Autorenlesung mit Daniel Blatman

"Die Todesmärsche 1944/45"
Freitag, 21. Oktober 2011 um 19:00 Uhr
in der Eckermann-Buchhandlung
Marktstraße 2
99423 Weimar

Seine Lesereise durch Deutschland führt Daniel Blatman auch nach Weimar.

Diese Lesung ist eine gemeinsame Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen, der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora und der Eckermann-Buchhandlung Weimar.

Im Winter 1944/45 lässt die SS alle Konzentrationslager evakuieren, die alliierten Truppen in die Hände zu fallen drohen. Schwache und kranke Insassen werden zurückgelassen oder getötet, alle anderen zu Fuß oder per Eisenbahn in Lager auf dem Reichsgebiet gebracht. Wer unterwegs zusammenbricht oder zu fliehen versucht, wird auf der Stelle ermordet; viele erfrieren oder verhungern. Von den über 700.000 Häftlingen, die Anfang Januar 1945 registriert sind, kommen bei den Todesmärschen mindestens 250.000 ums Leben.

Daniel Blatman stellt dieses letzte Kapitel der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik zum ersten Mal umfassend dar. Anders als zuvor spielten sich die Ereignisse nicht mehr im fernen Osteuropa ab, sondern auf deutschen Straßen und Feldern.
Und die Mörder stammten nicht mehr nur aus den Reihen der SS, Polizei und Wehrmacht. Brutalisiert durch den Krieg und die NS-Propaganda, beteiligen sich nunmehr auch Zivilisten an Massakern und der erbarmungslosen Hatz auf «Volksfeinde».
So ist dieses Standardwerk auch ein erschreckendes Porträt der deutschen Gesellschaft am Ende des Zweiten Weltkrieges.
Dieses Buch lässt einen fassungslos zurück. Der israelische Historiker Daniel Blatman hat das letzte Kapitel der SS-Schreckensherrschaft so akribisch erforscht wie niemand vor ihm, das Ergebnis ist verstörend: Für die in Richtung Westen aus den Konzentrationslagern Evakuierten gab es keinen Fluchtort; die Häftlingstrecks gerieten mitten hinein in den allgemeinen Rückzug Millionen Deutscher aus den von der Roten Armee überrollten Ostgebieten und die Auflösung der Wehrmacht.
Bei Massakern an den ausgehungerten Juden, Kriegsgefangenen, Sinti und Roma oder Kommunisten mischten auch viele «normale Bürger» tatkräftig mit.
Außerhalb von Lagerzaun und Stacheldraht wirkten die abgerissenen Elendsgestalten auf viele Zivilisten offenbar so irritierend «anders» und «beängstigend», dass der Impuls übermächtig war, an ihrer Beseitigung mitzuwirken – wobei es nicht einmal des von Daniel Jonah Goldhagen konstatierten «eliminatorischen Antisemitismus» bedurfte. (Text: Rowohlt Verlag)

Zum Autor:
Daniel Blatman geboren 1953 in Israel, ist Direktor des Avraham Harman Institute of Contemporary Jewry der Hebrew University of Jerusalem. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte der polnischen Juden und der Shoah vorgelegt. Für sein Buch über die Todesmärsche hat er zehn Jahre geforscht.

Das ausführliche Programm finden Sie links in der Download-Box.