Foto: Friedrich-Meinecke-Institut

Trauer um Prof. Dr. Wolfgang Wippermann (1945-2021)

Am 3. Januar ist der Historiker Wolfgang Wippermann verstorben.

Der renommierte Professor für Neuere Geschichte am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin begleitete seit dem Ende der DDR mehr als 20 Jahre lang die Neukonzeption der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora sowie die Arbeit der Stiftung.

Als Mitglied der 1991 von der Thüringer Landesregierung unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Eberhard Jäckel berufenen Historikerkommission bestimmte Wolfgang Wippermann maßgeblich die Leitlinien der Neugestaltung der Gedenkstätte Buchenwald mit. Er engagierte sich vehement gegen unsachliche Analogien von Nationalsozialismus und Stalinismus und machte es so möglich, dass sowohl an die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft als auch an die zu Tode gekommenen Insassen des sowjetischen Speziallagers erinnert werden konnte, ohne die Unterschiede in den Dimensionen der Verfolgung zu nivellieren. Er setzte sich stets dafür ein, die zweifache Geschichte des Ortes in ihrer Komplexität zu erforschen und darzustellen.

Seit 1994 Mitglied des wissenschaftlichen Kuratoriums der Stiftung, war er beratend in weitreichende inhaltliche Entscheidungen, Forschungs- und Ausstellungsprojekte eingebunden. Dies betraf die Gestaltung der ehemaligen Lagergelände, darunter der Appellplatz in Buchenwald und der Platz vor dem Krematorium in Mittelbau-Dora, ebenso wie Denkmale für jüdische Häftlinge, Sinti und Roma, homosexuelle Häftlinge, Deserteure der Wehrmacht und andere Häftlingsgruppen, Erinnerungsorte für das sowjetische Speziallager Buchenwald, die Konzeption von Dauerausstellungen zur Geschichte des KZ Buchenwald bzw. Mittelbau-Dora, zur Geschichte des sowjetischen Speziallagers Buchenwald  und zur Geschichte der Gedenkstätte Buchenwald sowie von Wanderausstellungen zur Geschichte der Erfurter Firma J.A. Topf & Söhne, zur NS-Zwangsarbeit und zum sowjetischen Gulag-System.

Ein besonderes Anliegen waren Wolfgang Wippermann die gesellschaftliche Anerkennung der Schicksale der Sinti und Roma im Nationalsozialismus und ihre Repräsentation in den Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. In der Geschichtsforschung zu diesem Thema setzte er wichtige Impulse.

Auch nach seinem altersbedingten Ausscheiden aus dem wissenschaftlichen Kuratorium blieb Wolfgang Wippermann der Stiftung verbunden. Seine fachliche Expertise, seine Streitbarkeit und seine Impulse werden uns fehlen.

Die Beerdigung findet am Dienstag, den 26. Januar 2021, um 11 Uhr auf dem Waldfriedhof Zehlendorf in 14129 Berlin-Nikolassee, Potsdamer Chaussee 75 (Eingang Wasgensteig), statt.