Foto: Martin Gauger 1936, Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein

Erinnerung an Martin Gauger (1905-1941)

17. Juli, 14 Uhr: Vor 80 Jahren wurde der evangelische Kirchenjurist und Pazifist Martin Gauger ermordert. Wir begeben uns auf seine Spuren in Buchenwald.

Mit der Eröffnung der Ausstellung „Seine Kirche aber schwieg“ am kommenden Samstag (10. Juli, 18 Uhr) in der Herderkirche beginnt in Weimar das Gedenken für den evangelischen Kirchenjuristen Martin Gauger, den die Nationalsozialisten vor 80 Jahren, am 15. Juli 1941, ermordet hatten. Es folgen am 17. Juli eine Führung und Vorträge in der Gedenkstätte Buchenwald sowie eine Nagelkreuz-Andacht in der Herderkirche. Am 18. Juli ist ein ökumenischer Gottesdienst zum Gedenken an Paul Schneider, Otto Neururer und Martin Gauger geplant. Die Veranstaltungen werden von der Gedenkstätte Buchenwald, der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Weimar und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland in Kooperation mit der Katholischen Pfarrgemeinde Weimar und der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen organisiert. Die Evangelische Kirche in Deutschland erinnert Martin Gauger als einen der Märtyrer des 20. Jahrhunderts.

Die Ausstellung „Seine Kirche aber schwieg“ in der Weimarer Herderkirche als fotografische Biografie zu Martin Gauger kann vom 10. bis 31. Juli zwischen 10 und 18 Uhr besichtigt werden.

Am 17. Juli sind zunächst in der Gedenkstätte Buchenwald Veranstaltungen zur Erinnerung an Martin Gauger geplant. Um 14 Uhr beginnt vor dem ehemaligen Lagertor eine Führung mit Dr. Harry Stein „Auf den Spuren von Martin Gauger in Buchenwald“. Um 15.30 Uhr folgen im Kino-Saal der Gedenkstätte Vorträge: Dr. Boris Böhm spricht als Leiter der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein, Gerhard Gauger schildert die Sicht der Familie und die Dokumentarfilmerin Nancy Brandt stellt ein Filmprojekt zu Martin Gauger vor. Zum Abschluss wird um 18 Uhr zur Nagelkreuz-Andacht in der Herderkirche und der anschließenden gemeinsamen Besichtigung der Ausstellung „Seine Kirche aber schwieg“ eingeladen.

Ein Ökumenischer Gottesdienst zum Gedenken an Paul Schneider, Otto Neururer und Martin Gauger findet am 18. Juli um 14 Uhr auf dem ehemaligen Appellplatz der Gedenkstätte Buchenwald statt. Die Predigt hält Pfarrer Dr. Björn Mensing von der evangelischen Versöhnungskirche der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Hintergrund:
Martin Gauger (1905–1941) war einer der ganz wenigen deutschen Justizbeamten, die den Treueeid auf Adolf Hitler aus Gewissensgründen verweigerten. Er wurde deshalb aus dem Staatsdienst entlassen. Als Justitiar der Bekennenden Kirche verteidigte er mit allen juristischen Mitteln die Rechte seiner Kirche und half Verfolgten. Schließlich verweigerte Martin Gauger 1940 den Kriegsdienst und versuchte nach Großbritannien zu fliehen, was jedoch misslang. Am 12. Juni 1941 verschleppte die Gestapo ihn in das KZ Buchenwald, wo er zu Arbeiten im Steinbruch gezwungen wurde. Bereits vier Wochen später brachte die SS ihn mit einem „Invalidentransport“ in die Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein, wo er im Gas erstickt wurde. Im Gedenken an Martin Gauger verleiht der Bund der Richter und Staatsanwälte in Nordrhein-Westfalen alle zwei Jahre den Martin-Gauger-Preis.

Zitate von Martin Gauger:
„Ich kann diesen Krieg nicht fördern, ich kann nicht helfen, dass das Meer von Blut und Tränen noch andere Länder überflutet.“

„Nach meiner Meinung kann ein Krieg nur als Verteidigungskrieg gerechtfertigt werden, also in echter Notwehr … Die Ausweitung des strengen Notwehrbegriffs auch auf internationale Streitfälle … lehne ich ab.“

„Wenn einmal der Nebel sich zerteilt hat, in dem wir leben, dann wird man sich fragen, warum nur einige, warum nicht alle sich so verhalten haben.“


Die Veranstaltungen im Überblick:
10. Juli
18 Uhr, Herderkirche: Eröffnung der Martin-Gauger-Ausstellung „Seine Kirche aber schwieg“

17. Juli
Gedenkstätte Buchenwald, Treffpunkt ehemaliges Lagertor:
14 Uhr, Führung „Auf den Spuren von Martin Gauger in Buchenwald“ (Dr. Harry Stein)
Gedenkstätte Buchenwald, Kino-Saal
15.30 Uhr, Grußworte: Pröpstin Dr. Friederike Spengler, Regionalbischöfin, und Rikola-Gunnar Lüttgenau, Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
15.45 Uhr, Hagen Markwardt: Martin Gauger (Vortrag und Gespräch)
16:30 Uhr, Gerhard Gauger: Martin Gauger aus der Sicht der Familie
16.45 Uhr, Nancy Brandt: Vorstellung eins Filmprojektes zu Martin Gauger

(Es gelten die üblichen Abstands- und Hygieneregeln zum Infektionsschutz.
Für die Veranstaltung im Kinosaal der Gedenkstätte ist die Teilnehmerzahl auf 50 Personen beschränkt. Daten zur Kontaktnachverfolgung werden erfasst. Darüber hinaus gilt für den Kinosaal: Alle Teilnehmer:innen haben einen der folgenden Nachweise vorzulegen:

  • Nachweis eines negativen Testergebnisses (Testung auf das Vorliegen einer Coronavirus-Infektion mittels Antigenschnelltest, Selbsttest oder PCR-Test, wobei der Test nicht länger als 24 Stunden, bzw. im Fall des PCR-Tests als 48 Stunden zurückliegen darf) oder

  • Nachweis hinsichtlich des Vorliegens einer vollständigen Schutzimpfung gegen das Corona-Virus, sofern seit der letzten erforderlichen Einzelimpfung mindestens 14 Tage vergangen sind, oder

  • ärztliche oder behördliche Bescheinigung über eine überstandene Coronavirus-Infektion, die mindestens 28 Tage und nicht länger als 6 Monate zurückliegt.

Ohne die Vorlage eines der genannten Nachweise ist die Teilnahme leider nicht möglich.)


Herderkirche Weimar
18 Uhr Nagelkreuz-Andacht, anschließend gemeinsame Besichtigung der Ausstellung

18. Juli
14 Uhr, Gedenkstätte Buchenwald: Ökumenischer Gottesdienst zum Gedenken an Paul Schneider, Otto Neururer und Martin Gauger