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"Der SS-Staat"

Das Cover der Originalausgabe "Der SS-Staat" von Eugen Kogon, 1947.

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Foto: Ernst Schäfer

Gedenkveranstaltung

Ehemalige kommunistische Häftlinge während einer Gedenkveranstaltung am 11. April 1948 anlässlich des dritten Jahrestages der Befreiung vor dem Bismarckturm auf der Südseite des Ettersberges.

1940er Jahre

Das KZ Buchenwald war das erste von einer westalliierten Armee befreite Konzentrationslager. Die hier sofort nach der Befreiung entstandenen Berichte, Filmaufnahmen und Pressefotos prägten deshalb nachhaltig die Wahrnehmung der westlichen Welt in Bezug auf die nationalsozialistischen Verbrechen und die Wirklichkeit der Lager. Der spätere US-amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower, Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte, vermerkte in seinen Memoiren zu einer Besichtigung des KZ-Außenlagers Ohrdruf am 12. April 1945, d. h. einen Tag nach der Befreiung Buchenwalds:

"Ich bin niemals im Stande gewesen, die Gefühle zu beschreiben, die mich überkamen, als ich zum ersten Mal ein so unbestreitbares Zeugnis für die Unmenschlichkeit der Nazis und dafür vor Augen hatte, dass sie sich über die primitivsten Gebote der Menschlichkeit in skrupelloser Weise hinwegsetzten. [...] Nichts hat mich je so erschüttert wie dieser Anblick. [...] Sobald ich am Abend in Pattons Hauptquartier zurückgekehrt war, telegraphierte ich nach Washington und London und drang bei den Regierungsstellen darauf, man solle sofort ohne weitere Umstände eine Reihe von Zeitungsredakteuren und Volksvertretern nach Deutschland schicken. Ich hielt es für richtig, der Öffentlichkeit in Amerika und England diese Beweise unverzüglich zugänglich zu machen, und zwar so, dass für zynische Zweifel kein Raum mehr blieb."

Gleichfalls unter dem Eindruck eines Besuches des Lagers – am 15. April – ordnete der Kommandeur der III. US-Armee, General Patton, die Besichtigung Buchenwalds durch eine repräsentativ zusammengesetzte Gruppe der Weimarer Bevölkerung an.

Über die organisierten Führungen und die Foto- und Filmdokumente hinaus trug die Sammlung von Berichten überlebender Häftlinge wesentlich zur Wahrnehmung der Lagerwirklichkeit und der Verbreitung der Geschichte des KZ Buchenwald bei. Bereits in den ersten Tagen nach der Befreiung verfassten über 100 Überlebende, die zumeist Funktionen im Lager ausgeübt hatten und die es deshalb besser als andere kannten, auf Veranlassung eines Intelligence Teams der Psychological Warfare Division etwa 150 Erlebnisberichte. Zunächst gedacht als Report für das Hauptquartier der alliierten Streitkräfte, arbeitete der an der Entstehung und Sammlung der Erinnerungsberichte wesentlich beteiligte ehemalige österreichische Häftling und Publizist Eugen Kogon die Zeugnisse zum ersten Standardwerk über das System der NS-Konzentrationslager aus. 1946 erschien die erste Ausgabe seines "SS-Staates". Eine Bibliografie der ausländischen Literatur zum KZ Buchenwald würde weit über 1000 Titel umfassen.

Noch vor der offiziellen Gründung der DDR und der Auflösung des Speziallagers Nr. 2 empfahl die Informationsabteilung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) im Juli 1949, nach dem Vorbild von Auschwitz bzw. Theresienstadt "im Lager Buchenwald ein Nationalmuseum einzurichten". Doch dieses von der VVN angedachte "Widerstandsmuseum großen Ausmaßes", in dem ehemalige Baracken verschiedenen Nationen für eigene Ausstellungen zur Verfügung stehen sollten, ist niemals verwirklicht worden.

Das Politbüro als höchstes Führungsgremium der in der DDR herrschenden Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) hatte andere Pläne. Auf einer Sitzung des von ehemaligen Häftlingen gegründeten deutschen Buchenwaldkomitees im Januar 1950 teilte dessen Vorsitzender Walter Bartel lapidar mit: "Die Partei hat den Auftrag erteilt, eine Thälmann-Gedenkstätte zu errichten".

Was dies für das Lagergelände bedeutete, wurde in einem Beschluss des Sekretariats des Zentralkomitees (ZK) der SED am 9. Oktober 1950 deutlich: Vorbereitet durch die ehemaligen Häftlinge Walter Bartel und Robert Siewert sowie den Vorsitzenden der VVN Thüringen, Willy Kalinke, wurde verfügt, das gesamte Lager mit all seinen Baracken abzureißen. Einzig das Krematorium als Todesort des früheren Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) Ernst Thälmann, das Torgebäude sowie der West- und Ostturm sollten erhalten werden. Der Beschluss wurde später ergänzt durch den Plan einer Aufforstung des Geländes.

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