Pädagogisches Projekt mit historischen Dokumenten. Foto: Claus Bach

Inhalte unserer pädagogischen Arbeit

Ihre Kenntnisse über die Geschichte erarbeiten die Besuchergruppen im Sinne forschenden Lernens aus den historischen Quellen. Diese sind die Grundlage der historisch-politischen Bildungsarbeit in der Gedenkstätte. Zu den Quellen zählen die baulichen Relikte des Lagers (etwa das Krematorium, der Appellplatz oder der Stollen), die archivalische Überlieferung (schriftliche Dokumente, Fotografien, Zeitzeugenberichte), Fundstücke aus dem Lager, historisches Filmmaterial und die in der ständigen Ausstellung sowie in Sonderausstellungen präsentierten Exponate.

Im Mittelpunkt der Vermittlung steht das Schicksal der Häftlinge und ihrer individuellen Biografien. Diese werden in ihrer Einzigartigkeit ernst genommen, jedoch immer auch in Akteurszusammenhänge eingebettet und historisch kontextualisiert. Thematisiert werden die Gründe, weshalb Menschen in ein Konzentrationslager verschleppt wurden und die Bedingungen, unter denen sie lebten, litten oder auch starben. Hier spielen auch die Themen Selbstbehauptung und Widerstand eine wichtige Rolle: Wie bei der Betrachtung der Täter und Zuschauer ist die didaktische Perspektive stets handlungsorientiert.

Die Beschäftigung mit den Täter/-innen und Mittäter/-innen bzw. dem gesellschaftlichen Umfeld des KZ Mittelbau-Dora bildet einen weiteren Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit. Entscheidend sind hier vor allem die Handlungsmotive und Entscheidungs-spielräume, aber auch die persönlichen Vorteile, die durch die Beteiligung an den NS-Verbrechen für den Einzelnen entstanden sind.

Außerdem wird auf die Gegner des Nationalsozialismus bzw. auf die Menschen eingegangen, die Verfolgte unterstützten. Deren mögliche Motive, sich der allgegenwärtigen Ideologie und dem Konformitätsdruck zu entziehen sowie persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen oder sogar das eigene Leben zu riskieren, sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Vermittlungskanons. Die dem Geschehen im Konzentrationslager zugrunde liegenden historischen Zusammenhänge sollen erläutert, strukturelle Prozesse, ihre Entstehungsursachen und Folgewirkungen an Beispielen verdeutlicht werden.

In der pädagogischen Vermittlungsarbeit der KZ-Gedenkstätte soll nicht die Kulisse des ehemaligen Konzentrationslagers nachgezeichnet werden. Im Mittelpunkt stehen auch nicht die grausamen Geschehnisse, die sich tagtäglich an diesem Ort abgespielt haben. Vielmehr soll am Beispiel des KZ Mittelbau-Dora verdeutlicht werden, welche Folgen die gesetzliche Verankerung von Ungleichheit und Sozialdarwinismus sowie die rassistische Selbstermächtigung einer Gesellschaft haben können.