Transkription
Sprecher:in Die Aula brennt! In der Nacht zum 28. November 1943 legen Unbekannte Feuer in der Universität von Oslo. Der Brand wird schnell gelöscht. Doch die deutschen Besatzer nehmen ihn als Vorwand, die Uni zu schließen. Sie umstellen die Lesesäle, die Universitätskliniken, die Wohnheime. 1.250 Studenten werden verhaftet, 650 nach Deutschland deportiert. Unter denen, die Mitte Januar 1944 in Buchenwald eintreffen, ist der Medizinstudent Elling Kvamme.
Elling Kvamme „Die Ankunft in Buchenwald [...] war ein furchtbares Erlebnis. Es wurden die ganze Zeit Schimpfworte gebrüllt und vor allem ‚Los! Los!‘, es fiel immer scharfes Licht in die Augen, alle mitgebrachten Gegenstände mussten abgeliefert werden, […] die Köpfe wurden geschoren. […] Der Häftlingsblock war überfüllt. Überall gab es Flöhe und Dreck…“
Sprecher:in Nach zwei Wochen in einer schlecht ausgestatteten Holzbaracke bekommen die Studenten bessere Unterkunft sowie bessere Verpflegung zugewiesen. Professoren der Universität Jena kommen nach Buchenwald und halten Vorlesungen für die Studenten. Ein außergewöhnlicher Vorgang! Begonnen wird mit einem Vortrag über Abstammungslehre und Entwicklungsgeschichte des Menschen. Es folgen die unterschiedlichsten Themen: Volkskunde, Pädagogik, Strafrecht, physikalische Chemie. Warum macht sich die SS die Mühe, ein aufwendiges Fortbildungsprogramm für die Studenten zu organisieren?
Verbunden war damit die Hoffnung, die Studenten in einer Art Experiment als Kämpfer für die nationalsozialistische Sache gewinnen zu können. Schließlich sind sie in der Ideologie der Nationalsozialisten ebenfalls so genannte „Arier“. Die dafür verfolgte Strategie lautet in etwa: Erst abschrecken, dann überzeugen.
Die SS versucht, die jungen Norweger zu beeinflussen und sie zum Überwechseln zu bewegen. Doch die Studenten bestärken sich stattdessen in ihrem Widerstand. Am 24. August 1944 – unmittelbar nach dem Bombenangriff auf Buchenwald – wird dies besonders deutlich: Sie leisten erste Hilfe und pflegen Verletzte, die Hälfte ihres Steinblocks wandeln sie in ein provisorisches Lazarett um. Außerdem weigern sie sich, einen Leserbrief an die norwegische Tageszeitung Aftenposten zu verfassen. Die SS hatte verlangt, dass sie den Lesern die deutsche Version des Bombenangriffs bestätigen. Ihre besondere Position innerhalb des Lagers gibt den norwegischen Studenten einen gewissen Handlungsspielraum, den sie auch nutzen, um anderen Häftlingen zu helfen.
Durch Geheimverhandlungen skandinavischer Regierungen mit den Deutschen gelingt es, viele skandinavische Gefangene vor Ende des Krieges aus den Konzentrationslagern zu retten. Bekannt wird dies als „Aktion der weißen Busse“ – benannt nach den Transportmitteln. Auch die Studenten werden Anfang April 1945 zurück nach Norwegen gebracht. Elling Kvamme beendet sein Medizinstudium und arbeitet als Arzt. Er heiratet und gründet eine Familie. Bis zu seiner Pensionierung ist er Professor an der Universität Oslo.