Rudolf Brazda, 26. Juni 1913 – 3. August 2011. Foto: Kathrin Schuchardt.

Trauer um Rudolf Brazda

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gedenkstätte Buchenwald trauern um Rudolf Brazda, der am 3. August im Alter von 98 Jahren verstorben ist.

Wir werden ihn nicht vergessen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Zum Leben von Rudolf Brazda

Am 26. Juni 1913 wurde Rudolf Brazda in Brossen (heute ein Ortsteil der Stadt Meuselwitz, Thüringen) als Sohn tschechischer Einwanderer geboren. Er wuchs in Meuselwitz auf und absolvierte eine Lehre als Dachdecker.
Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung im Januar 1933 geriet er als Homosexueller alsbald ins Visier der Behörden. 1937 angeklagt, wurde er zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Aus der Haft entlassen erfolgte seine Abschiebung in die Tschechoslowakei, wo sich Rudolf Brazda im Sudetenland niederließ.
Dort begleitete er das Theaterensemble Fischli-Bühne, trat in Operetten auf und arbeitete als Schauspieler und Tänzer. Nach der Annektion des Sudetenlandes durch das Deutsche Reich im Oktober 1938 wurde Rudolf Brazda Anfang April 1941 erneut verhaftet und zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt.
Er verbüßte seine Haftstrafe, wurde anschließend in "Schutzhaft" genommen und am 8. August 1942 in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert. Von der SS als Homosexueller kategorisiert, musste er den Rosa Winkel tragen. Zunächst leistete er Zwangsarbeit im Steinbruch, gelangte aber schließlich in das Dachdeckerkommando des Bauhofs.
Nach der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald am 11. April 1945 ging Rudolf Brazda nach Frankreich ins Elsass. Dort lernte er seinen langjährigen Lebensgefährten kennen, mit dem er bis zu dessen Tod 2002 zusammen blieb.
Einer breiten Öffentlichkeit wurde das Schicksal Rudolf Brazdas infolge der Presseberichterstattung über die Einweihung des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen am 27. Mai 2008 bekannt. Der inzwischen 95-jährige erhielt eine Einladung nach Berlin, wo ihn der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit empfing. Am 28. Juni 2008 nahmen beide im Rahmen des "Christopher Street Day" an einer Gedenkfeier für die homosexuellen NS-Opfer teil. Im April 2011 ernannte der Französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy Rudolf Brazda zum "Ritter der Ehrenlegion". Rudolf Brazda war der letzte bekannte Überlebende des KZ Buchenwald, der wegen seiner Homosexualität verfolgt worden war.