Jorge Semprún, 10. Dezember 1923 – 7. Juni 2011. Schriftsteller, Filmautor, spanischer Kulturminister a.D.. Foto: Peter Hansen

Trauer um Jorge Semprún (1923-2011)

Im Alter von 87 Jahren verstarb am 7. Juni 2011 in Paris unser hoch geschätzter Freund Jorge Semprún.

Diese Nachricht erfüllt uns mit großer Trauer. Wir werden ihn nicht vergessen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Jorge Semprún wird am 10. Dezember 1923 in Madrid geboren. 1937, zu Beginn des Spanischen Bürgerkriegs geht er ins Exil nach Paris und studiert Philosophie an der Sorbonne. 1941 schließt er sich der kommunistischen Résistance-Bewegung „Franc-Tireur et Partisans“ an, 1942 wird er Mitglied der Kommunistischen Partei Spaniens.

Im September 1943 verhaftet, wird er als „politischer Spanier“ Ende Januar 1944 ins KZ Buchenwald deportiert. Hier hat der Kommunist die einflußreiche Funktion des Schreibers in der Arbeitsstatistik inne und gehört der illegalen Widerstandsorganisation der Spanier an. Am 11. April 1945 befreit, kehrt Jorge Semprún nach Paris zurück und will Schriftsteller werden.

Erste Versuche, seine Deportationserfahrungen in Worte zu fassen, scheitern. Er arbeitet zunächst als Übersetzer bei der UNESCO. Seit 1953 koordiniert er in hoher und geheimer Funktion den kommunistischen Widerstand gegen Franco, zuerst aus Frankreich, von 1956 bis 1962 unter dem Decknamen Frederico Sánchez in Spanien.

1961 schreibt Jorge Semprún „Die große Reise“, einen Roman über seine Deportation aus dem französischen Internierungslager Compiègne ins KZ Buchenwald. 1964 schließt ihn die KP Spaniens wegen seiner Kritik an spätstalinistischen Strukturen aus der Partei aus. Als Drehbuchautor arbeitet Semprun mit den Regisseuren Alain Resnais und Costa-Gavras zusammen, u.a. „Der Krieg ist aus“ (1966) und „Z“ (1969).

1980 erscheint sein zweiter großer Roman „Was für ein schöner Sonntag!“, eine Auseinandersetzung mit seiner kommunistischen Vergangenheit vor dem Hintergrund seiner Buchenwald-Erfahrungen. Von 1988 bis 1991 ist Semprún spanischer Kulturminister. Nach zahlreichen anderen, meist autobiographischen Romanen, erscheint 1994 „Schreiben oder Leben.“

Für seine Aufzeichnungen und Berichte erhielt Jorge Semprún zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.a. 1994 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels, 1995 den Weimar-Preis, 2003 die Goethe-Medaille, 2006 den Österreichischen Staatspreis für Literatur sowie 2007 die Ehrendoktorwürde der Universität Potsdam.

Wir werden dem Verstorbenen ein ehrendes und hohes Andenken bewahren. Seinen Angehörigen gilt unser tiefes Mitgefühl.

Ein Kondolenzbuch liegt seit dem 8. Juni 2011 öffentlich zugänglich in der Besucherinformation der Gedenkstätte Buchenwald aus. (Öffnungszeiten Besucherinformation: Dienstag bis Sonntag von 9 Uhr bis 18.20 Uhr)