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Rudolf Breitscheid

Vorsitzender der SPD Reichstagsfraktion

Transkription

„Kommt das Hitlertum zur Herrschaft, dann ist das Fundament beseitigt, auf dem wir das Haus unserer Zukunft und das Haus unserer Kinder aufbauen können.“

Das Protokoll verzeichnet: „Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.“ Im Reichstag spricht Rudolf Breitscheid, Mitglied im Vorstand und einer der besten Redner der Partei. Eindringlich warnt er in dieser Sitzung am 24. Februar 1932 vor dem Nationalsozialismus.

„Deshalb handelt es sich jetzt darum, alles andere zurücktreten zu lassen vor dem Gedanken: Wie wehren wir den Faschismus ab? Die Abwehr des Faschismus ist jetzt die Parole.“

Ein Jahr später ist diese Abwehr gescheitert. Die Nazis sind an der Macht, Breitscheid muss aus Deutschland fliehen. Dies bedeutet jedoch noch kein Ende seines politischen Engagements, das bereits im Kaiserreich seinen Anfang nahm.

In jungen Jahren betätigt sich Rudolf Breitscheid, der Nationalökonomie studiert und 1898 promoviert, zunächst im bürgerlich-liberalen Spektrum. Erst mit 38 Jahren schließt er sich der SPD an. Im Ersten Weltkrieg, als die Partei sich spaltet, steht er auf Seiten der unabhängigen Sozialdemokraten, die es ablehnen, Kriegsanstrengungen des Kaiserreichs zu unterstützen.

1920 zieht Breitscheid für die USPD in den Reichstag ein. Zwei Jahre später schließen sich die sozialdemokratischen Parteien wieder zusammen, und Breitscheid entwickelt sich im folgenden Jahrzehnt zum führenden Außenpolitiker seiner Partei und, nicht zuletzt, zum entschiedenen Gegner der NS-Bewegung.

Nach der Machtübernahme Hitlers flieht der prominente Politiker nach Frankreich. Von Paris aus hält er Kontakt zum Exilvorstand der SPD in Prag. Er schreibt für verschiedene sozialistische Zeitungen, und er ist zeitweilig am Versuch beteiligt, doch noch eine Einheit der Arbeiterbewegung im Kampf gegen den Nationalsozialismus und den befürchteten Krieg zu schmieden.

„Krieg und Faschismus sind untrennbar miteinander verbunden, und der Kampf gegen den einen wie den anderen muss auf derselben Ebene geführt werden. Mit anderen Worten: Wer den Frieden will, muss die Überwindung und Niederwerfung des Faschismus wollen.“

Dies schreibt Breitscheid zum 1. Mai 1936 in einem Artikel in einer Exilzeitschrift.

„Die Zeit drängt. Jeder verlorene Tag ist ein Gewinn für die Kriegstreiber. Die Verantwortung derer, die nicht alles daransetzen, um einen starken Wall gegen den Krieg zu errichten, wird immer größer. Nennt es Volksfront, nennt es Einheitsfront, nennt es, wie ihr wollt: Name ist Schall und Rauch. Es kommt auf den Entschluss und die Tat an.“

Doch im Volksfrontausschuss wechselt mit dem Personal auch der Kurs der KPD. Breitscheid wendet sich 1938 von der Zusammenarbeit mit den Kommunisten ab und zieht sich aus der politischen Arbeit fast ganz zurück.

Als deutsche Truppen in Nordfrankreich einmarschieren, flüchtet er im August 1940 zusammen mit seiner Frau Tony in den unbesetzten Süden. Bemühungen, in die Schweiz oder in die USA auszureisen, scheitern.

Französische Behörden liefern Breitscheid im Februar 1941 an die Gestapo aus. Fast ein Jahr sitzt er in Berlin im Gefängnis. Ihm soll der Prozess gemacht werden, Vorwurf: Hochverrat. Dies scheitert zwar, dennoch bleibt Breitscheid in Haft, zunächst als Sonderhäftling im KZ Sachsenhausen, ab September 1943 in Buchenwald.

Mit seiner Frau Tony, die ihn aus freien Stücken begleitet, ist der inzwischen 70-Jährige in der sogenannten Isolierbaracke im Sonderlager Fichtenhain interniert. Außerhalb des Häftlingslagers unter bevorzugten Haftbedingungen, doch von der Außenwelt fast völlig isoliert.

Beim Bombenangriff auf die nahegelegenen Rüstungsbetriebe im August 1944 wird die Baracke getroffen. Rudolf Breitscheid stirbt, verschüttet in einem Graben.


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