In Gesellschaft.

Veranstaltungsreihe zum Thema Rassismus am 19. Mai, 23. Juni und 21. Juli 2022 open-air auf dem Stéphane-Hessel-Platz in Weimar.

Während das neue Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora im ehemaligen Gauforum in Weimar entsteht, sucht das Pop-Up-Forum „In Gesellschaft.“ bereits jetzt vor Ort das Gespräch und schafft neue Denkräume.

2022 thematisiert die Reihe an drei Terminen Rassismus – aus verschiedenen Perspektiven, aber stets mit dem Blick auf seine Relevanz für die Zwangsarbeit im Nationalsozialismus. Es gilt, historische Dimensionen zu beleuchten und Gegenwartsrelevanzen auszuloten: Wie gehen wir mit der Geschichte der NS-Zwangsarbeit um? Und was leiten wir daraus für unser Zusammenleben ab?

 

Am vorletzten Donnerstag im Mai, Juni & Juli 2022

18:30 – 20:00 Uhr, Open-air auf dem Stéphane-Hessel-Platz, Weimar

Moderation: Henry Bernhard, Landeskorrespondent für Thüringen beim Deutschlandfunk

Freier Eintritt

Getränke und Snacks bietet der mobile Truck der Weinbar Weimar

Bei schlechtem Wetter findet das Forum im Bauhaus-Museum Weimar statt.

 

Termine 2022

Do., 19. Mai, 18:30 – 20 Uhr: Rassismus & Judenhass

Angelehnt an das Thema des 77. Jahrestages der KZ-Befreiung „Buchenwald und der Holocaust“ geht es um Zwangsarbeit von Jüdinnen und Juden während der Shoah. Zwangsarbeit war häufig die einzige Chance, der antisemitischen Mordpolitik der Nationalsozialisten zu entkommen. Ausbeutung als mögliche Rettung – wie ließ und lässt sich das verhandeln?! Wie stellen wir uns dieser historischen Verantwortung? Welche Rolle spielt die Auseinandersetzung mit dem NS für neue Generationen und Menschen mit internationaler Geschichte in Deutschland?

Gesprächsgäste:

Dennis Forster, Politologe, Projektleiter „ReMember – deine Geschichte zählt“ an der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg mit MIND prevention

Lisa Hauff, Historikerin, u.a. Mitarbeiterin im Editionsprojekt „Judenverfolgung 1933-1945“, Mitkuratorin der Ausstellung „Der Prozess – Adolf Eichmann vor Gericht“

Leon Kahane, Künstler, u.a. Verantwortlicher Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst (Amadeu Antonio Stiftung). Hörtipp: Podcast #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland, Leon Kahane im Gespräch mit Mirna Funk

 

 

Do., 23. Juni, 18:30 – 20 Uhr: Rassismus & Strukturen

NS-Zwangsarbeit war die Folge von staatlich verordnetem und strukturell verankertem Rassismus. In Institutionen wie Armee, Polizei, Verwaltung oder Unternehmen – überall wurde die nationalsozialistische Politik von Ausgrenzung, Gewalt und Ausbeutung wirksam. Dieser Rassismus hatte seine Wurzeln in der Zeit vor dem NS und er war auch nach 1945 nicht verschwunden. Was markierte den nationalsozialistischen Rassismus? Wo verlaufen die Kontinuitäten von Rassismus in Institutionen und Strukturen? Und wie sollten wir uns der Gegenwart vor dem Hintergrund dieser Vergangenheit stellen?

Gesprächsgäste:

Meral El, Antidiskriminierungsexpertin, Vertreterin der Bundeskonferenz der Migrant:innenorganisationen für die neuen deutschen organisationen (ndo)

Karim Fereidooni, Rassismus- und Schulforscher, u.a. Walter-Jacobsen-Preisträger (2021) für die Verankerung der Rassismuskritik in den Diskurs der politischen Bildung

Manfred Grieger, Historiker, ehem. Chefhistoriker der Volkswagen AG

 

Do., 21. Juli, 18:30 – 20 Uhr: Rassismus & Sprache

Dieses Forum schließt an das Themenjahr „Sprache“ der Klassik Stiftung Weimar an. Macht und Wirkung von Sprache sollen verdeutlicht und Rassismen von gestern und heute identifiziert werden. Die Nationalsozialisten beschlagnahmten die deutsche Sprache und machten sie ihrem System dienstbar. Radikales Othering, diskriminierende Zuschreibungen und das Absprechen von Menschlichkeit gegenüber ganzen Bevölkerungsgruppen bereiteten der NS-Zwangsarbeit als öffentlichem Gesellschaftsverbrechen den Weg. Doch wie gestalten sich gegenwärtige Diskurse über Teilhabe, über vermeintlich „Fremde“ und Migration, insbesondere im Kontext Arbeit?

Gesprächsgäste:

Özlem Özgül Dündar, Autorin und Übersetzerin, performt mit den Kollektiven „Kanak Attak Leipzig“ und „Ministerium für Mitgefühl“. Lesetipp: „Gastarbeiter in“, Essay von Özlem Özgül Dündar auf der Website „Heimatkunde“ der Heinrich-Böll-Stiftung

Helmut Heit, Philosoph, Leiter des Stabsreferats Forschung an der Klassik Stiftung Weimar

Janosch Steuwer, Historiker, Mitherausgeber des Online-Magazins „Geschichte der Gegenwart

 

NS-Zwangsarbeit im Museum

Über 20 Mio. Menschen aus ganz Europa mussten für das nationalsozialistische Deutschland Zwangsarbeit leisten. Sie wurden überall eingesetzt, von der Großindustrie bis zum Privathaushalt. Die Deutschen beteiligten sich bereitwillig am System der Ausbeutung. Der Umgang mit den Zwangsarbeiter:innen war wie die gesamte NS-Gesellschaft zutiefst von Rassismus geprägt: Die propagierte „Volksgemeinschaft“ und die Zwangsarbeit der Ausgeschlossenen – beides gehörte zusammen, von Anfang an.

2023 eröffnet das Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus im Südflügel des ehemaligen Gauforums in Weimar. Dieser Gebäudeteil sollte den nationalsozialistischen Planungen zufolge der Thüringer NSDAP-Gauleiter Fritz Sauckel beziehen. Sauckel war ab 1942 in der Funktion des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz für die Deportation von Millionen Zwangsarbeiter:innen in das Deutsche Reich verantwortlich. Dafür wurde er 1946 in Nürnberg zum Tod verurteilt. Das Gauforum mit dem weithin sichtbaren Turm wäre das Zentrum seiner Macht geworden. Fertiggestellt wurde der monumentale Gebäudekomplex allerdings erst nach Kriegsende und erfuhr seitdem Nachnutzungen unterschiedlicher Weise.

 

 

„In Gesellschaft.“ bei vimeo

Das Forum Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus gibt es auch als Videoreihe zum Nachschauen bei vimeo.

 

In Gesellschaft. „Warum sind wir hier? NS-Zwangsarbeit im Museum“

FORUM MUSEUM ZWANGSARBEIT IM NATIONALSOZIALISMUS #1

Mit den Gesprächsgäst:innen:

Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar

Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

 

In Gesellschaft. „Zwangsarbeit als öffentliches Gesellschaftsverbrechen“

FORUM MUSEUM ZWANGSARBEIT IM NATIONALSOZIALISMUS #2

Mit den Gesprächsgäst:innen:

Christine Glauning, Leiterin Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin-Schöneweide 

Sharon Dodua Otoo, Autorin (u.a. „Adas Raum“) und politische Aktivistin

Michael Venus, Filmregisseur (u.a. „Schlaf“)

 

In Gesellschaft. "Rassismus & Judenhass"

FORUM MUSEUM ZWANGSARBEIT IM NATIONALSOZIALISMUS #3

Mit den Gesprächsgäst:innen:

Dennis Forster, Projektleiter „ReMember – deine Geschichte zählt“ an der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg mit MIND prevention

Lisa Hauff, Historikerin

Leon Kahane, Künstler

 

In Gesellschaft. "Rassismus & Strukturen"

FORUM MUSEUM ZWANGSARBEIT IM NATIONALSOZIALISMUS #4

Mit den Gesprächsgäst:innen:

Meral El, Antidiskriminierungsexpertin

Karim Fereidooni, Rassismus- und Schulforscher

Manfred Grieger, Unternehmenshistoriker, ehem. Chefhistoriker der Volkswagen AG