Fischel Libermann

1908 (Petrikau, Polen) - 2001 (Frankfurt a.M.)

Journalist und Schriftsteller

"Freunde sagen mir: Es ist eine Gnade Gottes, daß du dem Tod entgangen bist. Soll ich mich dafür bedanken, dass meine Frau, meine beiden Kinder, meine Eltern und Geschwister vergast wurden und er mich am leben läßt? Soll ich mich etwa auch noch beim barmherzigen Gott bedanken, daß er die Täter am Leben ließ? Wen soll ich anklagen?"



Fischel Libermann wird am 23. August 1908 in Petrikau (Polen) als Sohn eines Kaufmanns geboren, wird Talmudschüler bei Raw Schapiro, dem Gründer der Yeshiva Chachme Lublin. Er interessiert sich früh für Literatur.

Nach dem Einmarsch der Deutschen 1939 wird Petrikau zum Ghetto erklärt. Fischel Libermann kommt in verschiedene Arbeitslager, Deportation seiner Familie in die Vernichtungslager, er selbst wird Anfang Dezember 1944 in das Kleine Lager des KZ Buchenwald deportiert. Schwer erkrankt, wird er am 11. April 1945 befreit und muß bis zum Sommer 1945 in Buchenwald gepflegt werden.

Zunächst hält sich Fischel Libermann in Displaced Persons-Lagern (DP-Camps) in Süddeutschland auf, nach einer Reise in seine Heimatstadt Petrikau weiß er, daß von der gesamten Familie nur seine Nichte überlebt hat. Er kehrt zurück nach Deutschland, wo er bis 1948 als Journalist bei jiddischen Tages- und Wochenzeitungen arbeitet. Seinen Wunsch, nach Israel auszuwandern, verschiebt er. In den fünfziger Jahren Heirat und Geburt von drei Kindern. Fischel Libermann studiert als Privatgelehrter jiddische Literatur und Sprache, schreibt Kurzgeschichten, zeichnet, malt und modelliert in Auseinandersetzung mit seinen Erfahrungen unter der nationalsozialistischen Verfolgung. Von 1982-1998 ist er Lehrbeauftragter für moderne jiddische Literatur an der Frankfurter Universität. 1999 erhält er das Bundesverdienstkreuz.

Am 29. November 2001 stirbt Fischel Libermann in Frankfurt a. M.