Eröffnung der Ausstellung am 22.6.2021 im Beisein von Ministerpräsident Bodo Ramelow und weiteren Gästen, Foto: Rikola-Gunnar Lüttgenau, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald

Der Überfall auf die Sowjetunion

Eine Outdoor-Ausstellung an drei Orten in der Gedenkstätte Buchenwald, vom 22. Juni bis 30. November 2021

Das Booklet zur Ausstellung in deutscher und englischer Sprache finden Sie hier.
You can find the exhibition booklet in German and English here.

Das Booklet zur Ausstellung in deutscher und russischer Sprache finden Sie hier.
Здесь Вы можете найти буклет выставки на немецком и русском языке.

Am 22. Juni 1941 überfiel das nationalsozialistische Deutschland die Sowjetunion. Die Pläne dafür lagen seit langem vor: Es ging um die Eroberung von Land, um den Raub von Ressourcen und die Versklavung der Bevölkerung. Die Propaganda sprach vom entscheidenden Kampf gegen den „jüdischen Bolschewismus“. Damit bereitete sie das Feld für ein beispielloses Morden. In den besetzten Gebieten sollten Juden und Roma vollständig ausgelöscht werden. Unter den Massenmördern waren auch Thüringer: die Männer des Jenaer Polizeibataillons 311 etwa hinterließen eine Terrorspur durch Belarus und die Ukraine.

Die Wehrmacht hatte schon vor dem Angriff befohlen, alle politischen Kommissare der Roten Armee bei der Gefangennahme zu ermorden. Hunderttausende brachte sie zur Zwangsarbeit nach Deutschland. Dort setzte die Gestapo die Suche nach Kommissaren, Staatsfunktionären und Juden fort und lieferte sie der SS in den Konzentrationslagern zur Ermordung aus. Im KZ Buchenwald wurden 8.000 sowjetische Kriegsgefangene in einem umgebauten Pferdestall mit einem Genickschuss umgebracht. Es ist die größte planmäßige Mordaktion in der Geschichte Thüringens.

Zusätzlich zu den Kriegsgefangenen wurden fast 3 Millionen Zivilistinnen und Zivilisten aus den besetzten Teilen der Sowjetunion zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert, Hunderttausende von ihnen nach Thüringen. Hier waren sie rechtlos ausgeliefert, mussten in geschlossenen Lagern leben und das Kennzeichen OST auf der Kleidung tragen. Flucht oder Widerstand endeten im Konzentrationslager.

Diesem Schicksal widmet sich die dreiteilige Außenausstellung „Der Überfall auf die Sowjetunion“ der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora.

Am Block 8 richtete die SS 1942 hier eine Abteilung für minderjährige Zwangsarbeiter des „Arbeitserziehungslagers Buchenwald“ ein. Auf Betreiben politischer Häftlinge wurde daraus im Sommer 1943 der „Kinderblock“ des Konzentrationslagers. Es kamen dort ukrainische und russische Jungen sowie ab 1944 auch jüdische Kinder aus Polen und Ungarn unter. Die Untergrundorganisation der Häftlinge half ihnen. So wurde die Baracke für viele Jugendliche eine lebenswichtige Durchgangsstation und für Kinder unter 14 Jahren die Rettung. 328 Kindervon ihnen wurden in Block 8 befreit.

Mit dem Sonderlager für sowjetische Kriegsgefangene richtete die SS im Oktober 1941 ein eigenes, mit Stacheldraht umzäuntes Kriegsgefangenenlager ein. Die geplante Zwangsarbeit der sowjetischen Kriegsgefangenen fand jedoch zunächst nicht statt: Die SS isolierte die Gefangenen und setzte ihre Rationen herab. Innerhalb weniger Monate starb jeder Dritte von ihnen an Krankheiten und Hunger. Ab 1942 mussten die Kriegsgefangenen im Steinbruch oder beim Bau der Buchenwaldbahn arbeiten. Die SS vermietete ihre Arbeitskraft auch an Firmen der Umgebung. Eine zweite Gruppe von sowjetischen Kriegsgefangenen wies die Gestapo als „politische Gefangene“ ins Lager ein. Sie waren aus Kriegsgefangenenlagern geflohen oder der Sabotage verdächtig. Ihr Zentrum war die Steinbaracke Block 30.

In einem ehemaligen Pferdestall der SS richtete die SS im Oktober 1941 eine Erschießungsanlage ein. Sie war eigens für die massenhafte Ermordung sowjetischer Kriegsgefangener konzipiert worden. In den Kriegsgefangenenlagern sonderte die Gestapo Männer aus ideologischen und rassistischen Gründen aus. Ohne Registrierung wurden sie in Buchenwald nach der Ankunft erschossen. Im Pferdestall töteten SS-Männer die Kriegsgefangenen unter Vortäuschung einer medizinischen Untersuchung per Genickschuss. In anderen Konzentrationslagern wurde die Mordaktion im Sommer 1942 eingestellt. Buchenwald blieb bis 1944 Mordstätte. Insgesamt wurden hier rund 8.000 sowjetische Kriegsgefangene planmäßig umgebracht.

Die Ausstellung kann täglich bis zum Einbruch der Dunkelheit besucht werden.

Ein kurzes Video der Gedenkveranstaltung anlässlich des 80. Jahrestags des Überfalls Deutschlands auf die Sowjetunion am sowjetischen Ehrenmal sowie der Ausstellungseröffnung in der Gedenkstätte Buchenwald finden Sie hier.