Foto:Franz Waurig, SGBUMD

"Wie erinnern?" - Sowjetische Verhaftungen 1945–1950 in der regionalen Erinnerungskultur und Geschichtspolitik

Neue pädagogische Arbeitsmaterialien erschienen.

Ein vierteiliges Arbeitsmaterial bereichert das pädagogische Angebot der Gedenkstätte Buchenwald. Im Mittelpunkt steht der Ort Reichenbach im Vogtland. Seit mehreren Jahren wird dort über die Form der öffentlichen Erinnerung an den ehemaligen NS-Bürgermeister Otto Schreiber (1934/35-1945) diskutiert. Schreiber wurde im Sommer 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht verhaftet. Er verstarb 1946 im Speziallager Nr. 1 Mühlberg. Wie erinnern an einen Oberbürgermeister, der mitverantwortlich war für die Verfolgung der Bürger:innen in der NS-Zeit – und der in der sowjetischen Internierung, ohne rechtsförmiges Verfahren, verstarb?

„Die Situation in Reichenbach ist kein Einzelfall“, so Julia Landau, die das Projekt „Gedenken ohne Wissen?“ betreut. Dass das Material nicht nur auf die westsächsische Stadt begrenzt bleibt, ist ihr wichtig: „Wir wollen dazu anregen, vor Ort bestehende oder geplante Denkmäler zu erforschen, Biographien von Verhafteten zu rekonstruieren und historisch einzuordnen.“

In den einzelnen Materialmappen können sich Schüler:innen (ab Klasse 10) und Heimatforscher:innen über die Entwicklung Reichenbachs im Nationalsozialismus und nach 1945, über ausgewählte Biografien und die Erinnerungskultur vor Ort informieren. Es ist für einen bzw. mehrere Projekttage ausgelegt.

Die Arbeitsmaterialien sind Bestandteil von Workshops, die die Gedenkstätte Buchenwald anbietet. In Kooperation mit der Volkshochschule Weimar findet im Oktober eine Veranstaltungsreihe zu den sowjetischen Speziallagern statt.

Das Forschungsvorhaben „Gedenken ohne Wissen?“ gehört zum Projektverbund „Diktaturerfahrung und Transformation“. Es wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

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