Sich ein eigenes Bild zu machen, ist ein Hauptziel der pädagogischen Arbeit. Foto: KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora

Grundsätze und Ziele unserer pädagogischen Arbeit

Die Lernprozesse beginnen nicht erst in der KZ-Gedenkstätte, sondern bereits im Vorfeld des Besuches. Eine inhaltliche und an den Interessen der Teilnehmer/-innen ausgerichtete Vorbereitung ist unerlässlich für eine gelingende Vermittlung vor Ort. Der demokratisch und offen gestaltete Bildungsprozess räumt den Besucher/-innen ein höchst mögliches Maß an Freiwilligkeit ein. Die Teilnahme an den jeweiligen Programmpunkten liegt in der Entscheidung jedes Einzelnen/jeder Einzelnen.

Bei der Vermittlung der Bildungsinhalte wird Wert auf eine multiperspektivische und differenzierende Darstellung gelegt. Es gilt das Verbot der Indoktrination. Das schließt aus, die Besucher/-innen im Sinne erwünschter Meinungen zu überwältigen und an der Gewinnung eines selbstständigen Urteils zu hindern. Dazu gehört auch, dass Kontroversen in Wissenschaft und Politik in der Vermittlungstätigkeit als solche verhandelt werden. Unterschiedliche Standpunkte und Optionen dürfen nicht einseitig ausgelegt werden. (Beutelsbacher Konsens)

Die Bildungsprogramme sollen beständig die Balance wahren zwischen ziel- und inhaltsorientiertem Arbeiten und prozessorientiertem Agieren, das die einzelnen Teilnehmenden und die Gruppendynamik im Blick behält. Die pädagogische Arbeit der KZ-Gedenkstätte zielt nicht auf die politische und moralische Läuterung der Besucher/-innen oder die Errichtung eines imaginären "Schutzschildes" gegen rechtsextreme, rassistische oder antisemitische Einflüsse. Die Angebote der KZ-Gedenkstätte sollen hingegen die Besucher/-innen zu einer persönlichen kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes anregen sowie diese unterstützen und begleiten.

Ziel ist die Ausprägung eines wachen und kritischen Geschichtsbewusstseins. Dabei geht es auch darum, Reflexionsprozesse über die eigene Identität, über soziales Handeln und persönliche Verantwortung in Gang zu setzen. In diesem Sinne ist die pädagogische Arbeit der KZ-Gedenkstätte gegenwartsorientiert. Unerlässlich für diese Zielsetzungen ist es, das jeweilige Lebensumfeld der Besucher/-innen zu berücksichtigen.