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Der Appellplatz

Gefangene in Häftlingskleidung (Burgenländer Roma) auf dem Appellplatz. Tag für Tag marschierten hier bis zu zwanzigtausend Häftlinge im Morgengrauen zum Zählappell auf. Am Abend, nach zehn oder mehr Stunden Zwangsarbeit, wiederholte sich diese Prozedur. Zwischen den Resten der alten Asphaltdecke findet man vereinzelt weiße Travertinsteine, Aufmarschmarkierungen für die Häftlinge. In ihrer hier und da noch erkennbaren Ordnung zeugen sie vom eigentlichen Zweck des Appells: Marschieren, antreten, blockweise formieren, Mützen herunterreißen, endlos stehen oder stundenlang singen. Das hatte System und gehörte zum Programm menschlicher Entwürdigung. Manche Appelle dauerten bis zu 72 Stunden und hatten keinerlei Sinn, außer die Häftlinge zu terrorisieren. Sich dem Drill zu verweigern, war tödlich. Vor ihren Augen hatten die Häftlinge die Fensterluken des Bunkers, aus denen die Schreie der Gefolterten drangen. Auf dem Appellplatz wurden auch halbnackte Menschen vor allen Augen ausgepeitscht, Mitgefangene am Galgen erhängt. Foto: SS, 1939. United States Holocaust Memorial Museum, Washington

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Gedenkfeier am 19. April 1945

Befreite Häftlinge bei der ersten Gedenkfeier für die Toten Buchenwalds. Im Hintergrund links das Krematorium und rechts das Torgebäude, davor der hölzerne Obelisk. Von den 250.000 Häftlingen des Lagers starben allein in Buchenwald und seinen über Hundert Außenlagern 56.000, noch mehr in anderen Hauptlagern, in die sie danach verschleppt wurden. Eine Woche nach der Befreiung errichteten Häftlinge auf dem Appellplatz einen hölzernen Obelisk. Seine Ausmaße sind heute durch die in den Boden eingelassenen Metallwinkel des an gleicher Stelle befindlichen Erinnerungszeichens angedeutet. Am 19. April 1945 fand hier die erste Gedenkfeier zu Ehren der Toten des KZ Buchenwald statt. Das Internationale Lagerkomitee hatte sie organisiert. Die Überlebenden dankten dabei auch den alliierten Truppen und schworen: "Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel." Foto: U.S. Army, 19. April 1945. National Archives, Washington

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Denkmal auf dem ehemaligen Appellplatz

Dort, wo am 19. April 1945 überlebende Häftlinge auf dem Appellplatz einen Obelisken aus Holz errichtet hatten, befindet sich heute das Denkmal für alle Toten des KZ Buchenwald. Zum 50. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald wurde 1995 auf dem ehemaligen Appellplatz ein Erinnerungszeichen für alle Opfer des KZ Buchenwald gesetzt. Dies war unter anderem notwendig geworden, da das Mahnmal der DDR auf der Südseite des Ettersberges weder an die Verfolgung der Juden, noch der Sinti und Roma erinnert. Das Denkmal markiert den Ort, an dem sich im Frühjahr 1945 der hölzerne Obelisk der ersten Gedenkfeier befand. Man entschied sich für ein sehr reduziertes Konzept: Eine in den Boden eingelassene Metallplatte nimmt den Umriss des Obelisken auf. Sie ist graviert mit dem Akronym "K. L. B.", sowie den Namen von mehr als 50 Opfergruppen. Vier weitere Edelstahlwinkel markieren die Gesamtgröße des Denkmals von 1945. Foto: Peter Hansen. SGBuMD

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Denkmal auf dem ehemaligen Appellplatz

Gedenkzeichen auf dem ehemaligen Appellplatz. Das heutige Erinnerungszeichen wurde von Horst Hoheisel und Andreas Knitz entworfen und realisiert. Eine Besonderheit ist zunächst nicht sichtbar: Die Mitte des Gedenkzeichens ist auf menschliche Körpertemperatur (36,5 Grad Celsius) beheizt. Als Zeichen dafür, was alle, denen die Nationalsozialisten ihr Lebensrecht absprachen, vereint: Ihr Menschsein. Seit 1995 organisiert an dieser Stelle das Internationale Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos (IKBD) jedes Jahr im April eine Gedenkfeier für alle Toten des Lagers. Foto: Claus Bach. SGBuMD