Gedenkveranstaltung auf dem Trauerplatz gegenüber dem Ausstellungsgebäude, Foto: Katharina Brand, SGBUMD

Tage der Begegnung 2021

Veranstaltungen am 18. September 2021 anlässlich der Einrichtung des sowjetischen Speziallagers Nr. 2 in Buchenwald vor 76 Jahren, seiner Auflösung vor 71 Jahren und der Aufarbeitung seiner Geschichte seit 31 Jahren

In diesem Jahr jährt sich das Buchenwaldtreffen der Initiativgruppe Buchenwald 1945-50 e.V. zum dreißigsten Mal. Am Samstag, dem 18. September sprechen neben dem Vorsitzenden und Gründungsmitgliedern der Initiativgruppe, Rolf Staudte und Heidrun Brauer, Staatssekretärin Tina Beer, Oberbürgermeister Peter Kleine und Stiftungsdirektor Jens-Christian Wagner.

Neben dem zentralen Gedenken stehen die diesjährigen Tage der Begegnung im Zeichen der Reflektion des Umganges mit der Geschichte des sowjetischen Speziallagers Nr. 2 nach seiner Auflösung 1950.

So zeigt Julia Landau in ihrem Vortrag anhand der um 1948 errichteten und 2020 sanierten Verwaltungsbaracke des sowjetischen Stabes vier verschiedene Zeitschichten auf. Das unscheinbar wirkende Gebäude am sog. Carachoweg, zur Zeit der DDR als „Politische Abteilung“ bezeichnet, lässt sich aufgrund neuer Forschungsergebnisse der Zeit des sowjetischen Speziallagers Nr. 2 zuordnen.

Nach dem Ende der DDR wurde über die Verhaftungen in der sowjetischen Besatzungszone breit berichtet und kontrovers diskutiert (siehe auch die zu den Tagen der Begegnung aktualisierte Website www.speziallageraufarbeitung.de). Über den Hintergrund der zahlreichen, meist in den 1990er-Jahren errichteten Denkmäler ist jedoch wenig bekannt. Am Beispiel von Reichenbach/Vogtland gibt Franz Waurig am 22. September in einem digitalen Workshop für Multiplikator:innen und Schüler:innen zahlreiche Anregungen zum selbständigen regionalen Forschen.

Zu den bislang von der Forschung wenig beachteten Todesurteilen sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg gibt es neue Erkenntnisse, die Andreas Weigelt am 24. September im Stadtmuseum Weimar vorstellt.

Ein Stadtrundgang führt am 2. Oktober zu Spuren der sowjetischen Militärverwaltung in Weimar und zu Orten der Erinnerung an sowjetische Verhaftungen nach Kriegsende. Der Rundgang reflektiert die historische Situation 1945 zwischen Neubeginn, Herrschaftspraxis und Repression.

Alle Angebote sind kostenfrei.

Die geltenden Hygienebestimmungen sind einzuhalten.

Für den digitalen Workshop am 22. 9. und den Vortrag im Stadtmuseum Weimar am 24. 9. bitten wir um eine Voranmeldung unter verbundprojekt(at)buchenwald(dot)de oder telefonisch unter 03643 430198.

 

Die Veranstaltungen im Einzelnen:

Samstag, 18. September, 10 Uhr

Gedenkveranstaltung

Gedenkstätte Buchenwald, Trauerplatz am Gräberfeld I des sowjetischen Speziallagers Nr. 2

30. Buchenwaldtreffen der Initiativgruppe Buchenwald 1945-50 e. V. aus Anlass der Einrichtung des sowjetischen Speziallagers Nr. 2 vor 76 Jahren und des 71. Jahrestages seiner Auflösung


Grußworte und Ansprachen
Prof. Dr. Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
Heidrun Brauer, Vorsitzende der Initiativgruppe Buchenwald 1945 – 50 e. V.
Tina Beer, Staatssekretärin für Kultur in der Thüringer Staatskanzlei
Peter Kleine, Oberbürgermeister der Stadt Weimar
Rolf Staudte, Vorsitzender des Häftlingsbeirats für das sowjetische Speziallager Nr. 2

Ökumenischer Gottesdienst
anschließend Kranzniederlegung


Samstag, 18. September, 14.15 Uhr
Vortrag

„Ein Gebäude – vier Geschichten: Die sowjetische Verwaltungsbaracke“

Dr. Julia Landau, Kustodin der Gedenkstätte Buchenwald

im Kinosaal, anschließend Begehung des Gebäudes am Carachoweg


An dem äußerlich unscheinbaren Gebäude am Carachoweg lassen sich vier verschiedene Zeitschichten ablesen: die Zeit des sowjetischen Speziallagers, dessen Auflösung 1950, die der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte der DDR und die der heutigen Gedenkstätte Buchenwald seit 1990.

Als Verwaltungsgebäude wurde die Baracke zwischen 1948 und 1950 errichtet. Sie ist damit das einzige erhaltene Gebäude aus der Zeit des sowjetischen Speziallagers Nr. 2 in Buchenwald.

Seit seiner Sanierung 2020 nutzt die Gedenkstätte die Räume für Bildungsveranstaltungen mit dem Schwerpunkt aus der Geschichte des Speziallagers Nr. 2 und der Gedenkstätte.

 

Samstag, 18. September, 15.15 Uhr

Thematische Führung

Das sowjetische Speziallager Nr. 2
Treffpunkt: Besucherinformation

Ausführliche Informationen zum sowjetischen Speziallager Buchenwald finden Sie hier.

Zur neuen digitalen Präsentation der Aufarbeitung der Geschichte des sowjetischen Speziallager Nr. 2 seit 1989/90 gelangen Sie hier.


Mittwoch, 22. September, 15-17 Uhr
Digitaler Workshop für Multiplikator:innen (ThILLM anerkannt)

Gedenken ohne Wissen? Die Erinnerung an sowjetische Verhaftungen und Speziallager

Franz Waurig, wiss. Mitarbeiter der Gedenkstätte Buchenwald
Online, Anmeldung unter: verbundprojekt(at)buchenwald(dot)de

Wie erinnern wir an Personen, die nach Kriegsende durch die sowjetische Besatzungsmacht verhaftet wurden? Diese und ähnliche Fragen sorgten seit 1989/90 wiederholt für emotionale Auseinandersetzungen. Die Gedenkstätte Buchenwald entwickelte nun Bildungsmaterialien, das Lehrer:innen und Schüler:innen am Beispiel der westsächsischen Stadt Reichenbach/Vogtland Anregungen zum selbständigen regionalen Forschen gibt. Der auf zwei Stunden angelegte Online-Workshop führt in die Speziallager-Thematik ein und stellt das Arbeitsmaterial vor.

 

Freitag, 24. September, 18 Uhr
Vortrag

Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche 1944 – 47

Dr. Andreas Weigelt, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Lieberose
Stadtmuseum Weimar, Karl-Liebknecht-Straße 5
Anmeldung unter: verbundprojekt(at)buchenwald(dot)de

2015 erschien eine u. a. von Andreas Weigelt herausgegebene, umfangreiche Studie zu bislang von der Forschung wenig beachteten Todesurteilen sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Studie konnte den bisherigen Kenntnisstand erweitern: Insgesamt wurden über 3.000 Todesurteile aus den Jahren 1944-47 ermittelt, von denen über 2.500 vollstreckt wurden. Sie werden im Band mit kurzen biographischen Skizzen dokumentiert und in Fallgruppen historisch eingeordnet. In seinem Vortrag stellt Andreas Weigelt die Ergebnisse der Studie vor und berichtet aus seiner aktuellen Arbeit an einer Neuauflage und Ergänzung.

Samstag, 2. Oktober, 10 Uhr
Stadtrundgang

Nach dem Krieg. Spuren der sowjetischen Besatzungszeit in Weimar 1945 – 1950

Franz Waurig, wiss. Mitarbeiter der Gedenkstätte Buchenwald
Treffpunkt: Liszt-Haus, Marienstraße 17, Weimar
Dauer: 2 – 2,5 Stunden

Nach dem Abzug der US-amerikanischen Truppen im Juli 1945 wurde Weimar zum Zentrum der sowjetischen Militärverwaltung für Thüringen und zu einem wichtigen Militärstandort. An vielen Orten der Stadt finden sich bis heute Spuren dieser Zeit. Sie erzählen von Macht und Repression, aber auch vom kulturellen Neubeginn und einer schwierigen Annäherung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

 

Historischer Hintergrund

Im August 1945 errichtete die sowjetische Besatzungsmacht auf Teilen des Geländes des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald das Speziallager Nr. 2. Bei einer durchschnittlichen Belegung von 12.000 Gefangenen waren dort insgesamt 28.500 Menschen interniert. Zumeist handelte es sich um lokale Funktionsträger der NSDAP, aber auch Jugendliche und Denunzierte befanden sich unter ihnen. Mehr als 7.000 starben an Unterernährung und Krankheiten. Die Familien erhielten keinerlei Nachricht über den Verbleib ihres Angehörigen, auch keine offizielle Benachrichtigung im Falle des Todes. Im Februar 1950, kurz nach der Gründung der DDR, wurde das Lager aufgelöst.

 

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Ab dem 31. August 2021 gilt die so genannte 3G-Regelung. 
Bitte halten Sie deshalb für Ihren Besuch einen digitalen oder schriftlichen Nachweis über einen negativen Test, eine vollständige Impfung oder eine Genesung bereit. In allen Gebäuden ist grundsätzlich eine MNS zu tragen. Es gelten außerdem die allgemeinen Hygiene- und Abstandsregelungen.