Vertragsunterzeichnung im Rahmen eines Pressegesprächs, Foto: Sandra Siegmund, Gedenkstätte Buchenwald

Zusammenarbeit in der Aus- und Weiterbildung der Thüringer Polizei

Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora schließen Kooperationsvereinbarung

Heute unterzeichneten Prof. Dr. Thomas Ley, Leiter der Thüringer Fachschule für öffentliche Verwaltung, Fachbereich Polizei, und Prof. Dr. Volkhard Knigge, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, in der Gedenkstätte Buchenwald eine Kooperationsvereinbarung zwischen beiden Institutionen.

Die Wahrung der Menschenrechte und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht für beide Kooperationspartner – bei aller Unterschiedlichkeit der Tätigkeiten – im Zentrum ihrer Aufgaben. Entsprechende Kompetenzen sollen nun in gemeinsamen Bildungsveranstaltungen zusammengeführt werden, um das Studium zum gehobenen Polizeivollzugsdienst und die polizeiliche Aus- und Weiterbildung zu bereichern. Auch gegenseitige Unterstützung zu den Themen Menschenrechte, Demokratie- und Diktaturgeschichte haben sich die beiden Bildungspartner vorgenommen.

Thomas Ley führte aus: „Im Alltag des Polizeidienstes kann die Gefahr drohen, dass Menschen zu Objekten gemacht werden. Daher ist es umso wichtiger, dass im Zentrum der Polizeiausbildung die Charakterbildung steht und der Satz `Die Würde des Menschen ist unantastbar` zum Leitbild wird. Wir freuen uns auf viele Seminare, in denen Reflektion und das Erleben an den historischen Orten miteinander verknüpft werden.“  

Holger Obbarius, der Projektleiter der Kooperation seitens der Stiftung, stellte den Kern der bisherigen Planungen vor: „Die zweitägigen Seminare, die derzeit vorbereitet werden, richten ihren Fokus stark auf das gesellschaftliche Umfeld der Konzentrationslager: Welche Aufgaben übernahmen die Ordnungs- und die Kriminalpolizei im Nationalsozialismus? Folgerichtig findet der erste Tag auch nicht in den Gedenkstätten, sondern in Weimar oder Nordhausen statt. Dabei spielt auch die Auseinandersetzung mit der Geschichte der heutigen Polizeidirektion in Weimar und der Landespolizeiinspektion in Nordhausen eine wichtige Rolle. Der zweite Tag des Seminars widmet sich dann in den Gedenkstätten Buchenwald oder Mittelbau-Dora nicht nur der Funktion der Gestapo für die Lager, sondern auch der Geschichte inhaftierter Polizisten, z. B. aus Dänemark und Luxemburg, die Widerstand geleistet oder den Dienst verweigert hatten.“  Ein erstes Pilotprojekt dieser zweitägigen Seminare fand bereits erfolgreich am 15. und 16. Mai in Nordhausen und der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora statt. Etwa 50 Studenten und Dozenten der Fachhochschule nahmen an ihm teil.

Volkhard Knigge betonte schließlich bei der Unterschrift: „Diese Kooperation ist keine Zwangsehe, sondern eine Liebesheirat. Eine Liebesheirat zum Schutz der Demokratie und des Menschen.“