Professor Dr. Volkhard Knigge, Foto: Peter Hansen, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald

"Volkhard Knigge hat die Gedenkstätte zu einem Ort gemacht, den auch ehemalige Häftlinge heute wieder aufsuchen können"

Ein Dank zum Abschied.

Anlässlich seiner Verabschiedung hat Ministerpräsident Bodo Ramelow dem bisherigen Direktor der Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora, Professor Dr. Volkhard Knigge, in einem persönlichen Gespräch für sein langjähriges Wirken gedankt. 

Ramelow: „Es ist schwer zu sagen, was aus der Gedenkstätte geworden wäre, wenn Prof. Knigge nicht gekommen wäre. Ziemlich sicher wäre Buchenwald nicht geworden, was es heute ist: ein Ort, den auch ehemalige Häftlinge wieder aufsuchen können. Das ist, neben vielen Anerkennungen, die Prof. Knigge zu teil wurden, sein vielleicht größter Verdienst.“

Ramelow würdigte, dass sich die Arbeit Volkhard Knigges stets jenseits von Klischees abspielte. „Dabei kam ihm zugute, dass er neben seinem Beruf als Historiker eine psychoanalytische Ausbildung absolvierte. Seine geschichtswissenschaftliche Perspektive und seine Menschenkenntnis ergänzten stets einander. So konnte er in den 1990er Jahren die tiefen Gräben, die zwischen verschiedenen Opfergruppen existierten, befrieden, ohne auf historische Genauigkeit zu verzichten. Nur so konnte die Gedenkstätte Buchenwald zu der Bedeutung gelangen, die sie heute hat“, so Ramelow weiter. Mit viel Empathie habe er den ehemaligen Häftlingen der Lager das Gefühl vermittelt, dass die Gedenkstätte heute auch ihr Ort sei. Zugleich stehen die Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora heute für historisch präzise Aufklärung und geben den Nachgeborenen zahlreiche Anregungen dafür, sich in der Gegenwart für ein „Nie wieder“ engagiert einzusetzen.

Prof. Dr. Volkhard Knigge scheidet am 30. April 2020 nach 26 Jahren aus dem Direktorenamt aus. Nachfolgen wird ihm Dr. Jens-Christian Wagner, der bereits von 2001 bis 2014 die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora leitete und bis zu seinem Amtsantritt im Oktober 2020 Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsischer Gedenkstätten ist.

Vita:
Prof. Dr. Volkhard Knigge, der 1954 in Jöllenbeck in Ostwestfalen geboren und aufgewachsen ist, studierte Geschichte, Germanistik und Erziehungswissenschaften in Oldenburg und Paris.

Nachdem er eine vielseitige Laufbahn im Bereich der Wissenschaft, Kultur und Geschichte einschlug, war er seit 1994 Direktor der Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora. 2002 wurde er zum Honorarprofessor für Geschichte und Öffentlichkeit an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ernannt. Seit 2007 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit am Historischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Volkhard Knigge war 1997 Gründungsmitglied und bis 2015 der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der KZ Gedenkstätten in der Bundesrepublik. Später gehörte er der Expertenkommission für die Bundesgedenkstättenförderung an und hat 2018/19 für die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien an der Entwicklung der Förderrichtlinie „Jugend erinnert“ maßgeblich mitgewirkt.

Neben seinen Mitgliedschaften im Beirat des Fritz Bauer Instituts „Geschichte und Wirkung des Holocaust“, im Beirat der Berliner Stiftung Topographie des Terrors und im Wissenschaftlichen Beirat der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen in den Jahren von 1996 bis 2016, arbeitet er seit 2014 auch im Wissenschaftlichen Beirat der Klassik Stiftung Weimar. Im September 2019 wurde Prof. Knigge in den Beratungskreis für den Beauftragten für jüdisches Leben in Deutschland und dem Kampf gegen Antisemitismus aufgenommen. Prof. Knigge erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Richard-Frank-Preis der Deutschen Bibliothek für Zeitgeschichte (1999), den Weimar Preis der Stadt Weimar (2000), den Carl-von-Ossietzky-Preis für Politik und Zeitgeschichte der Stadt Oldenburg und das Bundesverdienstkreuz (2006) sowie im letzten Jahr den Hildegard Hamm-Brücher-Preis.

(Medieninformation der Thüringer Staatskanzlei, 29. April 2020)