Fritz-Cremer-Plastik der befreiten Häftlinge mit dem "Turm der Freiheit". Foto: Peter Hansen. Gedenkstätte Buchenwald

Gestaltete Geschichte

Während im alten Lagerbereich systematisch fast alle Gebäude abgerissen und nach Möglichkeit verkauft werden, wird parallel 1,5 km weiter ein Mahnmal geplant, das weithin sichtbar vor allem an den Widerstandskampf der Kommunisten im KZ erinnert: Die im Auftrag der DDR-Regierung gestaltete und 1958 eingeweihte Anlage soll zukünftigen Generationen als Wegweiser zum weiteren Aufbau der sozialistischen Gesellschaft dienen. Der Bezug auf den Buchenwald-Schwur, den in Buchenwald ermordeten KPD-Vorsitzenden Thälmann, die behauptete "Selbstbefreiung", den Roman "Nackt unter Wölfen" und die Weimarer Klassik ("Goethe-Eiche") wird im Mahnmal ebenso betont wie in der Gestaltung des ehemaligen Lagergeländes.

Erinnerungen werden überall gepflegt, benutzt, verdrängt. Dies betrifft einzelne Personen, Gruppen, ganze Gesellschaften und Staaten. Das Mahnmal und die Geschichte der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte sind inzwischen so sorgfältig recherchiert und dokumentiert, dass diesen Mechanismen in der dazugehörigen Ausstellung und im Gelände gut nachgegangen werden kann. Über die Architektur, die inzwischen gefüllten Leerstellen in den Erzählungen der DDR-Zeit, über Biografien und Vergleiche mit der Gestaltung ehemaliger Lagergelände im Westen (Dachau, Bergen-Belsen, Neuengamme) bietet dieser Zugang eine breite Palette von Möglichkeiten, neben den historischen Ereignissen, deren Präsentation kritisch zu befragen.