerstandskämpfern, darunter auch Kommunisten und Zeugen Jehovas treffen aus dem Durchgangslager Amersfoort ein.

1943
Januar: 325 niederländische politische Häftlinge befinden sich im KZ Buchenwald. Einweisung von Niederländern, die in der deutschen Kriegswirtschaft arbeiten müssen, wegen Arbeitsvergehen.

1944
Frühjahr: Über 50 jüdische Männer werden aus Westerbork eingeliefert.
April: 499 Niederländer werden aus dem Durchgangslager Amersfoort gebracht (größter Transport aus den Niederlanden nach Buchenwald). Am Ende des Monats befinden sich fast 1.000 Niederländer unter den Häftlingen.
Juli: Einlieferung von niederländischen Widerstandskämpfern über den Befehlshaber der Sicherheitspolizei den Haag.

1945
Januar: Mit Todesmärschen aus den geräumten Lagern Auschwitz und Groß-Rosen treffen mehr als 250 niederländische Juden in Buchenwald ein.

Personen

- Jo Juda (1909-1985), Geiger, Konzertmeister.
- Willem Drees (1886-1988), Politiker, 1948-1958 Ministerpräsident der Niederlande.
- Vincent Weijand (1921-1945), Dichter, umgekommen in Buchenwald.
- Johnny & Jones (Nol van Wesel und Max Kannewasser), bekanntes Swing-Duo, deportiert nach Auschwitz, von dort in das Außenlager Ohrdruf des KZ Buchenwald, umgekommen 1945 in Bergen-Belsen.
- Willem F. van Bodegraven (1903-1992), Architekt
- Henry Pieck (1895-1972), Grafiker
- Salomon Jean René de Monchy (1880-1961), bis 1940 Bürgermeister von Rotterdam
- Pieter Geyl (1887-1966), Prof. Dr., Historiker
- Johan Eijkman (1892-1945), Theologe, Pfarrer

Angestellte des Königshauses und des niederländischen Staates

- Jean Chrétien Baron Baud (1893-1976), Privatsekretär, Kanzler des niederländischen Königshauses.
- Cornelius Dedel (1894), königlicher Kammerherr, Sekretär von Prinz Bernhard
- Wyborgh Sweerts de Landa (1891), Kammerherr der Königin
- Charles Emile Joseph Maria Verheijen (1892-1941), 1. Stallmeister der Königin, gestorben als Buchenwaldhäftling bei der Behandlung im Klinikum Jena.
- Jan de Beaufort (1880), Sekretär des Niederländischen Staatsrates
- Anton Marie Louis von Hombracht (1892), Staatsbeamter
- Charles Monod de Froideville (1896), Staatsbeamter
- Johan van Veen (1896), Hofbeamter
- Christiaan Everhard Salwegter, Hofmeister