Ministerpräsident Bodo Ramelow und Ivan Ivanji, Foto Bojan Stekić, SGBUMD

Ivan Ivanji erhält Thüringer Verdienstorden

Am 26. Januar 2019 ist der Auschwitz- und Buchenwald-Überlebende in Belgrad geehrt worden.

Anlässlich seines 90. Geburtstages ist Ivan Ivanji vom Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow in Belgrad mit dem Thüringer Verdienstorden ausgezeichnet worden.

In seiner Laudatio führte Bodo Ramelow aus: „Ivan Ivanji hat Bleibendes für Frieden und Versöhnung in Europa geleistet. Der Thüringer Verdienstorden ist Ausdruck unseres größten Respekts und tiefer Dankbarkeit für sein reiches Lebenswerk. Wir ehren ihn für sein Jahrzehnte währendes Engagement, die Verbrechen der Shoa aufzuarbeiten und die Erinnerung an die Opfer lebendig zu halten. Mit dem Thüringer Verdienstorden würdigen wir ihn gleichermaßen als politisch engagierten und mit der Gedenkstätte Buchenwald eng verbundenen Zeitzeugen, als verehrten Schriftsteller und kritischen Beobachter der gesellschaftlichen Entwicklungen in Europa.“

Ramelow weiter: „Besondere Anerkennung verdient seine aktive Unterstützung der Gedenkstätte Buchenwald. Immer wieder spricht er öffentlich über seine Erfahrungen und sucht den Kontakt vor allem zu jungen Menschen. Seine Erfahrungen sind für unsere Erinnerungskultur außerordentlich kostbar. Mit der Stadt Weimar ist er bis heute eng verbunden. Er reicht uns die Hände zur Versöhnung. Es ist ein einzigartiges, kostbares, ein unbezahlbares Geschenk des Vertrauens an uns Deutsche, für das wir sehr dankbar sind.“

Seit 1995 engagiert sich Ivan Ivanji in Thüringen sowohl als Schriftsteller als auch als Zeitzeuge und gesellschaftlicher Akteur für die Erinnerungsarbeit - immer auch in Bezug auf den Humanismus der Weimarer Klassik. So hielt er 1998 die Trauerrede für die Asche der Toten von Buchenwald bei ihrer Beisetzung auf dem Friedhof Ettersberg. Später verarbeitete er den historischen Kontext zu seinem viel beachteten Roman "Der Aschenmensch von Buchenwald".

Der viel beachtete Publizist kann als ein Botschafter der Erinnerungskultur in Thüringen bezeichnet werden, da seine Romane wie "Buchstaben von Feuer" oder "Schlussstrich" in wesentlichen Teilen die Situation Weimar und Buchenwalds reflektieren. Sie erscheinen auch auf Serbokroatisch. Als einer, wenn nicht der wichtigste Schriftsteller im Serbien der Gegenwart bringt er die deutsche Erinnerungskultur und das Erbe des klassischen Weimar in die Gegenwartskultur Serbiens.

Anlässlich der Übergabe der sog. Schillermöbel an die Gedenkstätte Buchenwald durch die Klassik Stiftung Weimar, an der er beteiligt war, schrieb er u. a.: "Buchenwald hat zu Weimar gehört, das ist keine Frage, sondern eine Feststellung. Und Buchenwald gehört immer noch dazu. Das soll sicher auch Schillers Stuhl hier auf dem Ettersberg beweisen. So kommen Licht und Dunkel auf eine besondere Weise fast gleichzeitig zum Vorschein. Könnte es sogar gut sein, dass man in einer kleinen Stadt wie Weimar, dank der unmittelbaren Nachbarschaft deutscher Klassik und deutscher Mordlust, mehr darüber erfahren kann, welche Gegensätze die Art Homo sapiens genetisch in sich trägt ?"

Wir gratulieren Ivan Ivanji zu seinem 90. Geburtstag und zur Auszeichnung mit dem Thüringer Verdienstorden.

Zur Biographie von Ivan Ivanji: Geboren am 24. Januar 1929 in Zrenjanin (Banat, heute Vojvodina, Serbien) in einer jüdischen Ärztefamilie. Verhaftet in Novi Sad und von März 1944 bis April 1945 in den Konzentrations- und Vernichtungslagern Auschwitz und Buchenwald. Journalist, Verlagslektor, Dramaturg und Direktor mehrerer Belgrader Theater, von 1974 bis 1978 Botschaftsrat Jugoslawiens in Bonn. Von 1982 bis 1988 Generalsekretär des jugoslawischen Schriftstellerverbandes. Veröffentlicht seit 1951 zuerst auf Serbisch, danach auch auf Deutsch. Zwanzig Jahre lang war er auch Dolmetscher Titos und der jugoslawischen Staats- und Parteiführung für die deutsche Sprache. Er nahm teil an wichtigen internationalen Konferenzen, so der Gründungskonferenz der KSZE 1975 in Helsinki und der Gipfelkonferenz der Blockfreien 1979 in Havanna. Heute lebt er als freier Schriftsteller und Übersetzer in Belgrad und Wien.

Romane (Auswahl): Kaiser Diokletian, 1976; Barbarossas Jude, 1996; Der Aschenmensch von Buchenwald, 1999; Titos Dolmetscher – als Literat am Pulsschlag der Zeit, 2007; Buchstaben von Feuer, 2011; Mein schönes Leben in der Hölle, 2014 u. v. m. Aus dem Deutschen ins Serbische übersetzt hat er unter anderem Werke von Günter Grass, Heinrich Böll, Bertolt Brecht, Milo Dor, aus dem Serbischen ins Deutsche Danilo Kiš, David Albahari u. a.