Aimé Bonifas. Foto: privat

Trauer um Aimé Bonifas

Der französische Überlebende der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora verstarb im Alter von 93 Jahren in Nîmes

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora trauern um Aimé Bonifas, einen langjährigen Freund, Vertrauten und engagierten Begleiter unserer Arbeit.

Aimé Bonifas wurde 1920 in Frankreich geboren. Nach seiner Schulzeit studierte er Rechtswissenschaften in Montpellier. Ab 1940 schloss er sich dem organisierten Widerstand gegen die deutsche Besetzung Frankreichs an und beteiligte sich an der geheimen Verbreitung von Flugblättern und Zeitschriften für die Résistance.

Nach seinem Jura-Examen fühlte sich der gläubige Christ zum Studium der Evangelischen Theologie berufen. Doch zunächst entschloss er sich im Frühjahr 1943, den Befreiungskampf der freifranzösischen Streitkräfte in Nordafrika zu unterstützen. Beim Versuch, auf dem Landweg über Spanien nach Algerien zu gelangen, verhafteten ihn deutsche Truppen. Über Toulouse und Compiègne wurde er im September 1943 nach Buchenwald deportiert.

Im Oktober 1943 wurde Aimé Bonifas zur Zwangsarbeit ins Buchenwalder Außenlager „Laura" bei Lehesten gebracht. Von dort kam er im August 1944 ins KZ Mittelbau-Dora und wurde den Häftlingskommandos zum Bau der Helmetalbahn in den Außenlagern Mackenrode und Osterhagen zugeteilt. Von Osterhagen geriet er im April 1945 auf einem Todermarsch zu Fuß über Wieda nach Wernigerode, dem sich ein Transportzug in Richtung Gardelegen anschloss. Doch kurz vor Gardelegen konnte er aus dem Zug fliehen und sich zu den nahen amerikanischen Truppen durchschlagen. So entlam er dem kurz darauf folgenden Massaker in der Isenschnibber Feldscheune.

Nach seiner Rückkehr nach Frankreich studierte Aimé Bonifas Theologie und wirkte über viele Jahre hinweg als evangelischer Pastor. Außerdem engagierte er sich aktiv in den französischen Veteranenverbänden: Er war Leiter der "Fédération nationale des déportés et internés résistants et patriotes" (FNDIRP) und der "Amicale de Buchenwald-Dora". Ebenso gehörte er der "Association des amis de la fondation pour la mémoire de la déportation" (AFMD) an.

Im Jahr 1968 veröffentlichte er einen Erinnerungsbericht über seine KZ-Deportation, der unter dem Titel "Häftling 20801" auch ins Deutsche übersetzt wurde. Seine besonderen Anliegen waren bis zuletzt die deutsch-französische Versöhnung sowie der Einsatz für ökumenisch-christliche Annäherung und Toleranz.

Am Montag, 2. September 2013, wurde Aimé Bonifas in Nîmes beigesetzt.

Wir werden ihn nicht vergessen und ihm und seinem engagierten Wirken ein ehrendes Andenken bewahren.