Leopold Claessens, 23. Juni 1924 – 28. Juli 2011. Foto: Katharina Brand.

Nachruf

Trauer um Leopold Claessens

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora trauern um einen Freund und Begleiter.
Wir werden ihn nicht vergessen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.


Im belgischen Burcht aufgewachsen, absolvierte Leopold Claessens eine Lehre als Büroangestellter in einer Aluminiumwalzerei. Wegen seiner Tätigkeiten im belgischen Widerstand wurde Leopold Claessens im Jahr 1944 von der Gestapo verhaftet und in der Genter Gefängnis gebracht.

Nach wenigen Wochen wurde Claessens in das KZ Buchenwald deportiert und danach in das Lager Dora überstellt. Die SS verlegte ihn in das Außenlager Harzungen, wo er während seiner gesamten Haftzeit schwerste körperliche Arbeit im Stollenvortrieb leisten musste. Im Zuge der Räumung des Lagers am 4. April 1945 gelangte Leopold Claessens in das KZ Bergen-Belsen, wo ihn im selben Monat britische Truppen befreiten.

Schwer von seiner KZ-Haft gezeichnet, musste ihm in seiner Heimat ein Teil seiner Lunge entfernt werden. Bei dem Genesungsaufenthalt in einem Schweizer Sanatorium lernte Leopold Claessens seine spätere Ehefrau kennen. 1950 bekamen sie einen Sohn.

Seine Tätigkeiten im Widerstand und die politische Gefangenschaft wurden vom belgischen Staat offiziell anerkannt. Ihm wurde, neben weiteren Ehrenmedaillen, das Ritterkreuz des föderalen Verdienstordens verliehen.

Leopold Claessens war die Weitergabe seines Wissens um die nationalsozialistischen Verbrechen stets ein wichtiges Anliegen. Dazu besuchte er regelmäßig Schulen, um in Gesprächen mit jungen Menschen über seine Geschichte auszutauschen und vor Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu warnen.

Um den Aufbau von engen Kontakten und einer Städtepartnerschaft zwischen Antwerpen und Nordhausen hat sich Leopold Claessens verdient gemacht. Auch unterstützte er tatkräftig das Kinderhospiz Mitteldeutschland.

Sein stets großes Engagement für die Arbeit der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora werden wir dankbar in Erinnerung behalten. Seinen Angehörigen gilt unsere tiefe Anteilnahme.