Éva Fahidi-Pusztai

1925 (Debrecen, Ungarn)

Autorin

"Wir sind Großeltern und das Schicksal unserer Enkelkinder ist uns das Wichtigste. Ich selbst bin mit vier Enkelkindern an der Zukunft interessiert. Das Beste, was ich ihnen wünschen kann – wenn es auch noch so utopistisch klingt – ist, dass sie sich ein angstloses Leben schaffen. Dass sie sich eine demokratische Gesellschaft erbauen, in der institutioneller Hass unbekannt ist."



Éva Fahidi wird am 22. Oktober 1925 in Debrecen/Ungarn als Tochter des großbürgerlichen Holzhändlers Desiderius Fahidi und Irma Fahidi geboren. 1936 konvertiert die jüdische Familie zum Katholizismus. Éva und ihre Schwester besuchen die Klosterschule. Ende der 1930er Jahre werden in Ungarn immer strengere antisemitische Gesetze eingeführt, die die jüdische Bevölkerung immer stärker aus der Gesellschaft ausschließen.

Als im Frühjahr 1944 die deutsche Wehrmacht Ungarn besetzt, muss die Familie Fahidi ins Ghetto übersiedeln. Ende Juni wird die jüdische Bevölkerung der Stadt in einer Ziegelfabrik zusammengetrieben und in mehreren Transporten nach Auschwitz deportiert. Im letzten Transport am 27. Juni 1944 wird auch die Familie Fahidi nach Auschwitz/Birkenau verschleppt. Nach der Ankunft wird Éva Fahidi von ihrer Mutter und Schwester getrennt, die beide im Gas ermordet werden. Der Vater stirbt wenig später an den Bedingungen im Lager.

Éva Fahidi wird mit weiteren 999 ungarischen Jüdinnen Mitte August 1944 zur Zwangsarbeit in ein Außenlager des KZ Buchenwald transportiert. In Münchmühle bei Allendorf muss sie in der Granatenproduktion arbeiten.

Im März 1945 von amerikanischen Truppen auf einem Todesmarsch befreit, kehrt Éva Fahidi nach Ungarn zurück und arbeitet im Außenhandel. Heute lebt sie in Budapest. Sie gehört dem Häftlingsbeirat KZ Buchenwald an der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und dem Internationalen Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos an. 2012 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen, 2014 wurde sie Ehrenbürgerin von Stadtallendorf.

Éva Pusztai engagiert sich u. a. in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Buchenwald dafür, dass das Schicksal der jüdischen Frauen nicht in Vergessenheit gerät. Gerade angesichts aktueller gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen in Ungarn setzt sie sich gegen die Umdeutung der Vernichtung der ungarischen Juden sowie für die Verurteilung letzter noch lebender Täter aus den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern ein.