Aktuelle Meldungen

v.l.n.r.: Prof. Dr. Jens-Christian Wagner, Sabine Stein, Anita Ganzenmüller, Dr. Michael Löffelsender, Foto: Katharina Brand, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald

Generationenwechsel in der Forschung zum KZ Buchenwald

Verabschiedung von Sabine und Harry Stein; neue Herausforderungen für Anita Ganzenmüller und Michael Löffelsender

Wer Informationen zur Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald sucht, hat eine maßgebliche Adresse: Das Archiv der Gedenkstätte Buchenwald. Seit seiner Gründung 1971 sammelt das Archiv Materialien, die die Geschichte des historischen Ortes dokumentieren, um die dort begangenen Verbrechen zu beweisen und die Erinnerung an das Leid der Opfer wach zu halten. Aus dieser Dokumentation ist ein Spezialarchiv erwachsen, dessen Materialien in dieser Systematik in keinem staatlichen oder kommunalen Archiv zu finden sind.

Maßgeblichen Anteil an dem Wachsen und der tiefgründigen Erforschung der historischen Zeugnisse tragen die Archivleiterin Sabine Stein und der Historiker Dr. Harry Stein, der als Kustos die internationale Forschung zur Geschichte des KZ Buchenwald maßgeblich geprägt hat. Stiftungsdirektor Prof. Dr. Jens-Christian Wagner dankte den beiden Historiker:innen, die seit Anfang der 1980er Jahre in der Gedenkstätte tätig waren, für ihr großes Engagement: „Für Generationen von Forschenden waren Sabine und Harry Stein das Gesicht der Gedenkstätte. Beide haben mit Nachdruck dazu beigetragen, dass die Sammlungstätigkeit und die Forschung in der Gedenkstätte professionalisiert wurden. Zugleich standen sie immer mit großem Engagement für die humanitären Aufgaben der Gedenkstätte ein: ratsuchenden Überlebenden und Angehörigen zur Seite zu stehen und die Schicksale der Opfer so umfassend wie nur irgend möglich zu klären.“

Sabine Stein blickt zurück auf ihren Beginn als Bereichsleiterin Archiv, Bibliothek und Fotothek im November 1982: „Am Anfang standen zwei Schränke im ehemaligen Lagertor, ein Stift und eine mechanische Schreibmaschine. Schnell wurden es mehr Schränke, aber immer noch kein Computer. Die Forschungsarbeit war reglementiert, aber die Überlebenden waren es, deren Erzählungen das füllte, was auf dem Papier nicht zu finden war. Mit 1990 ging das Tor in die Welt auf: Die direkten Gespräche mit ehemaligen Häftlingen aus Italien, Ungarn, Australien, Israel prägten nun meine Arbeit. Eigentlich bis heute, auch wenn es inzwischen die Kinder, Enkelkinder, ja Urenkel sind, die das Archiv mit ihren Fragen aufsuchen. Ich bin vor allem froh, dass ich die vielen Akteure und Ehrenamtlichen bei den ehemaligen Außenlagern unterstützen konnte. Mit Bezug auf die Quellen und Erinnerungsberichte sind so Dinge entstanden, die sonst nicht hätten entwickelt werden können. Überhaupt hat mir die Einbindung in die Ausstellungsarbeit – etwa zu Franz Ehrlich im Museum Neues Weimar oder unsere Hörinstallation zu den Kindern in Buchenwald – gezeigt, dass Archivarbeit in einer Gedenkstätte nicht nur mit Papier, sondern vor allem mit Menschen und wie sie ihre Geschichten erzählen können, zu tun hat.“

Anita Ganzenmüller studierte Osteuropäische Geschichte, Neuere und Neueste Geschichte und Erziehungswissenschaften in Jena und war Bildungsreferentin im Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“. Seit ihrem wissenschaftlichen Volontariat, das 2014 begann, arbeitet sie an der Gedenkstätte Buchenwald. Ihr zentrales Anliegen ist es, die Zukunftsfähigkeit des Archivs zu sichern: „Ich wünsche mir, dass unsere Archivbestände noch mehr in das öffentliche Bewusstsein gelangen und für wissenschaftliche Forschungen und Bildungsarbeit genutzt werden. Dabei wollen wir uns auch den Herausforderungen des digitalen Zeitalters stellen: Neben der weiteren Erschließung von Beständen, sollen zukünftig auch digitale Angebote einen möglichst barrierefreien und niedrigschwelligen Zugang ermöglichen, der jedoch gleichzeitig einen sensiblen Umgang mit dem historischen Quellenmaterial pflegt.

Dr. Michael Löffelsender studierte Geschichte und Germanistik in Köln. Nach einem Volontariat in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora promovierte er mit einer Studie zur Justiz im Zweiten Weltkrieg. Seit 2012 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Buchenwald. Er betont: „Als Kustos zur Geschichte des KZ Buchenwald in die Fußstapfen von Harry Stein treten zu dürfen, freut mich sehr. Die letzten zehn Jahre haben wir bereits Seite an Seite in der Kustodie gearbeitet – eine Zeit, für die ich ihm sehr danken möchte und in der ich vieles von ihm lernen konnte. Die neue Herausforderung nehme ich sehr gerne an. Die Möglichkeit, aus unterschiedlichen Perspektiven und mit immer neuen Fragestellungen auf die Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald zu schauen und das so entstehende Wissen in neue Vermittlungsformate zu übertragen, reizt mich sehr.